Unendliche Weiten

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Text von: Claudia Klaft

faktor greift im Astronomischen Jahr nach den Sternen und zeigt, was die Region ganz oben zu bieten hat.

„Faszinierend“, sagt Mister Spock und zieht seine Augenbraue hoch. Der Vulkanier bewegt sich dabei zwischen Welten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Wirklich noch nie?

Sterne haben die Erdbewohner schon immer interessiert, und sie erkunden den Himmel mit immer besseren Instrumenten.

War vor 90 Jahren noch nicht einmal bekannt, dass es außerhalb des Sonnensystems noch weitere Galaxien gibt, weiß man heute, dass im Universum eine Trilliarde Sterne existieren und davon viele eigene Planeten in ihrer Umlaufbahn haben.

Mittlerweile sind Beobachtungen mit unterschiedlichsten Teleskopen auf der ganzen Welt so weit möglich, dass man über 13 Milliarden Lichtjahre weit blicken kann, in Bereiche, die fast so alt sind wie das Universum.

Denn bereits der Anblick der Sterne mit bloßem Auge ist schon ein Blick in die Vergangenheit.

Bis deren Licht auf der Erde zu sehen ist, sind entsprechend der Distanz Jahre bis Jahrtausende vergangen.

Wenn wir in die eigene Vergangenheit zurückblicken könnten, würden wir folgendes sehen: „Faszinierend“ denkt sich Galileo Galilei, der vor genau 400 Jahren die Sterne in nie dagewesener Schärfe durch sein Teleskop sieht. Der Mond ist nicht eben, sondern hat Krater und Berge, der Jupiter wird von Monden umkreist, die Erde dreht sich um die Sonne… Augenbrauen werden hochgezogen. Hat der Mann recht, und was gibt es sonst noch zu entdecken?

Die Wissenschaft interessiert sich zunehmend für diese Beobachtungen und entwickelt immer bessere Messinstrumente. Doch richten wir den Fokus auf die regionale Forschung:

Einhundertvierzig Jahre nach Galileo, die Georgia Augusta ist frisch gegründet, werden von einem südlichen Turm der Stadtmauer die Himmelskörper beobachtet. Ein Mauerquadrant – ein bewegliches Fernrohr, das auf einem Viertelkreis fixiert ist – bestimmt die Position und somit den Lauf der Sterne.

Der Astronom Tobias Mayer beobachtet von dieser Warte aus den Himmel. Seine Mondkarte und -tabellen sind die genauesten Messungen ihrer Zeit. 1816 ist die jetzige historische Sternwarte vor den Toren der Stadt fertig gestellt. Sie beherbergt zwei Meridiansäle mit Messinstrumenten ähnlich dem des Mauerquadranten und ein Spiegelteleskop von Herschel, die Kuppel jedoch ist bloße Zier.

Direktor Carl Friedrich Gauss beschäftigt sich mit der Bahnbestimmung von Himmelskörpern. „Ein eigentümlicher Zauber umgibt das Erkennen von Maß und Harmonie“, sagt das Universalgenie.

Als ein neues Jahrhundert beginnt, vollzieht sich auch in Göttingen der Sprung von der Positionsastronomie zur modernen Astrophysik.

Sag mir, wo die Sterne stehen – dem Astronom und Physiker Karl Schwarzschild, der 1901 nach Göttingen kommt, genügt dies nicht. Und er nutzt neue Technik: Mittels fotografischer Platten quantifiziert und katalogisiert Schwarzschild die Helligkeit von über 3.000 Himmelskörpern. Sein Werk, bekannt als „Göttinger Aktinometrie“, gilt bis heute als Referenzsystem, um Helligkeitsveränderungen nachzuvollziehen.

In Göttingen selbst wird die künstliche Helligkeit durch zunehmende Bebauung und Beleuchtung zum Problem für astronomische Forschung. Daraufhin entstehen auf dem Hainberg 1930 das Astrographengebäude und 1944 das Sonnenobservatorium.

Nach dem Zweiten Weltkrieg macht die weitere astronomische Entwicklung inwissen ternational große Sprünge: Der Schritt Armstrongs auf dem Mond ist nur ein Ereignis, das den Weg von der Beobachtung hin zur Erkundung der Himmelskörper markiert. Raumschiff Enterprise wird zum Inbegriff der Science Fiction.

Doch in der Gegenwart sind die ursprünglichen Forschungseinrichtungen anderen Zwecken zugeführt:

Das Hainberg-Observatorium ist 2009 an die Amateurastronomische Vereinigung Göttingen (AVG) verkauft, die monatlich Führungen anbietet, und die historische Sternwarte ist zum Lichtenberg-Kolleg gewandelt, Dokumente und Materialien sind eingelagert und werden nur auszugsweise und selten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Forschungen zur Erkundung des Weltraums finden heute woanders statt.

Wo die Forschung heute in der Region betrieben wird und welche Entdeckungen damit gemacht wurden, lesen Sie in der Printausgabe 4/2009.