Untrennbar verbunden

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Text von: Ursula Kloyer-Heß

Christian Tachezi und Christoph-Mathias Mueller vom Göttinger Symphonie Orchester über den 150. Geburtstag und was sie Sponsoren bieten können

Im Jahr 2012 wird das Göttinger Symphonie Orchester 150 Jahre alt. Damit ist es älter als die Münchner oder die Berliner Philharmoniker. Welchen Stellenwert hat das Orchester heute?

Mueller: Das Göttinger Symphonie Orchester hat sich von einer städtischen Kapelle zu einem der wichtigsten Klangkörper Mittel- und Norddeutschlands entwickelt. Heute werden wir zu Festivals eingeladen, die zu den bedeutendsten im ganzen deutschsprachigen Raum zählen. Dazu gastieren wir in vielen der renommiertesten Konzertsäle Deutschlands. Auch unsere CD-Einspielungen stoßen auf hervorragende Kritiken bei der internationalen Presse.

Tachezi: Gerade in den letzten Jahren hat das Orchester einen viel beachteten Sprung in eine andere Liga gemacht. Kurz gesagt: Wir fühlen uns verwurzelt in der Universitätsstadt Göttingen und spüren zugleich, dass wir selbst auf internationaler Ebene als einziges rein symphonisches Orchester Niedersachsens eine wichtige Funktion als Botschafter unserer Heimatstadt einnehmen.

Gegründet wurde das Orchester auf Grund eines Gesuches, das Göttinger Bürger an die Stadt richteten. Ist etwas von diesem bürgerlichen Spirit bis heute geblieben?

Tachezi: Ich lebe noch nicht allzu lange in Göttingen. Dennoch habe ich von Anfang an gemerkt, dass das Göttinger Symphonie Orchester untrennbar mit der Stadt und dem Kulturleben der ganzen Region verbunden ist. Das spürt man auch bei den Musikern. Sie kommen aus 18 unterschiedlichen Nationen, das ist wirklich eine internationale Gemeinschaft. Zugleich haben sie alle in Göttingen ihr Zuhause gefunden, leben mit ihren Familien teils schon seit etlichen Jahren hier und engagieren sich auf ganz verschiedenen Ebenen für das Kulturleben in der Stadt.

Mueller: Das ist richtig. Der Musikeralltag umfasst auch viele Tätigkeiten im Bildungsbereich – ich denke zum Beispiel an die Schulbesuche oder die öffentlichen Generalproben, an die Projekte mit Musikschulklassen oder mit Kindergartenkindern. Dazu kommen Familienkonzerte, wo schon die Kleinsten die Musiker und ihre Instrumente ganz nah erleben können. Viele Musiker geben zudem privaten Musikunterricht. Und auf der anderen Seite engagieren wir uns auch, um Senioren und Menschen mit Handicap musikalische Live-Erlebnisse zu ermöglichen.

Kulturelle, soziale und Bildungsaufgaben gehen somit Hand in Hand?

Mueller: Auf jeden Fall. Das ist natürlich ein Auftrag, den wir mit anderen Orchestern teilen, die ebenso aus ihren jeweiligen Heimatstädten nicht mehr wegzudenken sind. Sehen Sie sich zum Beispiel Orchester wie die Bamberger oder die Bochumer Symphoniker an: Ohne sie würden Eckpfeiler des regionalen Kultur- und Bildungsangebots – und damit ganz zentrale Standortfaktoren – einfach wegbrechen. Das ist hier nicht anders.

Es lohnt sich also, in ein Orchester zu investieren – und dies nicht nur wegen der schönen Musik?

Mueller: Natürlich. Ich möchte dabei gar nicht nur auf den hohen ideellen Stellenwert abzielen – zum Beispiel den enormen pädagogischen Wert musikalischer Bildung… Es ist ebenso wichtig zu erkennen, was das Image einer Stadt ausmacht und was das wiederum für die Attraktivität einer ganzen Region bedeutet. Nicht nur als Forschungs-, sondern auch als Wirtschaftsstandort muss Göttingen hohen Ansprüchen an ein attraktives Kulturleben gerecht werden. Das erwarten die Menschen, die hier leben – und auch die, die sich überlegen, ob sie hierher ziehen wollen.

Gibt es Beispiele, wie sich Investitionen in das Göttinger Symphonie Orchester für Sponsoren rechnen?

Tachezi: Sponsoring ist ja ein Vertrag auf Gegenseitigkeit. Ein Sponsor hat ein begründetes Interesse daran, genau zu erkennen, was es ihm nützt, wenn er uns oder ein bestimmtes Projekt des Göttinger Symphonie Orchesters fördert. Deshalb haben wir ein Portfolio aus verschiedenen Leistungen zusammengestellt, aus dem wir gemeinsam mit dem Sponsor je nach Höhe individuelle Pakete schnüren, die einen optimalen Nutzen bieten.

Wie sehen diese Leistungen ganz konkret aus?

Tachezi: Das reicht von kostenlosen Anzeigen in Flyern und Broschüren oder werbewirksamen Platzierungen von Sponsorenlogos auf Plakaten und Roll-Ups bis hin zu Erwähnungen in Radio- und TVProduktionen. Gerade was unsere Medienpräsenz und eigenen Werbemaßnahmen angeht, bietet das 150-jährige Bestehen auch für Sponsoren ganz besonders attraktive Möglichkeiten. Hinzu kommen – unabhängig vom Jubiläumsjahr – Angebote zur Planung und Durchführung von gemeinsamen Veranstaltungen, beispielsweise für Premiumkunden des Sponsors. Natürlich gibt es auch Möglichkeiten, Kartenkontingente für ausgewählte Sitzplätze zu erhalten und vieles mehr.

Mueller: Dabei sind sicherlich nicht nur das hohe Ansehen und das hervorragende Image, welches das Orchester weit über Niedersachsen hinaus genießt, für potenzielle Sponsoren interessant. Vielmehr erreichen wir in durchschnittlich 110 Konzerten über 90.000 Zuhörer pro Jahr – mit steigender Tendenz.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zu den Personen

Christoph-Mathias Mueller, 1967 in Peru geboren und in der Schweiz aufgewachsen, ist Dirigent, Generalmusikdirektor und künstlerischer Leiter des Orchesters. Christian Tachezi, österreichischer Violinist und ehemaliger Generalsekretär des Ensembles „Contentus Musicus“, ist seit Februar 2011 Geschäftsführer des Orchesters.

Über das GSO

Zu seinem 150. Geburtstag umfasst das Göttinger Symphonie Orchester Musiker aus 18 Nationen, die mit über 110 Konzerten mehr als 90.000 Zuhörern pro Jahr begeistern. Das GSO genießt eine hervorragende Medienresonanz im In- und Ausland, die seinen hohen Stellenwert widerspiegelt.