Ungetrübte Hochstimmung?

Text von: redaktion

Effizienzsteigerung und Kostenreduktion sind die aktuell verstärkt diskutierten Themen – auch auf der internationalen Fachmesse für Kunststoffverarbeitung FAKUMA 2011 mit Beteiligung Göttinger Unternehmen.

Die deutsche Kunststoffbranche hat wieder das Niveau des Rekordjahres 2008 erreicht. Trotz hoher Umsätze und voller Auftragsbücher ist die Stimmung nicht ungetrübt: Steigende Rohstoff- und Energiekosten schmälern die Erträge, und Engpässe auf dem Personalmarkt schränken die Beweglichkeit der Kunststoff verarbeitenden Industrie ein.

Die deutschsprachige Kunststoffbranche übertrifft „seit Anfang des letzten Jahres kontinuierlich die eigenen Erwartungen – und dies jeweils recht deutlich“, fand der Branchendienst Kunststoff Information (KI) in einer Konjunkturumfrage heraus.

Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. (GKV) bescheinigte der deutschen Kunststoff verarbeitenden Industrie für das Jahr 2010 ein „kaum für möglich gehaltenes Comeback“ und erwartete im März für das laufende Jahr weiteres Wachstum.

Ein ergänzender Blick auf die zurückliegende Umsatzentwicklung der Branche erklärt und verstärkt zunächst die Hochstimmung dieser Nachrichten:

Mit einem Umsatz von 51,3 Milliarden Euro (+14 Prozent) lag die deutsche Kunststoff verarbeitende Industrie im vergangenen Jahr nur ein Prozent unter dem Vorkrisenniveau des Rekordjahres 2008 und hat damit den dramatischen Einbruch aus 2009 annähernd wett gemacht.

Auch die – laut einer GKV-Umfrage zu Jahresbeginn – im Vorjahresvergleich gestiegene Reichweite des Auftragsbestandes von 6,3 auf im Durchschnitt 9,3 Wochen sowie die auf rund 83 Prozent gestiegene Auslastung der Betriebe waren positive Signale aus dem Markt. Da außerdem 72 Prozent der Mitglieder mit weiterhin wachsenden Umsätzen rechneten, zeigten sie eine dynamische Investitionsbereitschaft und planten Personalaufbau.

Rohstoff, Energie und Personal

Trotz dieser positiven Entwicklung und Prognosen warnte Verbandpräsident Bernd-Otto Kruse schon im März davor, die großen Herausforderungen der deutschen Kunststoff verarbeitenden Industrie aus den Augen zu verlieren.

Die Verarbeiter kämpfen mit den stark gestiegenen – und weiter steigenden – Rohstoffpreisen, die in den vergangenen beiden Jahren „ebenso schnell wieder empor geschossen“ sind, wie sie zuvor gesunken waren.

Laut Plastixx, dem Polymerpreisindex der Kunststoff Information, liegen sie bereits wieder etwa drei Prozent über dem Hochpreisjahr 2008. Da die Rohstoffe den überwiegenden Teil der Kosten in der polymeren Wertschöpfungskette ausmachen, geraten die Erträge unter Druck, und Renditen fallen niedriger aus als in der Vergangenheit.

Auch die deutlich erhöhte Volatilität der Rohstoffkosten stellt ein Problem dar: Die Weitergabe der kurzfristiger und heftiger ausfallenden Preisausschläge an die Abnehmer funktioniert mit den bisherigen Mechanismen nicht mehr. An dieser Stelle müssen die Unternehmen Lösungen erarbeiten.

Auch die im Vergleich zu anderen Ländern hohen Energiekosten stellen einen Wettbewerbsnachteil dar, der durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und der daraus resultieren Verteuerung des Stroms zusätzlich verschärft wird.

