Solides Handwerk

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Sympathische Gastronomie und ein Fachbetrieb finden im Südharz zueinander.

Herzberg-Lonau ist kein Ort, den man zufällig entdecken könnte. Keine Durchfahrtsstraße führt durch diese idyllische Häuseransammlung am Harz. Es ist eine Sackgasse.

„Wer hierher kommt, hat sich entweder verfahren, oder er weiß, dass es uns gibt“, sagt Petra Dietrich-Sievers, Inhaberin des Hotel und Restaurant ‚Zur Quelle’.

Auch Volker Bierwirth, Geschäftsführer der Lomberg & Bierwirth GmbH in Osterode, entdeckte das Kleinod nur durch Zufall. „Wir bekamen 2003 einen ,Genießerpass‘ geschenkt, der uns erstmals ,Zur Quelle‘ führte“, erzählt er. So kam er nach Lonau – seitdem ist er Stammkunde.

„Meiner Frau und mir hat es von Anfang an gefallen: das Ambiente, das Essen, das ganze Drum und Dran“, wozu eine helle freundliche Einrichtung, Stofftischdecken und liebevoll dekorierte Gasträume gehören. „Es ist wie ein Nachhausekommen“, ergänzt seine Frau Uta.

Und doch ist es vielseitig genug für verschiedenste Anlässe: eine Familienfeier, ein Geschäftsessen mit Kunden, den eigenen Mitarbeitern oder eben auch für einen gemütlichen Abend zu zweit.

„Es ist Gemütlichkeit mit Niveau. Hat Stil, ohne steif zu sein. Es ist liebevoll

beschreibt es Volker Bierwirth, der Verlässlichkeit schätzt, und das nicht nur in Bezug auf schmackhaftes Essen, sondern auch bei seinen Mitarbeitern. 20 Beschäftigte arbeiten in dem Fachbetrieb für Sanitär, Heizung und Lüftung, den er gemeinsam mit Achim Lomberg seit 1992 führt.

Der Betrieb ist stetig gewachsen, und viele Mitarbeiter sind schon lange dabei. Sie seien ein Garant dafür, so der 50-Jährige, dass die Aufträge zur Zufriedenheit der Kunden ausgeführt werden. „Ich bin selten selbst am Bau. Denn unser Einsatzgebiet ist nicht nur Osterode – obwohl wir vor Ort selbstverständlich Kleinaufträge aus Haushalten annehmen –, aber wir sind oft bundesweit beschäftigt, waren auch schon in der Nähe von Meran, in Österreich und in der Schweiz“, erzählt er. Und das heißt für ihn, oft unterwegs zu sein.

Denn es sind die Großaufträge, die das Unternehmen erfolgreich machen. So hat ein dreijähriger Auftrag der Medizinischen Hochschule in Hannover über die Wirtschaftskrise hinweggeholfen. Dieser ist jetzt fast abgeschlossen, doch schon längst beteiligt sich Bierwirth an neuen öffentlichen Ausschreibungen. „Wir müssen uns ständig um Aufträge bewerben. Schon allein, um immer die Mitbewerber, die Preise und die Vorgänge bei der Auftragsvergabe zu beobachten. Wenn wir da nicht am Ball bleiben, sind wir ganz schnell raus.“

Interessante Kundenstruktur

Großaufträge und kleine Jobs in der Nachbarschaft – es ist eine ganz eigene, aber auch interessante Kundenstruktur, die den Alltag für ihn spannend macht. Und es ist ein Grund, warum er nie überlegt hat, den Firmensitz in eine größere Stadt zu verlegen.

Eine gemischte Kundschaft hat auch ,Zur Quelle‘. Es kommen sowohl Dorfbewohner als auch Reisende aus ganz Deutschland, die dort übernachten. „Unsere auswärtigen Gäste sind oft schon die dritte Generation, die uns von den Besuchen mit ihren Großeltern oder Eltern kennen“, sagt Petra Dietrich-Sievers nicht ohne Stolz.

Seit 1976 ist sie im Betrieb. Anfangs noch als Ehefrau, die erst mithalf, dann eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau machte, den Ausbilder-schein erwarb und schließlich 1996 den Betrieb übernahm. Doch zwei Jahre später zerstörte ein Feuer das aus Lehm und Stroh gebaute Haus.

Nichts blieb übrig, und alles wurde neu.

Denn Petra Dietrich-Sievers ließ sich nicht entmutigen und konnte bereits im Oktober 1999 die Neu-Eröffnung feiern, gemeinsam mit ihrem zweiten Mann Klemens Sievers (45), der seitdem als Chefkoch die Gäste verwöhnt.

„Es ist hier eben tatsächlich eine Sackgasse““, sagt er schmunzelnd. „Ja, wir fangen alle ein“, ergänzt seine Frau scherzhaft. Das tun sie mit Hausmacher Kost, herzhaften Speisen, aber auch gerne mit anspruchsvoller Küche. „Da stellen wir uns ganz auf die Gäste ein“, sagen sie beide.

Harzmäßige Herzlichkeit

Es ist die „harzmäßige Herzlichkeit““, so Volker Bierwirth, die einen gefangen nimmt. Schon beim Betreten wird der Gast vom Senior begrüßt, der hinter der großen runden Theke die Getränke ausschenkt. Ein gekachelter Kamin, der ab Herbst das ganze Gasthaus heizt, strahlt Gemütlichkeit aus und ist im Winter Lieblingsplatz verfrorener Skilangläufer. Die Rückseite des Wärmespenders befindet sich in einem separaten Kaminzimmer.

Ein weiterer Gastraum, an den der große Tisch im Erker angrenzt steht ebenfalls zur Verfügung. „Unsere Gäste können sich aussuchen, ob ihnen nach mehr oder weniger Gesellschaft zumute ist“, erzählt die Gastgeberin. Im oberen Geschoss befinden sich fünf Gästezimmer sowie eine Dachterrasse mit Liegen.

Und über die Straße ist ein Minigolfplatz, auf dem Kinder ungestört spielen können. „So eine Sackgasse hat eben auch ihre Vorteile.“

Erholung pur findet man in Lonau. „Man muss eben das Beste aus dem machen, was man hat“ – dieser Überzeugung von Petra Dietrich-Sievers stimmt Volker Bierwirth zu: „Auch wir stellen uns dieser Herausforderung jeden Tag.“ Und es gibt keinen Zweifel, dass es ihnen gelingt.