Universität Göttingen erhält zwei neue Sonderforschungsbereiche

Text von: redaktion

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ab dem 1. Januar 2012 an der Universität Göttingen zwei neue Sonderforschungsbereiche (SFB): Untersuchungen zur Umwandlung von Regenwald in Plantagen sowie zur Entstehung von Planeten

Der internationale SFB 990 mit dem Titel „Ökologische und sozioökonomische Funktionen tropischer Tieflandregenwald-Transformationssysteme (Sumatra, Indonesien)“ ist an der Biologischen Fakultät angesiedelt. An den 25 Teilprojekten sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von insgesamt sechs Fakultäten der Universität Göttingen sowie drei Partneruniversitäten in Indonesien beteiligt. Sie untersuchen auf der indonesischen Insel Sumatra die Folgen der Umwandlung von tropischem Regenwald in Palmöl- und Kautschukplantagen. Die DFG fördert das Projekt zunächst vier Jahre lang mit insgesamt rund zehn Millionen Euro.

Der SFB 963 mit dem Titel „Astrophysikalische Strömungsinstabilität und Turbulenz“ ist an der Fakultät für Physik angesiedelt. Die beteiligten Wissenschaftler beschäftigen sich in 15 Teilprojekten mit grundlegenden Fragen der Entstehung und Entwicklung von Planeten, Sternen und Galaxien. Die Fördersumme beträgt über einen Zeitraum von zunächst vier Jahren insgesamt rund sieben Millionen Euro.

Die Rodung tropischer Regenwälder, um Holz und andere Waldprodukte zu gewinnen oder Nahrungs-, Futter- und Energiepflanzen anzubauen, stellt ein zunehmendes globales Problem dar. „Wir wollen langfristig untersuchen, wie die ökologischen Funktionen tropischer Regenwälder und der aus dem Regenwald in landwirtschaftliche Nutzung umgewandelten Flächen erhalten und verbessert werden können“, erläutert der Sprecher des SFB 990, Stefan Scheu vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie. „Das beinhaltet auch die Frage, wie landwirtschaftliche Nutzung und Naturschutz besser integriert werden können.“

Ein Schwerpunkt der Forschung wird auf der Analyse der unterschiedlichen ökologischen und sozioökonomischen Funktionen der jeweiligen Flächen liegen. Die Ergebnisse des SFB könnten unter anderem dazu beitragen, Konzepte für Biosphärenreservate zu entwickeln, die sowohl den steigenden Bedarf an Energiepflanzen berücksichtigen als auch dem Erhalt der einzigartigen Artenvielfalt in tropischen Tieflandregenwaldregionen dienen.

An der Universität Göttingen sind neben der Biologischen Fakultät die Fakultäten für Agrarwissenschaften, für Forstwissenschaften und Waldökologie, für Geowissenschaften und Geographie, die Wirtschaftswissenschaftliche und die Sozialwissenschaftliche Fakultät sowie die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen am SFB beteiligt.Bei den drei indonesischen Partnern handelt es sich um die Landwirtschaftliche Universität Bogor, die Tadulako Universität Palu und die Universität Jambi.

Die Wissenschaftler des SFB 963 beschäftigen sich mit strömungsphysikalischen Prozessen, einem in der Astrophysik allgegenwärtigen Phänomen. Diese Prozesse laufen sowohl im Inneren von Sternen und Planeten als auch im Raum zwischen Galaxien ab. „Sie spielen Schlüsselrollen bei der Entstehung und Entwicklung von geo- und astrophysikalischen Systemen“, erklärt der Sprecher des SFB, Stefan Dreizler vom Institut für Astrophysik. „Wir analysieren die unterschiedlichen Bedingungen, unter denen Planeten, Sterne und Galaxien entstehen und sich im Laufe der Zeit verändern.“

So untersuchen die Forscher beispielsweise Aspekte der turbulenten Erzeugung und Verstärkung von Magnetfeldern oder der Turbulenz und Instabilität in rotierenden Systemen. Außerdem beschäftigen sie sich mit dem Zusammenspiel von Turbulenz und Strömungsinstabilität mit Gravitation, Strahlung und Staubteilchen.

An der Universität Göttingen ist neben der Fakultät für Physik die Fakultät für Mathematik und Informatik am SFB beteiligt, darüber hinaus die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen. Teilprojekte sind außerdem am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau angesiedelt, am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen, am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen sowie an der Technischen Universität Braunschweig.