©Alciro Theodoro da Silva
©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marisa Müller

Die rußverschmierte Hand schütteln oder kurz die fremde Kleidung berühren – im Normalfall tut das niemand. es sei denn, danach gibt es jede Menge Glück. Jo Salzmann passiert das häufig, denn er ist im zweiten Jahr Schornsteinfegerlehrling.

„Der Brauch kommt aus dem Mittelalter. Viele Häuser sind damals abgebrannt, weil die Kamine wegen der Verschmutzung Feuer gefangen haben. Nachdem die ersten Schornsteinfeger dieses Risiko verminderten, entstand der Mythos des ‚Glück bringenden‘ Kaminkehrers“, erzählt der Azubi.

Dem Glück ist es auch zu verdanken, dass Schornsteinfegermeister und Ausbilder Rüdiger Betker und er beim 50. Geburtstag von Salzmanns Onkel aufeinander trafen. Ein Schnupperpraktikum später, und seine ursprüngliche Idee – der Beruf des Elektrikers – war passé.

„Vor dem Vertrag musste ich einen Schornsteinfegertauglichkeitstest von der Schornsteinfegerinnung bestehen“, erinnert sich Salzmann. Mit der Bestnote im Test war der Ausbildungsplatz bei Rüdiger Betker in Moringen sicher. „Großartig nach Stellen gesucht habe ich nicht. Das war glücklicherweise nicht nötig“, ergänzt er mit einem Lächeln.

Heute klettert der Lehrling auf Dächer, fegt Schornsteine, reinigt die Rauchrohre, führt Abgaswegeüberprüfungen durch und berät in Sachen Energieeinsparung. Doch das ist noch nicht alles: „Wir sind manchmal auch Seelsorger“, berichtet er. „Viele ältere Leute freuen sich über unseren Besuch. Dann wird erstmal ein bisschen erzählt.“

Wer Schornsteinfeger werden möchte, der sollte unbedingt ehrlich und zuverlässig sein und gut mit Menschen umgehen können, findet der 18-Jährige. Letzteres sei das, was ihm am meisten Spaß machte. Man lerne so viele Leute kennen. „Manchmal ist es etwas seltsam, wenn man in einen fremden Haushalt kommt oder die Bewohner beispielsweise gehandicapt oder dement sind. Aber das macht die Vielfältigkeit ja auch aus. Langweilig wird es nie.“

Die Schornsteinfegerinnung ist gut organisiert und hält eine schützende Hand über das Handwerk. Jo Salzmann kann sich sicher sein, dass nach seinem Abschluss irgendwo eine Anstellung auf ihn wartet, sollte er nicht bei Rüdiger Betker bleiben. Dabei geht der Trend immer weiter in Richtung Energieberatung, denn Energie ist ein wichtiges Thema, mit dem sich immer mehr Menschen intensiv auseinander setzen.

In diesem Bereich könnte Salzmann sich nach seiner Ausbildung auch noch weiter qualifizieren; möglich sind die Meis­terprüfung und die Prüfung zum Gebäudeenergieberater im Handwerk. „Darüber mache ich mir jetzt allerdings noch keine Gedanken. Erstmal möchte ich arbeiten.“

Für Salzmann und alle anderen Azubis in Niedersachsen, Hamburg und Bremen befindet sich die einzige Möglichkeit zur Berufsschulausbildung des Schornsteinfegerhandwerks in Hannover. Alle Lehrlinge besuchen dort das Schornsteinfegerinternat zum mehrwöchigen Blockunterricht. Im August 2015 wird er dort auch seine letzte Prüfung schreiben.

Allen, die ebenfalls den Glücksberuf ergreifen wollen, rät er: „Seid selber aktiv, das kommt am besten an. Ausbilder wollen sehen, dass man etwas will und sich dafür einsetzen kann.“ Die Eltern und das familiäre Umfeld waren für ihn äußerst wichtig bei der Frage nach der beruflichen Ausrichtung. „Meine Eltern haben mich positiv bestärkt und mich in allem unterstützt, das hilft sehr. Jeder, der Hilfe bekommen kann, sollte sie auch annehmen“, empfiehlt er.