Sport als Lebensphilosophie

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Text von: Rita Wilp

81 Kilometer Ultramarathon mitten im Winter – Gesundheit für Entscheider porträtiert den Brocken-Challenge-Macher Markus Ohlef.

An der Nase hängen gefrorene Tropfen, der Atem gefriert fast direkt vor dem Mund der Läuferinnen und Läufer. Sie sind ausgerüstet mit Handschuhen, Mütze, unglaublich viel Motivation und haben nur eines im Visier: 81 Kilometer Laufstrecke und 2.200 zu überwindende Höhenmeter.

Einmal im Jahr – mitten im Winter – findet ein für Deutschland einzigartiger Ultramarathon statt: Die „Brocken-Challenge“ führt von Göttingen bis auf den Harzer Berggipfel.

„Zusammen mit einem Freund habe ich erstmals 2001 die Strecke auf den höchsten Berg Norddeutschlands absolviert“, sagt Markus Ohlef, Göttinger Physiotherapeut und Mitinitiator des außergewöhnlichen Ultramarathons. Für ihn ist Sport eine Lebensphilosophie.

Aus der Spontanaktion zweier Freunde wurde dann drei Jahre später ein richtiges Projekt und offizieller Lauf. „Ich bin 2003 mit meiner Frau Britta von einer einjährigen Weltreise zurückgekehrt. Dabei hatten wir das vom Deutschen Entwicklungsdienst (DED) unterstützte Projekt „Womans Foundation“ kennen gelernt und wollten es auch gerne fördern. Deshalb haben wir die „Brocken-Challenge“ als offiziellen Wohltätigkeitslauf ins Leben gerufen. Alle Start- und Spendengelder des ersten Laufes gingen an das Projekt des DED.“

In den folgenden Jahren etablierte sich der Lauf als sehr beliebter Ultramarathon in der internationalen Laufszene, und die eingenommenen Gelder kommen weiterhin karitativen Zwecken – jetzt meist in der Region Göttingen – zugute. So haben unter anderem das Göttinger Hospiz und die Göttinger Bahnhofsmission bereits Spendengelder vom Lauf erhalten. 2010 kamen insgesamt 11.000 Euro zusammen.

„Ich habe schon früh mit unterschiedlichen Sportarten angefangen“, sagt der 41-Jährige. Dazu gehören Tennis, Skifahren, Surfen, Mountainbiken, Bergsteigen und Judo. Wichtig war ihm dabei immer, den Sport an seine Lebenssituation anzupassen. Seit er Vater von zwei Söhnen ist, steht die Kombination sportlicher Betätigung und Familie häufig im Mittelpunkt.

„Bergsteigen gehen wir gerne alle zusammen und Fahrradfahren macht auch gemeinsam viel Spaß,“ sagt der Sportbegeisterte, der neben seiner Arbeit als Physiotherapeut auch mit seine Frau Britta Aquafitness-Kurse leitet. Sonst hat er sich dem Ausdauersport verschrieben. Laufen gehört dabei zu seinen Favoriten.

Vor seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten hat er sich zudem in Australien engagiert. Im so genannten Outback betreute er in einem Internat junge Aborigines. Hier war für die oft aus sozial schwachen Verhältnissen stammenden Menschen eine Schulausbildung möglich. Auch in Deutschland hat er Jugendgruppen geleitet, und schon zu dieser Zeit hat er immer eine Kombination seines Engagements mit sozialen oder wohltätigen Institutionen gesucht.

„Für die Brocken-Challenge war auch das ausschlaggebend. Es sollte eine sportliche Herausforderung mit wohltätigem Zweck sein.“ Mit diesem Ansatz konnte Markus Ohlef bisher viele andere für das Projekt begeistern. Die Zahl der Starter bei der „Brocken-Challenge“ hat sich stetig gesteigert, waren 2004 vier Läufer dabei, so wurden 2010 bereits 136 Starter gezählt – der jüngste war 18, die älteste 61 Jahre alt.

Teilnehmer aus Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Großbritannien, der Schweiz und Österreich waren gemeldet. Eine Anmeldung kam aus Peking von einem in China tätigen deutschen Ausdauersportler. Einige mussten jedoch auf die Warteliste, denn die Starterzahl ist begrenzt.

„Damit wir alle Sicherheitsvorkehrungen treffen und auch wirklich alle gut über die lange Strecke versorgen können, müssen wir eine Teilnehmerbegrenzung machen,“ sagt Markus Ohlef. Die Strecke und die Witterung verlangen einiges von den Läufern. Es liegen Eis und Schnee, die Strecke führt meist stetig bergan und die ersten 30 Kilometer sind eigentlich nur zum Warmlaufen. „„Man muss sich gut auf einen solchen Lauf vorbereiten und ein erfahrener Läufer sein.“

Die Organisation des Laufes übernehmen die Mitglieder des Vereins „ASFM – Ausdauersport für Menschlichkeit e.V.“, der extra für die Durchführung der „Brocken-Challenge“ gegründet wurde und vorbereitende Laufkurse für Interessierte anbietet. Die 22 Mitglieder sind zuständig für das Management, Sponsoren unterstützen sie dabei.

„Wir wollen die Region um eine besondere Veranstaltung bereichern und etwas wirklich Außergewöhnliches bieten“, sagt Markus Ohlef. Es gebe zwar viele Marathon-Events in Deutschland, aber keins mit solch hohen Anforderungen und dem zentralen Wohltätigkeitsaspekt. Die Vision für die nächsten Jahre: Noch mehr Spenden einsammeln, um ein eigenes Wohltätigkeitsprojekt zu finanzieren. Gelegenheit dazu bietet die nächste „Brocken-Challenge“ am 12. Februar 2011, wenn Hartgesottene wieder bei eisigen Temperaturen für den guten Zweck und die sportliche Herausforderung auf den Brocken laufen werden.