Stefan Hell ist Körber-Preisträger 2011

© Bernd Schuller, © MPI für biophysikalische Chemie Göttingen
Text von: redaktion

Mit einer bahnbrechenden Idee stieß Stefan Hell in die Nanowelt vor. Dafür erhält er den Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2011, der mit 750.000 Euro dotiert ist.

Hell konstruierte hochauflösende Lichtmikroskope, die um ein Vielfaches schärfer sehen können, als es bislang möglich schien.

Sein Trick: Er markiert die zu untersuchenden Proben mit fluoreszierenden Farbstoffen und beleuchtet sie mit einem fokussierten Laserstrahl, dessen Fluoreszenz er im Randbereich des Sichtfeldes durch einen zweiten Laserstrahl gezielt ausschaltet.

Die vom Göttinger Physiker erfundene und zur Anwendungsreife entwickelte STED-Mikroskopie (Stimulated Emission Depletion – stimulierte Emissions-Löschung) ermöglicht Forschern Einblicke in die Nanowelt weit jenseits dieser Grenze. Dies wissen insbesondere Biologen und Physiologen zu schätzen, da sich lebende Zellen oder Gewebe nur mit Lichtmikroskopen beobachten lassen.

So gelang es Hirnforschern 2008 mit der neuen Auflösung erstmals, die Bewegungen winziger Synapsenbestandteile in lebenden Nervenzellen sichtbar zu machen. Darüber hinaus eröffnet die STED-Technik auch vielversprechende Perspektiven für die Weiterentwicklung optischer Speichermedien.

Stefan Hell ist seit 2002 Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Geboren 1962 im rumänischen Banat, studierte er Physik an der Universität Heidelberg, wo er auch promovierte. Nach Forschungsstationen am EMBL in Heidelberg, an den Universitäten Turku und Oxford hat er neben seiner Tätigkeit in Göttingen die Leitung einer Abteilung am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg inne.

Die mit 750.000 Euro dotierte Auszeichnung ehrt jährlich einen herausragenden, in Europa tätigen Wissenschaftler mit besonders zukunftsträchtigen Forschungsvorhaben. Der Körber-Preis wird dem Physiker am 7. September 2011 im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses überreicht.