Selbsttest: Social Media – Ja oder Nein?

Text von: redaktion

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Einige stürzen sich in Facebook und Co., um dann von den Ergebnissen oder einem sich nicht einstellenden Marketing-Erfolg enttäuscht zu sein. Viele Fan-Seiten und Accounts von Unternehmen oder Marken liegen brach – was dann schnell nicht mehr die beste Werbung ist.

Intuitives Ausprobieren ist ein guter Ansatz, den man in sozialen Netzwerken verfolgen kann. Unternehmen, die das Thema aber reflektierter angehen wollen, sollten sich einige Fragen auch zu den kritischen Seiten stellen und auf Grundlage ihrer ehrlichen Entscheidungen abwägen.

Niemand nimmt es übel, wenn ein Unternehmen nicht breit gestreut in sozialen Netzwerken vertreten ist. Bitter stößt auf, wenn es präsent ist, aber z.B. kein Interesse am Dialog mit Nutzern und Fans zeigt.

Für viele, aber nicht für jedes Unternehmen eignet sich Social Media. Alle tun gut daran, ehrlich zu sein und auch zu erkennen, wann ein ,Nein‘ die bessere Antwort ist.

Acht Fragen zur Entscheidungsfindung

Im Folgenden finden Sie acht Punkte, die Sie bei der grundlegenden Entscheidung, ob sich Social Media für Ihr Unternehmen eignet, leiten können. Am Ende steht zwar keine klare Empfehlung – auch nicht die, lieber erst einmal eine Social-Media-Strategie oder -Richtlinie zu erarbeiten.

Die Checkliste soll Ihnen vielmehr helfen, die kritischen Aspekte des Themas zu reflektieren und eine ehrliche Entscheidung zu treffen.

1. Zeit

Bin ich bereit, Zeit für die Social-Media-Aktivitäten des Unternehmens aufzuwenden? Zeit ist die Grundvoraussetzung, um einen Social-Media-Kanal zu bespielen. Sei es die eigene oder die eines netzaffinen Mitarbeiters, der mit der Aufgabe betreut wurde.

Eine Facebook-Fanseite, ein Twitter-Account oder das Pinterest-Profil ist zwar schnell und ohne große Einarbeitung aufgesetzt. Wer Fans und langfristig enthusiastische Kunden gewinnen will, muss aber mehr bieten. Neben regelmäßigen (sinnvollen) Inhalten ist auch die ein oder andere kreative Aktion eine gute Idee.

„Wir machen das nebenbei“ kann funktionieren – kostet in der Summe aber eben auch: Zeit. Vor allem bei all jenen, die sich doch erst noch einarbeiten müssen, um das „Nebenbei“ beherrschen zu können.

2. Mehr Zeit und Ressourcen

Bin ich bereit, mich laufend mit den Änderungen in den genutzten Social Networks zu beschäftigen? Die Regeln – meint: AGBs, Nutzungsrichtlinien, aber auch die ganz profanen Funktionsweisen –, die im gestrigen Meeting noch Grundlage für die Entscheidung Pro-Social-Media waren, können heute schon geändert sein. Und Morgen vielleicht schon ganz vergessen.

Vor allem Facebook hat in kurzen Abständen Änderungen wichtiger Funktionen umgesetzt, die sich auf Sichtbarkeit, Profilnutzung, etc. auswirken. Wer mitspielen will, muss bereit sein, sich regelmäßig auf dem Laufenden zu halten und Änderungen entsprechend in sein Nutzungsverhalten einzubeziehen.

3. Zielgruppe

Wen will ich erreichen? Sind diejenigen in sozialen Netzwerken vertreten? Es muss keine detaillierte Analyse sein. Eine grob geschätzte Überlegung für den Einstieg hilft schon – manchmal muss dabei aber um die Ecke gedacht werden.

Das kategorische „Nein, unsere Kunden? Nie!“ hilft ebensowenig wie „Irgendwen wird es schon erreichen.“ Sich mit Social Media wiederum neue Zielgruppen zu erschließen ist nichts, was von heute auf Morgen geschieht.

4. Dialog

Bin ich bereit, mit Kunden, Konsumenten – und auch allen anderen – in einen offenen und für andere sichtbaren Dialog zu treten? Wer etwas in die große Social-Media-Welt hineinschreibt, tut das, um selbst wahrgenommen zu werden. Einseitige Kommunikation ist jedoch in sozialen Netzwerken ein nicht praktikables Konzept.

Die Menschen auf der anderen Seite schreiben zurück. Ein Konsument ist nicht mehr einfach nur Konsument – ihm stehen die gleichen Kommunikationskanäle zur Verfügung wie den Unternehmen.

