trinos

© Entscheider Medien GmbH
Text von: redaktion

Von zwei auf rund einhundert Mitarbeiter in zehn Jahren – die Göttinger Firma Trinos ist das Vorzeigeunternehmen der Region.

„Es wird mächtig gewerkelt am Anna-Vandenhoeck-Ring auf der Siekhöhe: Im Industriegebiet nahe der Autobahnanschlussstelle Göttingen investiert der Vakuumsystemhersteller Trinos derzeit knapp vier Millionen Euro, um seine Produktions- und Büroflächen deutlich zu erweitern. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Marcus Weinhagen (Foto, rechts), der das Vorzeigeunternehmen gemeinsam mit Peter Spreitz (links) vor zehn Jahren gegründet hat. Die Firma habe bereits Flächen auf dem alten Phywe-Areal angemietet, um die Aufträge halbwegs schnell abarbeiten zu können. So hat sich aus einem kleinen Bauteile-Versand in einem Jahrzehnt ein florierendes Unternehmen mit fast 100 Mitarbeitern und elf Millionen Euro Jahresumsatz entwickelt.

Das Gründungsjahr 1997: Jan Ullrich gewinnt die Tour de France, Baulöwe Jürgen Schneider wird wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die CDU hat mit der Spendenaffäre zu kämpfen. Und in Göttingen gründet Weinhagen während seines Studiums einen Bauteile-Versandhandel. Denn der angehende Physiker bastelte damals für seine Diplomarbeit an allerlei Experimenten, für die er teure Bauteile benötigte: „Es gab nur eine Handvoll Anbieter, die den Markt und die Preise bestimmten“, erinnert sich Spreitz. Kurzerhand wandten sich die beiden an die Produzenten der benötigten Bauteile, kauften größere Mengen und handelten die Teile, die sie nicht brauchten. Der Versandhandel wächst so rasch, dass sich Marcus Weinhagen zusammen mit dem

Kaufmann Peter Spreitz, den er bereits seit vielen Jahren kannte, und einem dritten (mittlerweile ausgeschiedenen) Gründer, im Frühjahr 1999 entscheidet, das Unternehmen auf professionelle Beine zu stellen.

Es scheint die ideale Konstellation. Eine, die Gründungsberater in ihren Seminaren immer wieder als „perfekt“ anführen: Zum einen der Kaufmann, der über Ergebnisse und Planungen wacht. Und zum anderen der Experte, der in einem speziellen Gebiet immer wieder neue Ideen hat und an Lösungen tüftelt. Doch trotz des bereits angelaufenen Geschäfts und ausgeklügelten Businessplans wollte keine der angefragten Göttinger Banken die benötigten 12.000 Euro Gründungskapital finanzieren. „Das war für uns schon frustrierend. Aber ein zurück gab es nicht – wir hatten ja ein Ziel vor Augen“, erinnert sich Weinhagen. Schließlich finden die Unternehmer mit der Kreissparkasse Northeim doch eine Bank, die ihre Ideen mit trägt. Ihre ersten Geschäftsräume finden sie im Göttinger Gründerzentrum GöTec in der ehemaligen Zietenkaserne.

Wenn auch der Kundenkreis klein war, Bauteile von Trinos waren gefragt: „Der Markt wuchs ständig und wächst auch heute – es gibt immer neue Anwendungen“, sagt Weinhagen (37). Die Konkurrenz ist überschaubar, nur wenige Firmen tummeln sich in diesem sehr speziellen Marktsegment. Wegen des hohen fertigungstechnischen Anspruchs droht zudem keine Konkurrenz aus Billiglohnländern.

Die wachsende Nachfrage, vor allem aber die immer spezieller werdenden Kundenwünsche, brachte Trinos im Jahr 2001 dazu, eine eigene Fertigung aufzubauen. Statt Einzelteile und Komponenten konnten Kunden fortan komplett zusammengefügte Bauteile in Göttingen bestellen. Das konnten die Wettbewerber nicht, was Trinos nach vorn katapultierte und zu der komfortablen Situation führte, dass nun Kunden kamen, um Lösungen für Vakuumprobleme zu erhalten.

Heute entwickeln zehn Konstrukteure und Ingenieure maßgeschneiderte Kundenlösungen. „Wir übernehmen dabei für den Kunden nicht nur die Fertigung, sondern auch das Denken“, sagt Peter Spreitz (39). Mittlerweile fertigen die Göttinger komplette, aus mehreren Baugruppen bestehende Anlagen. Machte der Anlagenbau 2006 bei Trinos erst ein Prozent des Umsatzes aus, sind es in diesem Jahr

bereits vier Prozent. Tendenz steigend.

Die Vakuumsysteme von Trinos werden in vielen Branchen als Hilfsmittel benötigt, etwa bei der Beschichtung von Oberflächen oder beim Betrieb von Medizinbeschleunigern. Das Vakuum schafft dabei die Umgebung, in der ein Prozess abläuft. So wird das Essen auf der internationalen Raumstation ISS keimfrei mithilfe von Trinos. Die Branchenaussichten sind gut. „Der Markt wächst zweistellig. Wir sind schon ein bisschen stolz darauf, dass wir nach so wenigen Jahren am Markt bereits so stark vertreten und anerkannt sind“, sagt Spreitz. Deutlich spiegelt sich das am Umsatz wieder: Lag der im zweiten Halbjahr 1997 noch bei 15.000 Mark, waren es 2006 bereits zehn Millionen Euro. In diesem Jahr werden es wohl elf Millionen Euro sein, 2012 soll die 15-Millionen- Grenze geknackt werden. Dem Unternehmen geht es dabei aber nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern um die langfristige Perspektive. Langfristig heißt: 30 Jahre. „Wir wollen wachsen, aber im überschaubaren und kontrollierbaren Rahmen“, erklärt Marcus Weinhagen.

Der gerade entstehende Neubau – die Bürofläche wird auf über 1000 Quadratmeter und die Produktionsfläch auf 3400 Quadratmeter erweitert – ist dabei ein wichtiger Baustein in der Unternehmensentwicklung. Weil Trinos zudem eine Option auf ein benachbartes Grundstück hat, wäre sogar später eine weitere Verdopplung der Fläche möglich. Das engste Nadelöhr heißt derzeit jedoch: Arbeitskräfte. Im ersten Quartal 2008 sollen die neuen Räume bezogen werden, rund 25 neue Arbeitsplätze werden entstehen. Gesucht werden technische Mitarbeiter, Schweißer, CNC-Techniker, Dreher, Konstrukteure und Maschinenbauer. Nicht immer kann jede Stelle mit einem geeigneten Mitarbeiter besetzt werden. Nicht zuletzt deshalb bildet Trinos auch in den Berufen Feinmechaniker, Industriekaufmann und Wirtschaftsingenieur aus. Gefordert werde von den Mitarbeitern ein hohes Maß an Flexibilität. Wichtigster Markt ist derzeit noch Deutschland; Niederlassungen und Tochterfirmen gibt es in Spanien, Frankreich und Großbritannien. Auch zum Sprung über den großen Teich hat Trinos bereits angesetzt: In Chicago wurde eine Niederlassung gegründet. Der amerikanische Markt ist viel versprechend und fünf Mal größer als der europäische. Trinos investiert dort zwei Millionen Euro, um vor Ort produzieren zu können und damit wettbewerbsfähig zu sein. Am Standort Göttingen wollen Spreitz und Weinhagen aber nicht rütteln: „Wir fühlen uns wohl, wir bleiben hier.“Text: CHRISTIAN MÜHLHAUSEN Fotografie: ALCIRO THEODORO DA SILVA