Von 0 auf 100 in 16 Jahren

© Alciro Theodoro Da Silva
Text von: Stefan Liebig

Energiespeicher aus dem kleinen Pöhlde im Vorharz sorgen weltweit für dauerhafte Stromversorgung.

Die Referenzenliste auf der Homepage ist dreigeteilt. A bis F startet mit Aldi, F bis P beginnt mit dem Flughafen Hannover und unter P bis Z stößt man auf Volkswagen – nur drei Beispiele einer imposanten Aufzählung, hinter der man einen Großkonzern erwartet. Doch dies ist die Webseite von akkuteam Energietechnik – einem Familienunternehmen mit 37 Mitarbeitern aus dem beschaulichen, gerade einmal 2.161 Einwohner zählenden Pöhlde am Harz.

Mit Stromerzeugern, Sicherheitsbeleuchtungen und vielfältigen Batterieprodukten präsentiert sich das Portfolio des von Norbert Engel vor 16 Jahren gegründeten Betriebes aber alles andere als provinziell. „Ich hatte beruflich immer mit Batterien zu tun und wollte mein Wissen nutzen, um etwas Eigenes aufzubauen“, sagt der gelernte Elektroniker rückblickend.

Die Idee zur Gründung kam während seiner Tätigkeit als Service- und Vertriebsmitarbeiter eines großen deutschen Batterieherstellers. Er überzeugte seinen Bruder Wolfgang, sein erster Angestellter zu werden, und gemeinsam nutzten die beiden Elektroniker ihr Fachwissen und ihre Marktkenntnis, um eigene Produkte zu entwickeln. Die Engels setzten von Beginn an auf Innovation und Expansion.

„Ich hatte anfangs an fünf bis zehn Mitarbeiter gedacht. Wenn wir Liefersicherheit garantieren wollen, müssen wir genügend Personal haben“, so Engel. Doch diese Zahl war schnell überschritten. Inzwischen ist er bei 37 Beschäftigten angelangt. Die Hoffnung, mit mehr Angestellten müsse er weniger arbeiten, hat sich aber nicht erfüllt. Die Aufgaben hätten sich lediglich verändert, berichtet er schmunzelnd. Was aber ist das Erfolgsgeheimnis des Pöhlder Unternehmens? Mit technischen Neuerungen zur Sicherung der Stromversorgung gewann das akkuteam sehr schnell das Vertrauen der Kunden.

Einer der ersten war Volkswagen. Heute sorgt der Automobilriese für 50 Prozent des Gesamtumsatzes, indem er auf das Portfolio von Batterieladegeräten für Kfz-Werkstätten über Hochvolt- Ladesysteme bis zu Diagnose-Equipment für die Volkswagen Group zugreift. Im Bereich der Diagnose etwa errichtete akkuteam im Auftrag von VW ein spezielles Prüflabor, in dem Autobatterien auf ihre Haltbarkeit unter verschiedenen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen getestet werden.

Wenn die Batterien 20 Wochen im 3 bis 60 Grad Celsius warmen Wasser überstehen, dann sind die Voraussetzungen für den Einsatz in einem Volkswagen erfüllt. Die geplante Investition für dieses hochmoderne Labor belief sich zunächst auf 150.000 Euro. Nach reiflicher Überlegung entschloss sich Engel im Dezember 2009, einen Bauantrag zu stellen, der wurde im März 2010 genehmigt. Doch im April folgte ein Schock: VW änderte die Prüfnormen.

Die neu kalkulierte Investitionssumme belief sich plötzlich auf 750.000 Euro. Eine immense Herausforderung für das kleine Unternehmen. „Aber wir haben es geschafft“, sagt Norbert Engel heute stolz und blickt auf einen hochzufriedenen Kundenstamm für das Hightechlabor. Zwar belegt VW zu 70 Prozent die Prüfplätze, doch inzwischen lassen hier auch viele andere Großunternehmen Tests durchführen.