Diese sollten auf Reaktionen gefasst sein und sie nicht einfach stehen lassen sondern wiederum interagieren und – besonders wichtig – vor allem Fragen beantworten. Lange Zeit offene und teils sogar mehrfach wiederholte Fragen tragen nicht zu einem positiven Unternehmensauftritt in Social Networks bei.

5. Muse

Habe ich die Geduld und Ruhe, mich mit negativen Reaktionen auseinander zu setzen? Und eventuell das Körnchen berechtigte Kritik darin zu erkennen? Negative Kommentare, ob berechtigt oder unberechtigt, sind keine Seltenheit.

Große und kleine Unternehmen haben schon hinreichend versucht, Unliebsames verschwinden zu lassen. Sie mussten die schwere Erfahrung machen, dadurch noch mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen und noch mehr negatives Feedback auf sich zu ziehen. Die Muse, sich auch mit ,motzigen‘ Kommentaren zu beschäftigen und einen konstruktiven, öffentlichen Umgang mit Kritik zu etablieren ist entscheidend.

Nicht zu vergessen die Fähigkeit, Kritiker – auch solche, die einmal einen schlechten Tag haben – und so genannte Trolle zu unterscheiden. Letztere gilt es nicht mit Aufmerksamkeit zu füttern.

6. Kritik ummünzen

Bin ich bereit, die Kritik anzunehmen und – gegebenenfalls ebenso öffentlich – umzusetzen? Wer es schafft, auch die negativen Kommentare aus dem vorherigen Punkt zu kanalisieren, kann sich mit seinen Social-Media-Kanälen eine wertvolle Ressource des Kundenfeedbacks schaffen.

Nicht jede Kritik mag zur entscheidenden Unternehmensverbesserung beitragen. Aber jede sollte gehört, ernst genommen und geprüft werden. Hinter der Kritik stehen in der Regel Kunden.

Wer geschickt ist, kann viel über sie erfahren.

7. Neugier

Bin ich bereit, den Blick für Neuerungen offen zu halten und neue Trends zu verfolgen? Neben den ständigen Änderungen in einem sozialen Netzwerk, gibt es auch immer neue Trends, die einen Versuch wert sind. Nicht alle davon überdauern einen ersten Hype – im Grunde sogar sehr wenige – aber oft lohnt es sich, neugierig zu sein.

Das muss nicht unbedingt und sofort öffentlich erfolgen. Aber es zahlt sich dadurch aus, dass der eigene Blick auf Trends geschärft wird. Und sich die stete Neugier eines Unternehmens vielleicht in eine Neugier auf das Unternehmen übersetzt.

8. Geld

Bin ich gewillt, trotz unklarem Return of Investments, eventuell Geld in meine Social-Media-Aktivitäten zu investieren? Die Nutzung von sozialen Netzwerken ist zwar grundsätzlich kostenlos.

Dass aber Social-Media-Nutzung kostenlos ist, fällt in den Bereich Mythos. Neben den reinen Zeitkosten, die in die Bespielung, die Beobachtung, den Dialog etc. fließen, können weitere Investitionen zumindest sinnvoll werden.

Das Erarbeiten einer Strategie durch Profis gehört dazu. Eventuell macht es auch Sinn, sich ein schlagkräftiges Werkzeug für die geballten Aktivitäten oder ein gutes Monitoring-Tool anzuschaffen.

Letzteres gilt übrigens auch für die Unternehmen, die selbst nicht in Netzwerken aktiv sind, aber im Blick behalten möchten, ob andere dort über sie reden und was sie sagen.

Fazit

Sie konnten alle Fragen mit einem beherzten „Ja“ beantworten? Dann steht Ihrem Social-Media-Auftakt wohl nichts im Weg. Sie haben einige „Neins“ dabei? Wägen Sie ab, welche Punkte für Sie wichtig oder sogar entscheidend sind – und ob einige gleich einen Einsatz ausschließen. Viele der Aspekte sind letztlich auf einen Kernpunkt, den zuerst genannten und wichtigsten, zurück zu führen: Zeit.

Erfolg in sozialen Netzwerken – wie auch immer Sie diesen für Ihr Unternehmen definieren – stellt sich nicht von alleine und nicht sofort ein. Das kontinuierliche Ein- und Erstellen von Inhalten braucht Zeit. Der hoffentlich daraus resultierende Dialog mit den Nutzern ebenso. Es braucht Zeit, um bei den Änderungen Schritt zu halten.

Und wer nicht bereit ist, diese zu investieren, kann sich die Entscheidung Pro oder Contra Social Media recht einfach machen.