©Alciro Theodoro da Silva
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Text von: Marisa Müller

Modellbau – da denkt so manch einer vermutlich an einen Hobbybastler, der Miniaturflugzeuge zusammenklebt oder mit Eisenbahnen hantiert. Sophie Hoffmann ist im zweiten Lehrjahr zur Technischen Modellbauerin, Fachrichtung Gießerei, und all diese Vorstellungen sind weit gefehlt.

Ihr Ausbildungsbetrieb, die Firma Harz Guss Zorge GmbH, fertigt rund 50.000 Tonnen komplexe Bauteile für die Nutzfahrzeugindustrie und den allgemeinen Maschinenbau. In der Gießerei ist vom Prototypenmodell bis zum fertigen Serienmodell, das hinterher 100.000-fach vervielfältigt wird, alles möglich. Bei Harz Guss Zorge arbeiten rund 500 Mitarbeiter, pro Jahr werden zwei Modellbauazubis eingestellt.

„Ich empfehle Praktika und anschließende Selektion“, so die Auszubildende. „Jeder sollte seine Chance nutzen und sich informieren, wo es nur geht, ob nun im Internet oder auf Berufsmessen.“ Als sie auf der Suche nach einer passenden Ausbildung war, spielte die Frage der Mobilität eine wichtige Rolle, erinnert sich die 19-Jährige.

Ohne Auto sei es schwierig. Ihr Vater arbeitet auch im Betrieb, und so gründeten sie eine Fahrgemeinschaft. Heute ist Sophie Hoffmann im Schichtbetrieb in der Gießerei im Modellbau tätig, ihre Ausbildung dauert regulär dreieinhalb Jahre.

Am Anfang steht der Auftrag, erzählt sie, meist verbunden mit einer technischen Zeichnung oder einem Datensatz. Diese­ werden entsprechend modifiziert und daraus ein Modell aus Kunststoff hergestellt.

Der Weg bis zum Gussstück ist damit noch nicht beendet. Das Modell wird an der Formanlage über einen Formkasten mit Sand ,abgeformt‘, sodass man darin eine harte Sandform erhält, die man von dem Modell lösen kann. Diese­ Sandform wird dann mit flüssigem Eisen durch das Eingusssystem ,vergossen‘ und anschließend der Sand herausgerüttelt. Danach kommen die Gussteile in die Putzerei, wo sie entgratet und verputzt werden. So entstehen Abgaskrümmer, Turboladergehäuse, Getriebegehäuse, Anhängerkupplungsteile oder auch Zylinderköpfe.

Dass Hoffmann heute mit lauter Männern Nutzfahrzeugteile herstellt, hätte sie vor einigen Jahren noch nicht gedacht, doch Technischer Modellbau, besonders in der Gießerei, in der Hoffmann arbeitet, ist eine echte Männerdomäne. „Macht aber nichts, ich finde es gut“, so Hoffmann. „Zickenterror gibt es hier wenigstens nicht.“

Ihr Betrieb gehört zum Verbund der Georgsmarienhütte Holding GmbH. Dieses Netz verdeutlicht, welche Betriebe in ähnlichen Bereichen angesiedelt sind und wo eventuell – z.B. nach der Ausbildung – nach einer weiteren Anstellung gesucht werden könnte. „Wer keine goldenen Löffel klaut, kann hier aber vermutlich für immer bleiben – wenn er das will“, sagt Hoffmann.

Für den Beruf des Technischen Modellbauers gibt es bislang nur sehr wenige Bewerber. Das liegt vor allem an der mangelnden Information, heißt es seitens der Harz Guss Zorge GmbH. „Wenn niemand weiß, was wir hier machen, wird sich auch niemand bewerben“, erklärt Ausbilder Sascha Machlitt die Situation.