Das Prüflabor ist zu einem sehr wichtigen Bereich für das akkuteam geworden, was aber noch nicht den hohen Personalbedarf erklärt. Dieser entsteht durch die vielen Prüf einsätze, die die Monteure bei den Kunden vor Ort durchführen. So finden täglich Einsätze bei den VW-Werken Wolfsburg, Kassel und Salzgitter statt.

Insgesamt 6.000 Batterien von Gabelstaplern werden hier permanent und systematisch kontrolliert. Die Vorbereitungen für ähnliche Kooperationen mit Audi und BMW laufen auf Hochtouren. Noch weit mehr Batterien passieren den zweiten Standort Seesen. Fast eine halbe Million aus Übersee importierter Energiespeicher kommen dort jährlich an, damit die während des Transports verlorengegangene Ladung ausgeglichen wird. Anschließend findet dann die Just-in-time-Lieferung beim Kunden statt.

Weitere Geschäftsbereiche sind die Notbeleuchtungssysteme, z.B. in öffentlichen Gebäuden und Krankenhäusern, und die Stromversorgung mittels Ersatzstromanlagen, bei der batterie- oder dieselgeneratorgestützte Systeme für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung von IT-Systemen und Industrieproduktionen sorgen. In dem Bereich finden sich viele regionale Einrichtungen oder Energieversorger, die sich auf schnellen und zuverlässigen Vor-Ort-Service verlassen können.

Das große Vertrauen der Kunden in die innovativen Produkte bringt aber ein großes Problem mit sich. „Wir suchen stets händeringend nach Elektronikern, die wir im Außendienst einsetzen können“, erklärt der geborene Pöhlder. Um den Fachkräften, die in ihrer Ausbildung nur relativ wenig mit dem Thema Energiespeicher konfrontiert werden, das nötige Wissen zu vermitteln, entwickelte Engel ein internes Schulungssystem. „Hierzu gehören neben vielen Lehrgängen und 40 Schulungsmodulen auch unangemeldete Tests“, beschreibt er sein Fortbildungssystem, mit dem er die Mitarbeiter für die „möglichst lebenslange Berufslaufbahn beim akkuteam“ fit macht. Doch häufig zieht es die Fachkräfte in die Städte.

Engel selbst möchte aber der Region treu bleiben. Auch wenn er seinen Standort verlagern will. Denn das 100 Jahre alte Firmengebäude, das stets Unternehmen beherbergte, platzt trotz An- und Umbauten aus allen Nähten. Bislang gestaltet sich die Suche nach einem neuen Gelände aber erfolglos. Einer der Knackpunkte ist das hohe Gewicht, das der Untergrund bei der Lagerung von Batterien aushalten muss.

Das neue Gebäude ist ein zentrales Zukunftsprojekt. An einem zweiten arbeitet Engel bereits seit längerem: Der 50-Jährige nutzt die glückliche Lage, dass seine drei Kinder großes Interesse an der Firma haben, um schon jetzt die Unternehmensnachfolge einzuleiten. Die 24-jährige Tochter Yasmin ist als Industriekauffrau bereits im kaufmännischen Bereich tätig und bildet sich für Controlling, Buchhaltung und Personalwesen weiter. Ihre Brüder Marlon (23) und Maurice (18) bereiten ihren Einstieg als Elektroniker vor: Marlon wird sich nach seinem Elektrotechnikstudium um Vertrieb, Entwicklung und Projektbetreuung kümmern, während Maurice den Service leiten wird.

„Ich habe den Kindern freie Hand bei der Berufswahl gelassen und bin froh und stolz, dass sie sich alle für unser Unternehmen entschieden haben“, sagt Norbert Engel. Nicht zuletzt möchte er den Produktbereich noch erweitern und das Unternehmen im EMobility- Sektor weiter etablieren, um so das beeindruckende durchschnittliche Wachstum von 25 Prozent wie in den letzten zehn Jahren stabil zu halten.

Und wer hätte bei dieser Geschichte Zweifel, das ihm das gelingt? Schließlich hat er in kürzester Zeit ein erfolgreiches Unternehmen etabliert – und die nächste Generation steht auch schon in den Startlöchern, um das atemberaubende Tempo beizubehalten.