SerNet nutzt EuG-Urteil

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Text von: redaktion

Mit dem Schreiben vom 26. September 2007 an Microsoft setzt die SerNet das Urteil des Europäischen Gerichts vom 17. September in ein konkretes Anliegen um. SerNet fordert offene Protokoll-Spezifikationen von Microsoft.

Mit Schreiben vom 26. September 2007 an Microsoft setzt die SerNet das Urteil des Europäischen Gerichts vom 17. September in ein konkretes Anliegen um:

Das Gericht legte Microsoft die Verpflichtung auf, in sachgemäßer und nicht diskriminierender Weise Protokoll-Spezifikationen in einer Form zu veröffentlichen, dass damit vollständig interoperable Software zu Windows-Servern erstellt werden kann. Das Gericht setzte eine Frist von 120 Tagen bis zum 15. Januar 2008. Dieses Urteil wurde von Microsoft akzeptiert.

Die SerNet GmbH mit Sitz in Göttingen fordert nun von Microsoft diese Spezifikationen ein, um die OpenSource-Software Samba zusammen mit dem Samba-Team voll interoperabel weiter entwickeln zu können.

SerNet ist die führende Anbieterin von Leistungen rund um Samba und bietet ihre Dienstleistungen weltweit an. Das Samba-Team ist ein internationaler Zusammenschluss von Software-Entwicklern, die gemeinsam an der Software Samba arbeiten, welche im Wesentlichen eine Implementierung des SMB/CIFS-Protokolls unter Linux/Unix und einigen anderen

Betriebssystemen darstellt.

Obwohl das Samba-Team in der Vergangenheit schon beachtliche Erfolge erzielen konnte in dem Bemühen, interoperable Software zu Windows Servern zu erstellen, gibt es doch eine ganze Reihe von Herausforderungen durch die mangelhafte Offenlegung von Protokoll-Spezifikationen seitens Microsoft für Erweiterungen im SMB/CIFS-Protokoll. Zur Zeit beschäftigt sich das

Samba-Team mit der Programmierung von Software, die die Interoperabilität von Samba-Servern mit Windows-Servern und Active Directory verbessern soll.

Hierzu gibt es ein Teilprojekt namens „samba4AD“ zur Entwicklung eines Active Directory Servers in Samba. Die SerNet hat dazu ein Proposal erarbeitet, das frei verfügbar ist: ftp://ftp.sernet.de/pub/samba4ad.

Die in diesem Proposal beschriebenen Aufgaben können ohne Protokoll-Spezifikationen von Microsoft nur unvollkommen umgesetzt werden. Die Entscheidung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2004, bestätigt durch den aktuellen Richterspruch des Europäischen Gerichts in Erster Instanz verdeutlicht, dass Microsoft die Verpflichtung auferlegt wurde, Protokolle offen zu legen und dass jede Weigerung oder Verzögerung den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung belegt.

„Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass wir Samba weiter unter der GPL in Version 3 entwickeln können“, so Johannes Loxen als Verfasser des Schreibens im Namen der SerNet – „die von Microsoft bereits angebotenen Lizenzverfahren MCPP und WSPP sind daher für Samba nicht praktikabel.“

Als Frist wurde Microsoft der 15. Januar 2008 gesetzt – entsprechend der Fristsetzung des Europäischen Gerichts.

Da Samba die wichtigste OpenSource-Alternative zu Microsoft Windows ist, bietet sich hier die Gelegenheit, den Erfolg des Gerichtsverfahrens in der Praxis zu überprüfen.