©Alciro Theodoro da Silva
©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Kim Henneking

Die Verfahrensmechanik für Kunststoff und Kautschuk ist wenigen bekannt, bietet aber für Technikinteressierte eine abwechslungsreiche Alternative zu traditionellen Handwerksberufen.

Ausbildungsjahrgang 2015 – das steht auf dem Rücken des Hemdes, das Marc Schollmeyer heute auf seinem Weg durch die Fertigungshallen trägt. „So können wir Azubis uns auf den Fluren wiedererkennen“, sagt der 18-Jährige im dritten Lehrjahr. Eine gute Idee, denn in seinem Ausbildungsbetrieb Ottobock, ­einem weltweiten Medizintechnik-Unternehmen, arbeiten allein am Standort Duderstadt rund 1.600 Mitarbeiter. Wer neu hier ist, kann sich in den vielen Fluren und Hallen schon mal verlaufen. Marc behält inzwischen den Überblick.

Der angehende Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik lernt, wie sich über 130 verschiedene Materialien zu 1.000 möglichen Formteilen verarbeiten lassen. Diese werden hier vor Ort in Orthesen und Prothesen eingebaut – Hilfsmittel, die Menschen nach einer Amputation oder mit anderen körperlichen Einschränkungen ein unabhängiges und selbstständiges Leben ermöglichen sollen.

Zu seinem Ausbildungsplatz ist Marc über ein freiwilliges Schnupperpraktikum vor seinem Realschulabschluss gekommen. Ursprünglich hatte er sich für Werkzeugmechanik interessiert, Ottobock ermöglichte ihm in dieser Zeit jedoch Einblicke in mehrere Abteilungen, und so entdeckte er die Verfahrensmechanik. „Das fand ich schließlich interes­santer, weil der Job eine angenehme Mischung aus handwerklicher und geistiger Arbeit ist.“ Sein Ausbilder Manuel Rödiger sieht den besonderen Reiz dieses Ausbildungsberufs vor allem in der Vielzahl der Produkte: „Unser ganzes Leben ist von Kunststoff geprägt. Man kann später in den verschiedensten Branchen arbeiten, von der Autoindustrie bis zur Spielzeugherstellung.“ Doch Ottobock bildet Fachkräfte vorwiegend für den eigenen Betrieb aus, und auch Marc möchte gern in Duderstadt bleiben.

Im dritten Lehrjahr produziert er nun selbstständig Formteile und schreibt Programme für neue Produkte. Die Grundlage für diese Kompetenz bietet die Basisausbildung im ersten Lehrjahr. Hier lernen alle Azubis Grundkenntnisse in Metall- und Elektrotechnik, Pneumatik, Hydraulik und Materialkunde. Im zweiten Lehrjahr stehen dann die eigenständige Einrichtung der Maschinen sowie Werkzeugvorbereitung und -pflege im Mittelpunkt – heute ist sein Ausbilder nur noch Ansprechpartner für den Notfall und zur Qualitätskontrolle an Marcs Seite.

Und was kommt nach der Ausbildung? Ein Vorbild für den zukünftigen Weg wäre Manuel Rödiger. Der Schichtkoordinator hat seinen Meister gemacht und studiert heute neben Beruf und Familie. Maschinenbau, Kunststofftechnik, Elektrotechnik – für Verfahrensmechaniker stehen viele technische Studiengänge zur Auswahl. Ein solches Studium eröffnet ganz neue Karriereperspektiven. „Dafür muss ich aber erst einmal mehr Berufserfahrung sammeln“, sagt Marc realistisch und sieht gleichzeitig mit entspanntem Blick in die Zukunft.

Ausbildungsgehalt
1. Lehrjahr: 620-850 Euro
2. Lehrjahr: 670-880 Euro
3. Lehrjahr: 720-940 Euro
Einstiegsgehalt: 1.800-2.400 Euro (brutto)