VGH Bilanz

VGH-Vorstand ©Patrice Kunte
Text von: redaktion

Als größter öffentlich-rechtlicher Versicherer in Niedersachsen kann die VGH ihre Marktführerschaft in wichtigen Sparten und Kundengruppen behaupten. Die Stornoquoten bewegen sich weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Der Konsolidierungskurs mit einer Reihe ertragssteigernder Maßnahmen wirkt weiterhin erfolgreich: Die bilanzielle Kostenquote des Mutterunternehmens verbessert sich das sechste Jahr in Folge und liegt deutlich unter Marktdurchschnitt.

Auch ein günstiger Schadenverlauf, Fortschritte bei der Neuordnung überproportional defizitärer Vertragsbeziehungen und das Beitragswachstum der Landschaftlichen Brandkasse Hannover tragen 2018 zu einem im Marktvergleich exzellenten versicherungstechnischen Ergebnis bei. Es gleicht ein geringer ausfallendes Kapitalanlageergebnis weitgehend aus, das aufgrund anhaltend schwieriger Kapitalmarktverhältnisse unter Plan liegt.

Während die Brandkasse 2018 in wesentlichen Geschäftsfeldern gewachsen ist – etwa in Wohngebäude, Rechtsschutz, Haftpflicht oder der ‚Boomsparte‘ Landwirtschaft –, hat sie, so Kasten, in einigen Fällen auch bewusst auf Geschäft verzichtet, zum Beispiel im Kfz-Großflottengeschäft, bei Industrie- und Großgewerbeversicherungen. Perspektivisch bezeichnete Kasten das Neugeschäft jedoch als ‚ausbaufähig‘.

Bei der Provinzial Lebensversicherung Hannover machen sich neben einem spürbaren Rückgang des Einmalbeitragsgeschäfts hohe reguläre Abläufe aus verkaufsstarken älteren Jahrgängen bemerkbar. Demografisch bedingt, können diese derzeit nicht durch Neuverträge kompensiert werden, obwohl der Abschluss von Policen gegen laufenden Beitrag stabil verläuft. Erfreulicherweise, so Kasten, lassen Kennzahlen und unabhängige Ratings erkennen, dass sich die Provinzial Leben mit ihrer Produkt- und Bilanzstärke in der Spitzengruppe deutscher Marktteilnehmer befindet.

Als dritte Säule trägt die Kranken- und Pflegeversicherung zunehmend zur nachhaltigen Stärkung der Gesamtgruppe bei. Als kleinster, aber verlässlich laufender Bereich zeigen sowohl die Provinzial Krankenversicherung Hannover AG als auch die Alte Oldenburger Krankenversicherung AG eine organische Entwicklung mit wachsenden Beiträgen, Kunden- und Vertragsbeständen an beiden Standorten in Vechta und Hannover. Die Marktstärke der VGH-Krankenversicherer geht einher mit ihrer kerngesunden betriebswirtschaftlichen Situation.

Die für die Schaden- und Unfallversicherung zuständige Landschaftliche Brandkasse Hannover verzeichnet eine positive Beitragsentwicklung, die aber unter der marktweiten Rate von 3,3 Prozent liegt. Wachstumsträger sind im Wesentlichen die Feuer/Sachversicherungen (+2,5 Prozent; insbesondere Wohngebäude: +3,9 Prozent) und die Rechtsschutzsparte (+4,6 Prozent). Auch die Beitragsvolumen in der allgemeinen Haftpflicht (+1,5Prozent) und in der allgemeinen Unfallversicherung (+0,5Prozent) bewegen sich über Vorjahresniveau. In der Kfz-Versicherung (ohne Kfz-Unfall) werden Sanierungsmaßnahmen bei defizitären Flotten und Autohauspolicen fortgesetzt. Diese Sanierungen tragen – in Kombination mit einer aggressiven Wettbewerbssituation – zum Beitragsrückgang um 1,6 Prozent bei.

Insgesamt muss die VGH mit 788 Millionen Euro genau so viel für Schäden aufbringen wie im Vorjahr. Während die bilanzielle Schadenquote der Brandkasse 2017 bei 63,6 Prozent lag, verbessert sie sich 2018 weiter auf 61,3 Prozent. Durch Maßnahmen zur Kostendämpfung ist es zudem gelungen, die bilanzielle Verwaltungskostenquote das sechste Jahr in Folge zu senken.

Die Kapitalanlagen der Brandkasse wachsen von 3,61 Milliarden Euro (2017) auf 3,67 Milliarden Euro. Der Ertrag daraus liegt aufgrund negativer und sehr volatiler Entwicklungen an den Kapitalmärkten mit rund 42 Millionen Euro unter Plan (Vj: 126 Millionen Euro). Die Brandkasse erzielt eine Nettoverzinsung von 1,2 Prozent (Vj: 3,8 Prozent).

Im Ausnahmejahr 2017 hatte eine Kombination aus Sondererträgen, Steuerrückerstattungen und gutem Verlauf der Versicherungstechnik den Brutto-Überschuss positiv beeinflusst und ihn weit über Plan auf 103 Mio. gesteigert. 2018 liegt er mit 67 Mio. Euro auf erwartet gutem Niveau. Aus diesem Ergebnis werden die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB: 25 Millionen Euro) und der Steueraufwand finanziert.

Zum vierten Mal nahm die Brandkasse 2018 am Finanzstärkerating der Assekurata teil. Sie erhielt erneut das Gütesiegel „A+“ (starke Bonität mit stabilem Ausblick).

Das Beitragsvolumen der Provinzial Leben inklusive Provinzial Pensionskasse erreicht zum Jahresende 2018 mit 635 Millionen Euro nicht mehr den Vorjahreswert (687 Millionen, -7,6 Prozent). Wesentlich verantwortlich ist das Geschäft gegen Einmalbeitrag, das die Provinzial fast ausschließlich in Form von Rentenversicherungen abschließt.

Die Kapitalanlage der Provinzial Leben wächst von 8,75 Milliarden Euro auf 8,91 Milliarden Euro. Das Anlageergebnis liegt mit 288 Millionen Euro im erwarteten Bereich (Vj: 393 Millionen). Die Nettoverzinsung beträgt 3,3 Prozent (Vj: 4,6 Porzent). Modifikationen bei der Berechnung der Zinszusatzreserve (ZZR) wirken sich 2018 erstmals entlastend aus, so dass die Dotierung in Höhe von etwa 57 Millionen Euro deutlich moderater ausfällt als im Vorjahr (2017: 142 Millionen). Im Jahr 2011 eingeführt als bilanzielle Vorsorge für die Niedrigzinsphase, stärkt die ZZR-Rückstellung der VGH von nunmehr insgesamt 676 Millionen Euro (Vj: 619 Millionen) die Bilanz der Provinzial Lebensversicherung und stellt langfristig ihre Garantieverpflichtungen gegenüber den Kunden sicher.

Der Brutto-Überschuss beläuft sich auf 82 Millionen Euro (Vj: 103 Millionen). Die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung fällt in Relation dazu mit 65 Millionen Euro erneut kundenfreundlich aus (Vj: 78 Millionen). Das Eigenkapital wird mit 11 Millionen Euro gestärkt.