Stayin’ Alive …

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Text von: Stefan Liebig

Ein Notfall, Menschen, die aufgeregt zusammenlaufen. Eine Person liegt auf der Erde. Herzstillstand. Aber niemand tut etwas. Erste-Hilfe-Kurs zu lange her. Verunsicherung. Dabei gibt es sogar einen mobilen Defibrillator vor Ort. Aber was ist zu tun?

„Ah, ha, ha, ha, stayin’ alive …“ – manche mögen es für sarkastisch halten, andere gar für geschmacklos, doch was in diesem Fall wirklich zählt, ist der unstrittige Ohrwurmcharakter. Denn der 1970er-Jahre-Klassiker von den Bee Gees ist noch heute bei der Wiederbelebung als Eselsbrücke ein Hit. „Wer jemals in die Lage kommen sollte, einen Mitmenschen mittels Herzdruckmassage wiederbeleben zu müssen, der braucht vor einem falschen Druckrhythmus keine Angst zu haben“, erklärt Thomas Gerlach, „solange er sich nur an den Takt dieses Songs hält“. Der Leiter des DRK-Rettungsdienstes Südniedersachsen verfügt mit seinen in etwa 15.000 geleisteten Notfalleinsätzen über einen enormen Erfahrungsschatz und freut sich über die technische Weiterentwicklung im Erste-Hilfe-Bereich, vor allem durch den Einsatz von Automatischen Externen Defibrillatoren, auch AEDs genannt. Die Geräte – vor denen sicher noch sehr viele Menschen einen viel zu großen Respekt haben – können im Fall der Fälle die Wartezeit auf ein Rettungsteam überbrücken und größere gesundheitliche Schäden verhindern helfen.

Ihr Einsatz ist laut Gerlach „kinderleicht“. Alle Handlungsschritte seien auf den Geräten abgebildet und erklärt. „Außerdem arbeiten wir an der Digitalisierung unserer Notrufabteilung. Schon jetzt sind viele Defibrillator-Standorte bei uns registriert, und wir können den Notrufern sagen, wo sich der nächste Defi befindet“, sagt der professionelle Helfer. Inzwischen erklären auch die dafür ausgebildeten Mitarbeiter der Notrufzentrale, wie im Notfall vorzugehen ist.

Aber wo genau muss ein Defibrillator angesetzt werden, und wie arbeitet er? Zunächst einmal muss der Oberkörper des Patienten freigelegt werden. Auf den Rückseiten der beiden Elektroden ist abgebildet, wo auf der Brust die Elektroden angesetzt werden müssen. Jetzt ist das Gerät über einen der beiden Knöpfe einzuschalten, und eine Stimme erklärt das weitere Vorgehen. Grundsätzlich misst das Gerät, ob es sich um ein Herzflimmern handelt, bei dem dann ein Stromstoß mit maximal 360 Joule vonnöten wäre. Ist dies nicht der Fall, sagt es an, ob der Helfer eine Herzdruckmassage anwenden soll.

Wie wichtig diese Überbrückung ist, zeigen zwei Zahlen: Hirnschäden treten ein, wenn das menschliche Gehirn mindestens vier Minuten ohne Sauerstoffversorgung ist. In unserer Region kann es aber bis zu sechs Minuten dauern, bis ein Notarzt an die Einsatzstelle gelangt. Diese Differenz von zwei Minuten sollte der Ersthelfer unbedingt versuchen, durch Hilfsmaßnahmen zu überbrücken. „Natürlich befinden sich die Ersthelfer in emotionalen Ausnahmesituationen und sind adrenalingeflutet. Aber sie sollten helfen, denn ohne Hilfe wird die Situation definitiv schlechter“, betont Gerlach nachdrücklich. Also – jede Hilfe zählt!

Handlungsreihenfolge im Notfall

• Sicherung der Unfallstätte – Eigenschutz geht vor!
• Unbedingt per Handy Hilfe rufen – Notrufnummer: 112
• Das Opfer ansprechen: Reagiert es, beruhigend einwirken. Reagiert es nicht, anfassen und schauen, ob es sich warm anfühlt, Atmung und Puls überprüfen, Schmerzreiz auslösen (kneifen), um zu testen, ob das Opfer bewusstlos ist.
• Wenn keine Reaktionen und kein Puls festzustellen sind, mit der Herzdruckmassage beginnen und das Opfer beatmen. Dazu sagen Experten: Sieht sich ein Ersthelfer zur Beatmung nicht in der Lage, soll er ggf. darauf verzichten, aber auf jeden Fall mit der Herzdruckmassage beginnen.
• Sind Menschen in der Nähe, sollen diese einen Defibrillator holen, falls vorhanden.

Wo müssen Defibrillatoren zu finden sein?

Grundsätzlich ist die Gesetzeslage noch sehr locker. Niemand ist verpflichtet, einen Defibrillator bereitzuhalten. Öffentliche Einrichtungen, Bahnhöfe, Flughäfen, Sportstätten, Arztpraxen, Hotels und viele große Unternehmen haben den Wert der Geräte allerdings inzwischen erkannt und sich selbst zur Bereitstellung verpflichtet. Inzwischen sind die Geräte bereits für 1.000 bis 3.000 Euro zu kaufen.

Richtige Erste-Hilfe-Kurse – auch mit Einsatz von Defibrillatoren – gibt es z. B. beim Deutschen Roten Kreuz, bei den Maltesern und Johannitern sowie beim Arbeiter-Samariter-Bund. Außerdem werden in vielen Betrieben spezielle Kurse für Erste Hilfe angeboten.

Mehr Infos und Angebote zu Erste-Hilfe-Kursen mit und ohne AED