„Stehe still und sammle Dich!“

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Joachim Posanz ist der ,Toughest Firefighter Alive‘ und liebt die Herausforderungen seines Berufes und die des Wettkampfes. Seit 1999 gewinnt der Feuerwehrsport in Deutschland immer mehr Fans. Joachim Posanz aus Badenhausen, seit 1997 Berufsfeuerwehrmann in Göttingen, ist diesem ausgefallenen Sport restlos verfallen.

Der heute 42-Jährige startete 2001 zum ersten Mal bei einem Wettkampf und hat seit 2005 einen Stammplatz auf dem Siegerpodest bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. 2013 war er sogar zeitgleich Welt- und Europameister sowie Deutscher Meister. faktor befragte ihn zu den Parallelen zwischen Feuerwehreinsätzen und Feuerwehrsport und zu dem Mut, den er für beides aufbringen muss.

Herr Posanz, welche Rolle spielt Mut in Ihrem Arbeitsalltag?

Wer keinen Mut mitbringt, ist in diesem Beruf nicht richtig. Wer ängstlich handelt, agiert nicht mehr rational. Es geht dabei aber auch nicht um falsch verstandenes Heldentum. Man muss die Grenzen immer im Blick behalten. Wenn es zu gefährlich wird, muss man sich zurückziehen.

Wie lernt ein junger Feuerwehrmann, dies richtig einzuschätzen?

Ein sogenannter Angriffstrupp geht entweder zu zweit oder zu dritt in den Einsatz. Neue Kameraden arbeiten dabei immer mit erfahrenen Kollegen zusammen.

Hatten Sie selbst schon Angst bei einem Ihrer Einsätze?

Ich darf keine Angst haben. Denn wenn ich in eine Situation gerate, in der ich Angst haben müsste, bin ich eigentlich schon zu weit gegangen. Aber natürlich gibt es besonders aufregende Einsätze, bei denen Risiken nicht klar vorherzusehen sind. Beispielsweise explodierten bei einem Garagenbrand, den wir glaubten, im Griff zu haben, plötzlich mehrere Spraydosen. Da rutscht einem schon mal das Herz in die Hose. Denn dieser Knall hätte auch eine viel größere Gefahr mit sich bringen können. Ein weiterer Moment dürfte den Göttingern in Erinnerung sein: Als am Schützenplatz im Jahr 2010 die Fliegerbombe explodierte, hatte ich Dienst. Wir hörten und spürten die Explosion und wussten sofort: Jetzt kommt ein besonderer Einsatz auf uns zu. Doch gerade in diesen Momenten darf keine Angst im Spiel sein. Wir müssen besonnen handeln können.

Wie viel Adrenalin ist bei Ihren Einsätzen im Spiel?

Gerade im Bereitschaftsdienst, wenn ich aus dem Schlaf gerissen werde, ist Adrenalin wichtig, um ,hochzufahren‘. Zu viel Adrenalin, zum Beispiel durch Angst, wäre aber schädlich und lähmend.

Ohne Adrenalin geht es sicher auch bei Ihren Wettkämpfen nicht, oder?

Nein, das ist sehr wichtig und darf nicht fehlen. Aber wie beim Einsatz zählt auch die psychische Komponente. Man muss sich konzentrieren. Bei unserer Diensteinführung lobte der Vorgesetzte das Motto ,Stehe still und sammle Dich‘ aus. Das gilt für Einsatz wie für Wettkampf.

Profitiert der Feuerwehrmann Posanz vom Wettkämpfer Posanz?

Ganz sicher. Zum einen trainiere ich in heißen Wettkampfphasen bis zu zehn Mal wöchentlich und bin dementsprechend fit, und zum anderen habe ich dank meiner guten körperlichen Verfassung im Einsatz ein sichereres Gefühl.

Wie wichtig sind Ihnen die Titel?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mir die Titel nichts bedeuten. Genauso wichtig ist aber der Zusammenhalt der Teilnehmer. Wir sind ja alle ein bisschen verrückt und sehr motiviert, trotzdem feuern wir uns auch gegenseitig an. Das hilft auch im Alltag oft, noch ein bisschen mehr aus sich herauszuholen.

Sie arbeiten oft mit der Freiwilligen Feuerwehr zusammen – wie schätzen Sie deren Bedeutung ein?

Freiwillig ist eigentlich nur der Beitritt. Danach haben die Mitglieder dieselben Pflichten wie wir von der Berufsfeuerwehr. Daher zolle ich allen, die in ihrer Freizeit bereit sind zu helfen, meinen größten Respekt. Dieser Mut sollte viel mehr Anerkennung in der Gesellschaft finden.

Gibt es für Sie eigentlich noch irgendwelche Herausforderungen?

Ja, ich möchte meine Kenntnisse in der Zukunft gerne an andere Menschen weitergeben. Sportinteressierte Gruppen und Vereinsmannschaften können von meinen Fitnesstrainings profitieren. Das Erleben von Grenzbereichen in Wettkämpfen halte ich für eine sehr wichtige Erfahrung. Auch hier ist Mut erforderlich, um sich dem Wettbewerb immer wieder zu stellen.

Vielen Dank für das Gespräch!