Spezielle Landkarten für das Marketing

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Text von: Redaktion

Der Berater Klaus Heinemann über die Kundensuche mit visualisierten Marktdaten, die den Blick für die Konkurrenz schärft.

Nicht nur für Christoph Columbus‘ Irrfahrt über den Ozean war das Wörtchen „Wo“ von weitreichender Bedeutung. Auch heute gilt, dass der Raum für viele Entscheidungen maßgeblich ist: 80 Prozent aller Entscheidungen in Wirtschaft und Politik haben einen starken Raumbezug. Was wäre ein Reiseführer ohneLandkarten und Stadtpläne. Sie würden sich vermutlich nicht zurechtfinden. Bildliche Darstellungen prägen sich deutlich besser ein als sprachliche.

Auch für Unternehmen mit dem Markt als Ziel gibt es eine Art Reiseführer, der sich für den Entscheider schnell als Schatzkarte erweisen kann: Unternehmens- und Marketingdaten, untergliedert nach feinsten geografischen Einheiten. Und dazu bekommt man digitale Landkarten in die Hand, die räumliche Zusammenhänge – also Landschaft, Objektstandorte, Kundenströme und vieles mehr – als Marktgebiete visualisieren. Was früher noch auf Landkarten mit farbigen Stecknadeln dargestellt wurde, ist heute wesentlich verfeinerter in Geographischen Informationssystemen (GIS) erfasst.

Solche computergestützten Karten werden auf der Basis von verknüpften Marketing- und Strukturdaten, den so genannten Geodaten, erstellt. Erst Geodaten verdichten diese komplexen Zusammenhänge und ermöglichen deren anschauliche Visualisierung. Besser als reine Marktdaten im Excel-Format geben sie Entscheidernein probates Mittel zur schnellen Orientierung. Ebenfalls hilfreich sind Geodaten dann, wenn Vertriebsgebiete verglichen werden: Wer neben Umsatz und Kosten auch die jeweilige regionale Struktur als fördernden oder hemmenden faktor erkennt, sieht klarer. Und noch etwas ist interessant: Kundenströme, Verkehrsflüsse oder die soziodemografische Struktur beeinflussen natürlich auch den Erfolg des Wettbewerbs in der jeweiligen Region – Geodaten schärfen also auch den Blick für die Konkurrenz. Durch einen harten Konkurrenzkampf, Expansion und Globalisierung müssen viele Unternehmen die räumliche Komponente in ihre Marketing-Strategien mit einbeziehen.

Extreme Transparenz beobachteter Marktregionen

Was daraus an Marketingaktivitäten für ein Unternehmens folgt, nennt sich im Fachjargon Geomarketing. Dabei erweitert Geomarketing den klassischen Marketingprozess: das WER (Kunde) und das WAS (Produkt) um das WO (Standort und regionale Märkte) und kann folgerichtig auch als „dritte Dimension des Marketings“ bezeichnet werden. Geomarketing bietet die komfortable Möglichkeit, Unternehmenssituationen in Karten zu visualisieren. So entstehen auf Knopfdruck beispielsweise die Marktgebiete des Unternehmens.

Den optimalen Aufschluss über die tatsächliche Position des Unternehmens sowie Chancen und Risiken liefert aber erst der Abgleich der unternehmenseigenen Zahlen mit den verfügbaren allgemeinen Informationen zu der untersuchten Region. Hier ist fast alles denkbar: Kaufkraft, Anzahl von Haushalten, Einwohnern oder Firmen. Vielfältige qualifizierende Daten zu den Einwohnern (Alter, Prioritäten, Konsumverhalten, usw.) machen die beobachtete Marktregion extrem transparent. Auf Basis der Ergebnisse und des Abgleichs mit den eigenen Zahlen lassen sich z. B. gezielte Werbe- oder Promotionmaßnahmen planen, um die dortigen Absatzzahlen zu optimieren.

Was dem Betrachter des Kartenausschnitts auf den ersten Blick wie eine undefinierbare, farbig abgestufte Landkarte erscheint, offenbart dem Entscheider, wo die höchste Kaufkraft angesiedelt ist.

Dr. Klaus Heinemann ist Moderator für Entwicklungsprozesse, Marketingberater und Coach für Gründerteams.

Kontakt: info@dhconsult.de