Text von: Rupert Fabig

Die Elektromobilität ist auf der Überholspur. Inzwischen gibt es einige vorzeigbare Modelle auf dem Markt, aber um wirklich zukunftsweisend zu sein, müssen Technologie und Infrastruktur noch weiter verbessert werden.

Saubere Technik der Zukunft? Oder doch nur teuer und nicht ausgereift? Vor- und Nachteile der Elektromobilität scheinen sich derzeit noch die Waage zu halten. Die Verkaufszahlen sprechen allerdings dafür, dass der Antrieb im deutschen Verkehrsnetz schon bald zu einem gewichtigen Anteil aus der Steckdose kommen könnte.

Der Rekordwert bei der Anzahl in Deutschland zugelassener Elektroautos wird jedenfalls häufiger gebrochen, als der Hamburger SV seine Trainer austauscht. Am 1. Januar 2019 betrug der Bestand an strombetriebenen Fahrzeugen über 141.000 – und somit 13.000 mehr als im Vorjahr, was einer Zunahme von rund zehn Prozent entspricht. Weltweit ist der Anteil auf 5,6 Millionen gestiegen, ein sattes Plus von 64 Prozent. Das Wachstum beschleunigt sich weiterhin. Den besten Absatz haben E-Autos in China (2,6 Millionen), gefolgt von den USA (1,1 Millionen). Platz drei belegt erstaunlicherweise Norwegen, wo jeder Zweite inzwischen elektrisch fährt. Deutschland folgt erst auf Rang acht. Dafür halten die inländischen Autohersteller im internationalen  Wettbewerb mit. Zwar stammen die meisten Neuzulassungen wenig überraschend vom US-amerikanischen Elektro- Vorreiter Tesla sowie den chinesischen Marken BYD und BAIC – BMW ist allerdings immerhin der sechsterfolgreichste Hersteller, vor allem dank der 5er-Reihe, VW liegt drei Plätze dahinter. Das weltweit meistverkaufte Modell ist der Nissan Leaf, noch vor dem Tesla Model S.

Doch wo liegen die Anreize für den Kauf eines Stromers? In erster Linie vermeintlich im Umweltschutz, laut einer Umfrage eines der zentralen Themen für die Käufer. Warum nur vermeintlich? Sicher, im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren emittieren Elektromotoren kein umweltschädigendes CO2 in die Luft – und sie benötigen kein Erdöl. Allerdings wird der Strom an den Ladestationen größtenteils noch aus Kohle- und Gaskraftwerken gewonnen. Dazu konterkariert die Lithiumgewinnung für die Batterien geradezu die klimafreundlichen Emissionswerte. Beispielsweise verseucht sie Böden in der südamerikanischen Atacama-Wüste und lässt die indigene Bevölkerung dort arm und ohne Grundwasser zurück. Und um kobalthaltiges Erz zu gewinnen – ein wichtiges Anodenmaterial für Batterien –, arbeiten Jugendliche in Afrika häufig für einen Hungerlohn in einsturzgefährdeten Bergwerken.

Aber wir waren bei den Vorteilen, also zurück dorthin. Den hohen Kaufpreisen stehen sehr viel günstigere Unterhaltskosten gegenüber. 100 Kilometer Strom kosten nur gut halb so viel wie die gleiche Strecke mit einem herkömmlichen Auto. Die ersten zehn Jahre sind Elektrofahrzeuge von der Kfz-Steuer befreit, wenn sie bis zum 31. Dezember 2020 gekauft werden. Reparaturkosten fallen in der Regel weniger an. Hauptgrund für Zweitgenanntes ist der geringere Verschleiß des Elektromotors, der deutlich energieeffizienter arbeitet als ein Verbrenner. Der Wirkungsgrad von eingeschleuster zu genutzter Energie liegt bei bis zu 90 Prozent. Der angenehm leise Fahrgenuss ist ein Komfortvorteil – zumindest so lange, wie Fußgänger das Fahrzeug nicht überhören. In anderen Aspekten können i3, EQC und Co. jedoch noch nicht mithalten. Beginnend beim Preis, denn der fällt happig aus. Schon für Kleinwagen sind mühelos 20.000 Euro fällig, die  Luxusmarken gibt es häufig erst für sechsstellige Beträge. Zweiter und wahrscheinlich bekanntester Nachteil: die begrenzte Reichweite. Selbst den effizientesten und modernsten Modellen geht spätestens nach 500 Kilometern (und das ist ein Ausnahmewert) der Strom aus. Für mehr Kapazität müsste die Batterietechnologie verfeinert werden – was zu einem höheren Gewicht und steigenden Preisen führen dürfte.

Ist der Saft einmal alle, muss die Ladestation aufgesucht werden. Und die Suche ist dabei durchaus das Stichwort. Wer nicht stundenlang an der heimischen Steckdose laden möchte, muss zu einem der lediglich 18.000 öffentlichen Ladepunkte – die meisten davon befinden sich in Großstädten. Auf dem Land ist die Abdeckung enorm dünn, und wenn in Kleinstädten mehrere E-Autos gleichzeitig laden, droht das Stromnetz zusammenzubrechen. Immerhin: Das Klimaschutz-Paket der Bundesregierung sieht bis 2030 eine Million Ladepunkte vor. Um eine  flächendeckende Versorgung zu garantieren, sollen Tankstellen dazu verpflichtet werden, auch Zapfsäulen für E-Autos anzubieten. Bislang ist der Betrieb von Ladesäulen allerdings meist ein Verlustgeschäft. Ebenfalls im Paket vorgesehen: höhere Kaufprämien für Fahrzeuge, die bis zu 40.000 Euro kosten.

Dies sind nicht die einzigen Wege, über die der Bund elektromobile Fahrer subventioniert. Neben den Kaufprämien gibt es auch steuerliche Vorteile. Wie bereits erwähnt, sind batteriebetriebene Wagen unter bestimmten Bedingungen von der Kfz-Steuer ausgenommen. Die Steuerbefreiung bleibt auch nach einem Halterwechsel innerhalb der zehn Jahre für den dann noch verbleibenden Zeitraum gewährt. Hybridfahrzeuge profitieren hingegen nicht von diesem Privileg. Ein solches gilt dafür seit 2019 für Dienstwagen: Elektro- und Plug-in-Hybridautos werden pauschal mit 0,5 Prozent des Listenpreises versteuert.  Fahrzeuge, die mit fossilen Brennstoffen angetrieben werden, müssen dagegen mit einem Prozent beim Finanzamt angesetzt werden. Auch das Laden des E-Autos beim Arbeitgeber muss nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden.