Unternehmen Händel

© Hudson/Händel-Gesellschaft
Text von: Claudia Klaft

Nicht nur die Kunst hat Händel berühmt gemacht - es war vor allem sein unternehmerisches Gespür.

Was ist das Geheimnis des Erfolgs? Mit guten Ratschlägen zu diesem Thema lassen sich heutzutage viele Bücher und Seminare verkaufen.

Doch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Grundsätze unternehmerischen Handelns schon lange bekannt sind. Befolgt hat diese zum Beispiel Georg Friedrich Händel.

Der Sohn eines Kammerdieners wird 1685 in Halle an der Saale geboren. 1702 startet er seine Berufslaufbahn als einfacher Organist am calvinistischen Dom in Halle und stirbt als großer, internationaler Komponist, dessen Wirken noch immer das Publikum begeistert.

Doch es reicht nicht nur, dass seine Musik gefällt – hinter seinem Erfolg steckt weitaus mehr als das:

Begabung

Georg Friedrich Händel ist noch ein kleines Kind, als der Arbeitgeber seines Vaters, Herzog von Sachsen-Weißenfels, sein musikalisches Talent erkennt und fördert. Den Wunsch seines Vaters, etwas „Anständiges“ zu lernen, erfüllt Händel letztlich nicht, sondern wird Organist in Halle.

Zielstrebigkeit

Mit 21 Jahren reist er nach Italien, um dort die ursprüngliche „Opera seria“ kennenzulernen, die mit ihrer theatralischen Darstellung des Adels den Geschmack der Zeit in Europa bestimmt. Seine Antwort darauf ist seine erste Oper „Rinaldo“, die 1711 in London uraufgeführt wird – es ist der Beginn seiner Karriere.

Netzwerke

Er lernt früh, dass ein Talent nur dann lohnenswert ist, wenn es sich auch herumspricht. Und so fordert er neben der finanziellen Entlohnung auch eine Weiterempfehlung ein, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Er wird zunächst in Italien von Kardinälen und über die Adelsfamilien auch in London berühmt. Durch das geschickte Knüpfen und die Intensivierung von Kontakten schafft er sich ein Netzwerk, ein „Social Web“, auf dessen Wohlwollen er zählen kann.

Sicherung der Rechte

Im Juni 1720 bekommt er das alleinige Recht auf Verlegung seiner Werke. Dieses Privileg garantiert nicht nur eine verlässliche Vervielfältigung seiner Kompositionen, sondern sichert ihm auch Tantiemen.

Unternehmergeist

Eigentlich hat er als Angestellter des englischen Königshauses ein gutes Auskommen. Doch er wagt den Schritt in die Selbständigkeit, gründet eine eigene Opernakademie und fungiert ab 1734 als eigenverantwortlicher Impressario im Covent Garden Theater. Er avanciert vom Künstler zum Geschäftsmann.

Recruiting

Librettisten haben eine Universitätsausbildung vorzuweisen, Musiker bekommen eine standardisierte Bezahlung. Für die Solosänger verpflichtet Händel nur die besten Künstler und kümmert sich persönlich um deren Auswahl. Als die Gagen seiner Superstars für finanzielle Probleme sorgen, entschließt er sich 1741, statt Opern nur noch englische Oratorien zu komponieren und aufzuführen.

Öffentlichkeitsarbeit

Neben dem „viralen Marketing“ des 18. Jahrhunderts setzt Händel auf die beliebte und königsnahe Tagespresse, um seine Konzerte anzukündigen und auf seine neu im Druck erschienenen Kompositionen hinzuweisen. So bleibt er sprichwörtlich in aller Munde.

Finanzen und Controlling

Bereits mit 30 Jahren fängt er an, sein Geld in Wertpapiere zu investieren. Bei finanziellen Engpässen verkauft er wieder und geht schließlich dazu über, in renditesichere und risikoarme Papiere zu investieren, finanzielle Flexibilität sichert ihm ein zusätzliches Girokonto. Als er 1759 stirbt, hinterlässt er ein Vermögen in Höhe von 20.000 englischen Pfund.

Soziales Engagement

Er unterstützt eine Versorgungskasse für verarmte Musikerfamilien sowie ein Internat für Waisenkinder und hinterlässt ihnen einen Teil seines Vermögens.

Vieles hat Georg Friedrich Händel in seinem Leben bedacht und richtig gemacht. Nur um eine Nachfolgeregelung hat er sich nicht gekümmert. Doch das ist wohl das Schicksal eines Genies.

Quellen: H.-J. Marx, „Händel und seine Zeitgenossen“ und „Das Händel-Handbuch, Bd. 6“