Überzeugende Argumente

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Die Weser Metall Umformtechnik investiert in den kommenden Jahren 45 Millionen Euro in Hann. Münden.

Wenn die Chemie am Verhandlungstisch stimmt und die Partner verantwortungsvoll aufeinander zugehen, können auch schwierige und weitreichende Entscheidungen mit erstaunlicher Geschwindigkeit getroffen werden.

So geschehen beim Einstieg von Sungwoo Hitech bei der Weser Metall Umformtechnik (WMU).
„Mit unserem Kundenstamm, der von BMW über VW bis MAN und Miele reicht, waren wir für Sungwoo Hitech genau der Partner, den sie für ihre Expansion auf dem europäischen Markt gesucht haben. Wir mussten nur kurz verhandeln und sind zu einer zukunftsweisenden Lösung gekommen“, fasst WMU-Geschäftsführer Rolf Klaas die Anbahnung des Millionen-Deals zusammen.
Der südkoreanische Automobilzulieferer mit einem Jahresumsatz von 2,8 Milliarden US-Dollar übernahm im vergangenen Jahr die WMU. Bis 2016 sind Investitionen in Höhe von etwa 45 Millionen Euro in Grundstücke, Bürogebäude, Fertigungsanlagen und Lagerkapazitäten vorgesehen.
Der bisherige Mutterkonzern Edag aus Fulda hatte zuvor deutlich auf Sparkurs gesetzt, und laut Klaas wären nicht nur die finanziellen Mittel ausgeblieben, vermutlich hätte man sogar von einer Abwicklung innerhalb der nächsten vier Jahre ausgehen können.
Eine Perspektive, mit der sich der 58-Jährige ganz und gar nicht anfreunden konnte.
Schließlich hat er sich für diesen Zeitraum bereits ganz andere Ziele gesetzt: Nachdem es unter seiner Ägide gelungen ist, den Jahresumsatz von 35 Millionen im Jahr 2005 auf 75 Millionen Euro mehr als zu verdoppeln, fragt er selbstbewusst: „Warum sollen wir das nicht noch einmal schaffen?“
Bis 2015 peilt er dies an und möchte die Mitarbeiterzahl, die zu seinem Amtsantritt 180 betrug, von jetzt 330 auf über 500 steigern. Er vergisst dabei nicht, lobend auf das Engagement der Edag-Gruppe zu verweisen, die diese Entwicklung durch Investitionen in Höhe von 15 Millionen Euro in Maschinen, Gebäude und IT möglich gemacht hat.
Die nächsten Schritte
Doch für die nächsten Schritte setzt er ganz eindeutig auf Sungwoo Hitech, denn natürlich öffnen sich seinem Unternehmen nun auch die osteuropäischen und asiatischen Märkte, auf denen der Global Player aus Busan bereits seit vielen Jahren erfolgreich agiert.
Dass die Kuh mit dieser Entscheidung vom Eis ist, beruhigt den aus dem Lahn- Dill-Kreis stammenden Geschäftsführer mit dem für diese Gegend prägnanten ,rollenden R‘. Für ihn stellten die von Edag geforderten Rationalisierungen keine Option dar.
Denn die WMU bedeutet ihm „mehr als nur eine Station in meinem Lebenslauf“.
Der gemeinsame Gang durch den Betrieb verschafft Gewissheit, dass es sich dabei nicht um eine Worthülse handelt. Beim Kontakt mit den Beschäftigten spürt man mehr als einen respektvollen Umgang miteinander. Die Mitarbeiter bemerken das Herzblut, das ihr Geschäftsführer in das Unternehmen steckt.
faktor Mensch
Was häufig in der Industrie versprochen wird, macht Klaas bei WMU wahr: Fähige Leiharbeiter, die bei Hochkonjunktur schnell zur Stelle sind, erhalten, wann immer möglich, Festanstellungen.
Und auch ungelernte oder ältere Arbeitnehmer bekommen ihre Chance zum beruflichen (Wieder-)Einstieg in der Produktion.
Für Klaas ist dies ganz wichtig, wenn er sagt: „Die Menschen müssen zeigen, dass sie motiviert sind, dann finden sie hier auch einen sicheren Arbeitsplatz. Und natürlich hat ein angemessen bezahlter Festangestellter mehr Antrieb als ein Zeitarbeiter, der für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommt.“
Weshalb er lieber auf befristete Angestellte als auf Zeitarbeiter setzt. Klaas weiß, wenn die Motivation stimmt, resultiert daraus auch die nötige Qualität, die die Produkte aufweisen müssen, um sich auf dem anspruchsvollen und konkurrenzreichen Weltmarkt zu behaupten.
Natürlich benötigt der gelernte Werkzeugmacher und Maschinenbautechniker – der sich selbst später noch nebenberuflich zum Informatiker und Refa-Ingenieur weiterbildete – dafür die entsprechend ausgebildeten Fachkräfte.
Aus diesem Grund setzt er bei ihnen auch auf systematische und umfangreiche Aus- und Weiterbildung, vor allem im kaufmännischen Bereich und bei den Werkzeugmechanikern.
Selbst Zeitarbeiter können so in schlechten Zeiten ihr Wissen erweitern und ihre Chancen auf einen dauerhaften Arbeitsplatz bei WMU erhöhen.
Mit dieser Unternehmensphilosophie wurde aus dem 1953 gegründeten Werkzeugbau Bokelmann, der 1986 zur WMU umfirmierte, eines der führenden europäischen Unternehmen in der Herstellung von Press-, Zieh- und Stanzteilen sowie einbaufähigen Schweißkomponenten für die Automobilund Konsumgüterindustrie.
Und wenn Klaas durch die großen Hallen geht und die Pressen und Stanzen ohrenbetäubenden Lärm verursachen, ist das für ihn wie „Musik in meinen Ohren“.
60 Millionen Teile liefern die Hann. Mündener alljährlich. 40.000 Tonnen Stahl werden bei der Produktion von Ölwannen oder Achsbauteilen für Pkw und Nutzfahrzeuge verarbeitet. Neben der konstant hohen Qualität überzeugt WMU durch die zuverlässige just-in-time-Lieferung.
Dies alles sind Argumente, mit denen man die Vertreter von Sungwoo Hitech überzeugen konnte. Ein wichtiger Erfolg für das etablierte Unternehmen. Ein Erfolg, der auch die Mitarbeiter beruhigt und gleichzeitig anspornt.
So fand sich sogar eine Gruppe von Mitarbeitern, die die koreanische Sprache erlernen möchte. Und dies erfordert wahrlich eine hohe Motivation …