Im bisherigen Jahresverlauf hat sich auch der stärker werdende Fachkräftemangel als Bremsfaktor erwiesen. Im Juli erklärten zwei Drittel der in der KI-Konjunkturumfrage befragten Unternehmen, sie würden bereits Probleme in der Besetzung offener Stellen haben, immerhin sieben Prozent sahen dadurch sogar ihr geplantes Umsatzwachstum gefährdet. Auch schätzten nur noch 25 Prozent der Befragten die Aussichten für die zweite Jahreshälfte als positiv ein, zu Jahresbeginn waren es noch 45 Prozent.

Kostensenkung und Effizienzsteigerung

Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, stehen für die deutschen Kunststoffverarbeiter vor allem die Senkung der Kosten und die Steigerung der Effizienz auf dem Programm.

Ansatzpunkte gibt es für die als innovativ geltende Branche genug: sei es beim effizienteren Einsatz der Rohstoffe, im Bereich des Recyclings von zurückgenommener Altware oder von Ausschuss- und Überschussmaterial oder durch die Nutzung neuer Maschinen mit geringerem Energieverbrauch.

Auch im Umfeld der eingesetzten IT, von integrierten Systemen zur Erfassung von Maschinen- und Betriebsdaten bis zum voll integrierten ERP-System, ist Kosten senkende und Effizienz steigernde Optimierung möglich.

Eine sehr gute Ausgangsposition für die Lösung der Probleme und eine mittel-bis langfristige Zukunft der Branche erwachse laut GKV-Verbandpräsident Bernd-Otto Kruse vor allem aus den „gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den vielschichtig verflochtenen Know-how-Netzwerken in diesem Land und den daraus resultierenden Innovationsimpulsen“.

Dass die Branche zugleich innovative, weltweit beachtete Lösungen hervorbringt und als Absatzmarkt wahrgenommen wird, zeigen die Ausstellerzahlen der FAKUMA. Für die mittlerweile 21. Ausgabe der internationalen Fachmesse für Kunststoffverarbeitung in Friedrichshafen am Bodensee, die vom 18. bis 22. Oktober 2011 stattfinden wird, haben sich alleine aus dem DACH-Raum rund 800 Unternehmen angemeldet.

Insgesamt haben mehr als 1.500 Aussteller aus aller Welt Standflächen gebucht. Darunter finden sich Hersteller von Produkten, Teilsystemen und Komplettanlagen für die Produktion und die Bearbeitung sowie das Recycling von Kunststoffteilen genauso wie Technologiedienstleister.

Die FAKUMA

Bereits zum 21. Mal steht die FAKUMA vom 18. bis 22. Oktober 2011 in Friedrichshafen am Bodensee an. Die immer in den K-Messe-freien Jahren stattfindende internationale Fachmesse für Kunststoffverarbeitung hat sich als Weltleitmesse Nr. 2 nachhaltig etabliert. Im letzten Veranstaltungsjahr 2009 besuchten mehr als 37.000 Fachbesucher die 1.538 Aussteller.

Im 20. Jubiläumsjahr konnte der 500.000 Besucher begrüßt werden. Für dieses Jahr haben sich neben Ausstellern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits Unternehmen aus über 20 Industrienationen aus Europa, Asien und Amerika angemeldet.

Im FAKUMA Aussteller-Forum wird übrigens Dietmar Lohr, Geschäftsstellenleiter Stuttgart der SYCOR GmbH, mit seinem Vortrag „Produktionskennzahlen und ihre Auswirkungen auf ERPSysteme“ Kunststoffverarbeitern zusätzlich Anregungen für Optimierungspotenzial in den Geschäftsprozessen geben.

Aus Südniedersachsen werden die folgenden Unternehmen ausstellen:

ColorLite GmbH,Katlenburg –Lindau, www.colorlite.de

Krahl – Messtechnik, Bovenden, www.krahl-messtechnik.de

Qioptiq Photonics GmbH & Co. KG, Göttingen, www.qioptiq.com

Sartorius Weighing Technology, Göttingen, www.sartorius-mechatronics.com

SYCOR GmbH, Göttingen, www.sycor.de

Wissner Gesellschaft für Maschinenbau mbH, Göttingen, www.wissner-gmbh.de