Vom Asteroiden zum Wunderstoff

v.l.n.r.: Armin Müller-Dreier, Ulrich Christensen, Patrick Cramer, Walter Stühmer, Frauke Alves, Stephan Herminghaus, Johannes-Peter Herberhold ©Thomas Klawunn
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Die Vortragsreihe 'Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst' vom 12. bis 21. Oktober 2018 nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise durch die deutsche und internationale Spitzenforschung. Acht renommierte Forscher sowie Wissenschaftspublizisten werden jeweils um 19 Uhr in der Göttinger Paulinerkirche ihre neuesten Forschungserfolge und Bücher vorstellen und den Bogen von der Mathematik bis zum Artenschutz und zur Schlafforschung spannen.

Die Reihe wird auch in diesem Jahr von den Göttinger Max-Planck-Instituten (MPI), der Göttinger Literaturherbst GmbH und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek veranstaltet.

Die diesjährige Science Communication-Medaille erhält Mark Miodownikvom University College London. Dem Materialwissenschaftler gelingt es in seinen Büchern, Fernseh- und Radiobeiträgen mühelos, eine Brücke zu schlagen zwischen dem schwer vorstellbaren Reich der Moleküle und Kristallgitter und unserer Alltagswelt mit ihren unterschiedlichsten, oft überraschenden Stoffen und Materialien. Mit dem richtigen Gespür für das Vorwissen seines jeweiligen Publikums schafft er es immer wieder in bewundernswerter Weise, dieses für Wissenschaft zu begeistern.

Die Medaille wird Mark Miodownik im Rahmen seines Vortrags am Mittwoch, 17. Oktober, verliehen. Thema des Abends sind Wunderstoffe, die unsere Zivilisation ausmachen: Messer, die nicht rosten, Sonden, die so leicht sind, dass man mit ihnen Jagd auf Sternenstaub machen kann, oder der erste Kunststoff, der als Ersatz für Elfenbein entwickelt wurde. Garantiert ist, dass nach diesem Abend Besucher so manches Material in einem anderen Licht sehen werden. Moderiert wird die Veranstaltung von Walter Stühmer vom MPI für Experimentelle Medizin.

Der Auftakt der Reihe am Freitag, 12. Oktober, ist dem ‚Einstein der Mathematik‘ gewidmet: David Hilbert, Professor an der Göttinger Universität, beeinflusste die mathematische Forschung des 20. Jahrhunderts nachhaltig und verwob Logik, Mathematik, Physik und Philosophie enger als je zuvor. Georg von WallwitzChef der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz und erfolgreicher Buchautor, hat dem Wissenschafts-Genie ein beachtens- und lesenswertes Denkmal gesetzt mit seinem Buch ‚Meine Herren, dies ist keine Badeanstalt‘ – angelehnt an einen vielzitierten Satz des Mathematikers. Hören Sie im Vortrag, wie Hilbert Göttingen zu seiner Zeit zum mathematischen Zentrum der Welt machte – und was es mit dem Zitat auf sich hat. Durch den Abend führt Eberhard Bodenschatz vom MPI für Dynamik und Selbstorganisation.

‚Achtung Steinschlag!‘ heißt es am Samstag, 13. Oktober. In seinem Vortrag berichtet der international führende Experte für Asteroiden und Meteoriten Christian Köberlüber die neuesten Erkenntnisse zu den gefährlichen Gesteinsbrocken. Wie entstehen diese und was haben wir von ihnen zu befürchten? Lassen sich Meteoriten vorhersehen und abwehren? Antworten darauf gibt der Geochemiker im Vortrag und Gespräch mit Ulrich R. Christensen vom MPI für Sonnensystemforschung.

Als nicht minder bedrohlich als ein Meteoriteneinschlag empfinden viele von uns Maschinen, die können, was der Mensch kann – Sprachassistenten, die mitreden, Geräte, die Gesichter erkennen oder Fahrzeuge, die sich selbst steuern. Längst haben Roboter und intelligente Systeme Einzug in unser tägliches Leben gehalten. In ihrem Vortrag ‚Künstliche Intelligenz‘ am Sonntag, 14. Oktober, möchte die Philosophin Manuela Lenzen aufzeigen, welche Hoffnungen und Befürchtungen berechtigt sind.

Warum wir die Energiewende jetzt verteidigen müssen, erklärt Claudia Kemfert in ihrem Vortrag am Montag, 15. Oktober. Als Expertin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit kennt sie die Zahlen und Fakten zum Klimawandel. Sie rechnet der Welt vor, was der Klimawandel kostet, und berät Unternehmen, Politiker, die Weltbank und die Vereinten Nationen in Fragen zu Energie, Verkehr und Umwelt. Moderiert von Patrick Cramer vom MPI für biophysikalische Chemie zeigt sie auf, was im Kampf zwischen fossilen Brennstoffen und erneuerbaren Energien Fakt ist und was Propaganda – und was der Einzelne tun kann, um die Klimakatastrophe aufzuhalten.

Unsere Natur ist bedroht: Arten sterben aus, schlägt der renommierte Ornithologe Peter Berthold Alarm. Mit der Heinz Sielmann Stiftung brachte der emeritierte Direktor am MPI für Ornithologie 2003 sein deutschlandweites Projekt auf den Weg, Flächen zu renaturieren, die für die Landwirtschaft wenig ertragreich sind – und dies in allen Gemeinden Deutschlands. Sein Ziel: ein bundesweiter Biotopverbund! Wie sich das Projekt realisieren lässt und wie eine vielversprechende Naturschutzstrategie aussehen könnte, um den Artenschwund aufzuhalten, darüber berichtet er in seinem Vortrag am Donnerstag, 18. Oktober, im Gespräch mit Herbert Jäckle vom MPI für biophysikalische Chemie.

Was können wir vom Dreißigjährigen Krieg über heutige Konflikte und Kriege lernen? Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität, führt in seinem Vortrag am Freitag, 19. Oktober, den verheerenden Krieg in all seinen Aspekten vor Augen, behält dabei aber immer unsere Gegenwart im Blick. Gekonnt vereint Münkler dabei Geschichtsschreibung und politische Analyse des längsten und blutigsten Religionskriegs der europäischen Geschichte. Theo Geisel vom MPI für Dynamik und Selbstorganisation moderiert den Abend.

Unsere Gesellschaft ist übermüdet, warnt Ingo Fietze. Im letzten Vortrag der Reihe am Sonntag, 21. Oktober, belegt der Schlafmediziner und Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité überzeugend: Schlafmangel ist ein Gesundheitsrisiko. Im Gespräch mit Frauke Alves vom MPI für Experimentelle Medizin berichtet Fietze über den viel zu sorglosen Umgang mit einem massiv unterschätzten Gesellschaftsproblem und welche Folgen dies hat.