Samuel-Bogumił-Linde-Preis für Ewa Lipska und Sarah Kirsch

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Text von: redaktion

Der von den beiden Partnerstädten Thorn (Toruń) in Polen und Göttingen gemeinsam gestiftete und zum 12. Mal vergebene Samuel-Bogumił-Linde-Preis geht in diesem Jahr an die polnische Lyrikerin Ewa Lipska und die deutsche Dichterin Sarah Kirsch.

Der mit 4000 Euro dotierte Preis wird am Sonntag, 24. November 2007, in Thorn (Toruń) verliehen. Mit ihm werden utoren ausgezeichnet, deren Wort Ideale und Werte schafft, die Menschen, Gesellschaften und Nationen zum gemeinsamen Gespräch führen. Der Preis kann Schriftstellerinnen und Schriftstellern zuerkannt werden, die auf den Feldern Lyrik, Prosa, Drama, Essayistik im umfassenden Sinn, Literaturkritik, Publizistik, Übersetzung und Edition Hervorragendes geleistet haben.

Ewa Lipska

Ewa Lipska, geboren am 8.10.1945 in Krakau, Polen, debütierte mit ersten Gedichten 1961 in der Zeitschrift „Gazeta Krakowska“. Nach Absolvierung der Matura 1963 studierte sie Malerei und Kunstgeschichte an der Akademie der Schönen Künste in ihrer Heimatstadt Krakau. Von 1964 an erschienen ihre poetische Beiträge in den Zeitschriften „Życie Literackie“ i „Dziennik Polski“. Ihr erster Lyrikband erschien 1967.

Von 1968 bis zu dessen Auflösung 1983 gehörte sie dem Polnischer Schriftsteller-Verband (Zwiazek Literatów Polskich, ZLP) an. Von 1970 bis 1980 arbeitete sie als Lyrikredakteurin des Verlages „Wydawnictwo Literackie“ („Literaturverlag“) in Krakau. Zur Jahreswende 1975/76 nahm sie ein halbjährigen Stipendium des „International Writing Program“ auf Einladung der Universität von Iowa wahr. Im Jahre 1978 wurde sie Mitglied des polnischen PEN-Clubs.

Lipska war Mitgründerin der Literaturzeitschrift „Pismo“ („Schrift“) und Redaktionsmitglied von 1981 bis 1983. 1983 verbrachte sie in Westberlin aufgrund eines Stipendiums im Rahmen des Künstlerprogrammes des DAAD Berlin (Deutscher Akademischer Austauschdienst). In den Jahren 1990 bis 1992 war sie Redaktionsmitglied von „Arka“ und „Dekada Literacka“ („Die Arche“ und „Literaturdekade“), Krakau. 1991 wurde sie Stellvertretende Direktorin und dann Direktorin des Polnischen Kulturinstituts in Wien, wo sie bis 1997 blieb. Seit 1997 lebt und arbeitet Ewa Lipska als freie Schriftstellerin in Krakau, Polen.

Sarah Kirsch

27.03.2007Sarah Kirsch, geboren am 16.4.1935 in Limlingerode (Südharz), Tochter eines Fernmeldemechanikers. Nach dem Abitur Arbeit in einer Zuckerfabrik, dann von 1954 – 58 Studium der Biologie in Halle. 1958 lernte sie den Lyriker Rainer Kirsch kennen, mit dem sie von 1960 bis 1968 verheiratet war. Ab 1960 veröffentlichte sie lyrische Texte in Anthologien und Zeitschriften unter dem Vornamen-Pseudonym Sarah, das sie aus Protest gegen die Judenvernichtung im Dritten Reich gewählt hatte. 1963-1965 Studium am Institut für Literatur „Johannes R. Becher” in Leipzig. Danach freie Schriftstellerin in Halle (Saale), ab 1968 in Ost-Berlin, wo sie als Journalistin, Hörfunkmitarbeiterin und Übersetzerin tätig war.

Als Erstunterzeichnerin der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns war, wurde sie 1976 aus der SED und dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Im Jahr darauf, 1977, zog Sarah Kirsch mit ihrem Sohn nach West-Berlin, seit 1983 lebt sie in Tielenhemme (Schleswig-Holstein). 1978 Mitglied des PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland und Stipendiatin der Villa Massimo in Rom. 1980 verfasste Sarah Kirsch zusammen mit Günter Grass, Thomas Brasch und Peter Schneider einen offenen Brief an Bundeskanzler Helmut Schmidt, in dem zu einem kritischen Umgang mit der USA-Außenpolitik aufgerufen wurde. 1992 lehnt sie eine Berufung an die Berliner Akademie der Künste ab, da diese ehemaligen Mitarbeitern der Staatssicherheit Unterschlupf böte.

Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, der Freien Akademie der Künste, Mannheim, und der Freien Akademie der Künste, Hamburg. Brüder-Grimm-Professur an der Universität/ Gesamthochschule Kassel (WS 1995/96); Gastdozentur Poetik der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M. (1996/97); Poetikdozentur an der Universität Göttingen (2001/02). 2006 wurde ihr vom Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein der Ehrentitel Professorin verliehen.