Überzeugungstäterinnen

Text von: Claudia Klaft

Zwei Frauen, die wissen, was sie wollen. Und sie haben beide ein Faible für gutes Essen: Elke Deppe, Geschäftsführerin Sanitätshaus Deppe in Northeim, ist gerne zu Gast bei Ute Gebbert, im Gasthaus Gebbert in Waake.

Energisch, zielstrebig und überzeugend. Sie leben für ihre Sache, für ihre Unternehmen und nehmen Widerstände als Herausforderung an:

Elke Deppe, Inhaberin des gleichnamigen Sanitätsfachhandels in Northeim und Ute Gebbert, Inhaberin des Gasthauses Gebbert.

Sie sind aus unterschiedlichen Gründen zu Geschäftsfrauen geworden, doch es eint sie der Wille, das Beste zu geben. „Ich gehe gerne gut essen, und ich koche auch selbst leidenschaftlich gerne. Daher kann ich das Gasthaus Gebbert nur empfehlen“, sagt Elke Deppe. Und so verabreden wir uns mit ihr in dem Restaurant an der Durchgangsstraße von Waake.

Nichts deutet von außen darauf hin, dass sich im Inneren ein Restaurant mit Spitzenküche verbirgt, und es vermuten die Wenigsten. Denn zuvor waren dort Gastronomiebetriebe beherbergt, die keinen Anspruch an Qualität erfüllten. Schließlich stand das Gebäude leer, bis Ute Gebbert sich entschloss, dort ihren Traum zu verwirklichen.

Gemeinsam mit ihrer Familie und mit viel Eigenleistung hat sie im Februar 2007 ein ganz besonderes Gasthaus eröffnet, das völlig konträr zu den Vorgängern eine echte Perle ist.

„Ich bewundere Menschen, die als Start-up-Unternehmer so einen Sprung ins Ungewisse wagen“, sagt Elke Deppe. „Zum einen ist es nicht üblich, auf dem Land ein neues Restaurant zu eröffnen und zum anderen nicht mit gehobener deutscher Küche“, zollt sie Anerkennung.

Und Ute Gebbert gibt zu: „Ich dachte, es wäre einfacher.“ Viel Zeit und Geduld gehören dazu, um die eingefahrenen Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber diesem Standort zu entkräften.

Elke Deppe wohnt in Waake und hat die Entwicklung des Gasthauses jahrelang verfolgt. „Als dann nach dem Leerstand plötzlich wieder renoviert wurde, war ich sehr neugierig und daher auch eine der ersten, die gleich hierher kamen. Und bis heute bin ich davon überzeugt.“

Für Ute Gebbert – die kurz vor der Wende mit ihrer Familie aus der damaligen DDR flüchtete, zunächst zehn Jahre in Stuttgart lebte und erst dann nach Waake kam – ist das Gasthaus eine Idee, die lange reifte. „Ich konnte mir schon immer gut vorstellen, ein Restaurant zu leiten, und hier sah ich meine Chance gekommen“, erklärt sie.

Die Einrichtung ist harmonisch, warmes Rot und Gelb an den Wänden, ausgesuchte Dekorationselemente, keine Bilder, nichts Überflüssiges, angenehme Beleuchtung und klassische Hintergrundmusik – hier kommt der Gast zur Ruhe und kann sich entspannen. „Nach Art von Feng-Shui“, wie Ute Gebbert erklärt. „Sehr geschmackvoll2, findet Elke Deppe.

„Und dazu noch die exquisite Küche. Hier werden wir verwöhnt.“ Und das liegt nicht nur am Service von Tochter Simone Gebbert, die genau weiß, welche Vorlieben die Stammgäste haben, sondern vor allem am Küchenchef Marek Nachtwey. Frisch von der Ausbildung bei einem Spitzenkoch hat er sich die Leitung zunächst nicht zugetraut. Als ihm aber Ute Gebbert die Räume zeigte und ihr Konzept erklärte, ließ er sich von ihrem Enthusiasmus anstecken.

Was er seitdem zaubert, ist hochklassiges Handwerk. Er weiß, was er will, und was er macht. Er geht täglich selbst einkaufen, wählt sorgfältig aus und besteht auf Handarbeit – nichts wird in der Küche maschinell geschnitten, Fertigprodukte gibt es nicht. „Wir machen alles selbst“, betont Ute Gebbert. „Ob Apfelmus, Marmeladen oder Räuchern von Fisch und Fleisch.“

Der Kräutergarten wird von Nachtwey gepflegt, so wie er überhaupt alles im Blick hat, damit das Gesamtkonzept des Hauses stimmig ist. „Er ist ein echter Glücksfall“, gibt sie zu, „denn wir ziehen an einem Strang.“ Selbstverständlich kommen die Produkte aus der Region, dazu nutzt sie die Kontakte ihrer vorherigen Arbeit bei der Landwirtschaftskammer.

Ein gutes Netzwerk ist für sie ebenso unabdingbar wie für Elke Deppe, die weiß, dass sich „Erfolg nicht von alleine ergibt“. Als ihr Mann im Jahr 2000 starb und ihr den Betrieb mit sechs Mitarbeitern hinterließ, war es für sie ein Sprung ins kalte Wasser. Sie kündigte ihren Job und führte das Geschäft ihres Mannes fort.

„Einige haben es mir nicht zugetraut oder mir Steine in den Weg gelegt, aber ich hatte Ehrgeiz“, sagt sie und fährt fort: „Ich bin ein Lösungsfinder – das spiegelt sich auch im Unternehmen wider.“ Der Erfolg gibt ihr Recht. Mittlerweile beschäftigt sie 32 Mitarbeiter und vier Auszubildende.

Ihr Netzwerk umfasst Ärzte, Therapeuten, Krankenhäuser und Pflegeheime, mit denen sie kooperiert und somit ihre Kunden begleitet: von der individuellen Fertigung über die Anpassung und Einweisung in die Produktnutzung bis zur weitergehenden Begleitung. Dabei deckt das Produktspektrum alles ab – vom Sport bis zur Demenz.

Und der globalen Krise zum Trotz hat Elke Deppe im Februar ein Reha-Logistikzentrum errichtet, erweiterte das Stammhaus in der Teichstraße um eine Orthopädiewerkstatt mit modernster Technik und im Spätsommer entstanden Filialen in Hann. Münden und Bad Gandersheim. Ständig plant sie neue Aktivitäten und entwickelt Zukunftsperspektiven.

Genau wie Ute Gebbert, die den Gästen mit ungewöhnlichen Veranstaltungen gerne Besonderes bietet. War es im August ein Rosenmenü, so wird es im Oktober „kulinarisch-musikalische“ Herbstimpressionen geben, wozu ein Jagdkonzert und ein Buffet mit Produkten heimischer Wälder gehören.

Zwar sorgt die monatlich wechselnde Speisekarte schon für Abwechslung, doch sind solche Events begehrte Highlights. Vor allem sollen sie auch weitere Gäste nach Waake locken, die sowohl von dem Charme der Räumlichkeiten als auch von der kreativen Küche überrascht und überzeugt werden sollen.

Beide Frauen, Ute Gebbert und Elke Deppe, sind Überzeugungstäterinnen im besten Sinne – charmant, ehrlich und zupackend.