„…und Euch zum Trotz“

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Text von: redaktion

So lautet der Titel der Ausstellung und der Veranstaltungsreihe, mit der die Stadt Göttingen, die Georg-August-Universität und die Jüdische Gemeinde an die Bücherverbrennung in Göttingen am 10. Mai 1938 erinnern.

Die Ausstellung wird am Sonnabend, 10. Mai 2008, um 17.00 Uhr mit einem Festakt im Alten Rathaus durch Oberbürgermeister Wolfgang Meyer und Universitätspräsident Kurt von Figura eröffnet. Außerdem sprechen die Historikerin Helga Grebing und der Kurator der Ausstellung, Frank Möbus.

Die Ausstellung zeigt zahlreiche „verbrannte“ und verbotene Werke in höchst seltenen, oft mit Widmungen versehenen Erstausgaben; die Exponate stammen überwiegend aus Privatbesitz. Außerdem werden beispielhaft 30 Werke „entarteter“ Künstler wie Max Beckmann, Otto Dix, George Grosz, Käthe Kollwitz und Heinrich Zille präsentiert, die aus der Sammlung des Berliner Willy-Brandt-Hauses als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden.

Bücher und Bilder werden durch historische Dokumente aus den Beständen des Universitätsarchivs, der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek, des Stadtarchivs und des Städtischen Museums ergänzt. Dabei wird auch ein tiefer Einblick in die finsterste Zeit der Stadt- und Universitätsgeschichte geliefert.

Geöffnet ist die Ausstellung vom 11. Mai bis zum 1. Juni, täglich (außer montags) von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Kostenlose Führungen finden jeweils dienstags und donnerstags um 17.00 Uhr statt – für Gruppen auch nach Vereinbarung und telefonischer Voranmeldung unter der Göttinger Rufnummer 400-2485.

Zum Hintergrund:

Am 10. Mai 2008 ist es 75 Jahre her, dass die nationalsozialistische Aktion „Wider den undeutschen Geist“ in Göttingen (und vielen anderen Städten) in einer von Studenten organisierten Bücherverbrennung ihren Höhepunkt fand, bei der auf dem damaligen Adolf-Hitler-Platz Tausende Bücher der bedeutendsten Schriftsteller vernichtet wurden.

Ihren Titel verdankt die Ausstellung einem Buch des „verbrannten“ Dichters Walter Mehring, den Joseph Goebbels in einem wüsten Hetzartikel „An den Galgen“ gewünscht hatte. Mehring entging knapp seiner Verhaftung und floh nach Frankreich, wo sein Werk „… und euch zum Trotz“ 1934 erschien. Die Nazis hatten den Plan, die von ihnen verhasste Literatur und Kunst aus dem Gedächtnis des deutschen Volkes auszumerzen. Sie haben leider ihr Ziel zum Teil erreicht. Viele der damals betroffenen Werke müssen heute wirklich als „vergessen“ gelten – die Ausstellung ist auch als Versuch zu verstehen, ein Zeichen gegen dieses Vergessen zu setzen.