©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Steuerfachangestellte führen ein spannendes Dasein – klingt komisch, ist aber so. Tobias Böning, Auszubildender im dritten Lehrjahr, erklärt, warum dieser Job gar nicht so trocken ist, wie viele im ersten Moment vermuten.

Wenn Tobias Böning morgens zur Arbeit kommt und auf das herrschaftliche Gebäude der Steuerberatungsgesellschaft Quattek und Partner am Rande der Göttinger Innenstadt zugeht, kribbelt es ihm schon in den Fingern. Am Schreibtisch angekommen, öffnet der 22-Jährige zuallererst seine E-Mails, um herauszufinden, was an diesem Tag überhaupt so alles ansteht. Denn die Aufgaben eines Steuerfachangestellten sind vielfältig und können täglich anders aussehen.

Doch was genau machen Steuerfachangestellte eigentlich? Einmal im Jahr sind etwa 50 Prozent aller Steuerzahler dem Staat gegenüber dazu verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben und damit ihre Einnahmen und Ausgaben offenzulegen. Von den vielen Fremdwörtern, Zahlen und Feldern, die damit einhergehen, sind viele überfordert. Hilfe finden sie dann bei Steuerberatern. Steuerfachangestellte dienen diesen dabei als ,rechte Hand‘. Sie helfen bei der Beratung von Mandanten, erledigen gleichzeitig aber auch die kaufmännischen Aufgaben. Auch Unternehmen nehmen diese Hilfe regelmäßig in Anspruch. Die hierfür nötigen Grundlagen lernt man in einer dreijährigen Ausbildung – so wie Tobias.

„Als Kind wollte ich Pilot oder Archäologe werden“, erzählt der Auszubildende lachend auf die Frage hin, wann ihm klar wurde, dass sich sein Leben einmal um Steuern drehen sollte. Während der gesamten Schulzeit lagen seine Interessen eher in den Fächern Musik und Englisch. So zog es ihn nach dem Abi auch erst einmal für ein halbes Jahr nach Australien. „Dort war es für mich extrem wichtig, meine persönlichen Finanzen im Blick zu behalten“, erzählt Tobias rückblickend davon, wie es dazu kam, dass er sein erstes Kassenbuch führte – und Gefallen daran fand. Er sei eigentlich immer schon eher praktisch veranlagt gewesen, ein anschließendes Studium hat Tobias jedoch nie ausgeschlossen. „Eine Ausbildung ist eine super Gelegenheit, einen Einblick in den eigentlichen Beruf zu bekommen. Wenn man sich da wohlfühlt und Interesse dafür entwickelt, hat man mehr Motivation, das Wissen in einem Studium zu vertiefen“, so Tobias. So fiel die Wahl schnell auf eine Ausbildung bei Quattek und Partner. „Eine der größten und besten Kanzleien in der Region“, sagt der gebürtige Duderstädter überzeugt.

Etwas Theorie muss aber, wie in jedem Beruf, dennoch sein. Einmal die Woche hat Tobias Unterricht in der Arnoldi-Schule in Göttingen. Dort lernt er die Grundlagen der Umsatz- und Einkommenssteuer – etwa im Rechnungswesen, in Wirtschafts- und Sozialkunde, der Abgabeordnung sowie der Körperschaftssteuer. Die Detailfragen dazu werden im Steuerbüro beantwortet. Dazu durchläuft Tobias im Laufe seiner Ausbildung bei Quattek und Partner die verschiedenen Abteilungen.

Inzwischen ist er bereits im dritten Lehrjahr, und nachdem er schon die Jahresabschluss- und  Finanzbuchabteilung durchlaufen hat und aktuell in der Lohnbuchabteilung tätig ist, bekommt er immer mehr Verantwortung übertragen. „Mittlerweile betreue ich sogar ein eigenes Mandat: ein gewerbliches Unternehmen.“ Dafür erfasst Tobias sämtliche Ein- und Ausgaben in dem PC-Programm DATEV und erstellt eine Monatsübersicht. Das Unternehmen stellt ihm dazu die Belege, Daten und Rechnungen zur Verfügung. „So sieht man am Ende des Monats genau, was an Gewinn übrigbleibt“, erklärt der Azubi. Zu einem solchen Mandat gehören natürlich auch der persönliche Kontakt, Gespräche mit dem Kunden sowie die Vor- und Nachbereitung solcher Termine.

Darüber hinaus unterstützt Tobias die Kollegen bei ihrer Arbeit, erstellt Lohn- und Gehaltsabrechnungen für Arbeitnehmer, meldet diese bei den Sozialversicherungsträgern an und ab, damit sie dem Gesetz entsprechend versichert sind, und meldet die abzuführende Lohnsteuer und die Sozialabgaben.

„Wer diese Ausbildung in Erwägung zieht, sollte Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen. Denn auf den ersten Blick kann der Alltag schon etwas trocken sein“, sagt Tobias. „Aber wer Spaß am Zahlenjonglieren und an aufgehenden Gleichungen hat, gern im Kundenkontakt steht und auch privat gut organisiert ist, für den kann das ein wirklich erfüllender Beruf sein.“

Das solltest du für die Ausbildung mitbringen

• einen sehr guten Realschulabschluss oder Abitur
• gute Noten in Mathe, Deutsch und ggf. Wirtschaft
• Verschwiegenheit und Kundenorientierung

Du bist der Richtige für den Job, wenn du

• pünktlich und verlässlich bist
• gern sorgfältig arbeitest
• sehr gut kommunizieren und erklären kannst
• ein analytisches Verständnis für Zahlen mitbringst

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 600 bis 1.000 Euro
2. Lehrjahr: 700 bis 1.050 Euro
3. Lehrjahr: 800 bis 1.100 Euro
Einstiegsgehalt: 2.200 Euro (brutto)