Rückkehr zum “Business as usual?“

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Text von: redaktion

Der Mittelstandsexperte Holger Reinemann spricht über die richtigen Instrumente für die Finanzierung im Mittelstand.

Nach Jahren der zurückhaltenden Kreditvergabe buhlen Geschäftsbanken wieder um einen wichtigen Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft: den Mittelstand. In Folge des Platzens der Börsenblase 2001 und der einsetzenden konjunkturellen Talfahrt hatten sich insbesondere die Geschäftsbanken bei der Vergabe von Krediten an die mittelständische Wirtschaft sehr zurückhaltend gezeigt. Mit Finanzinnovationen versuchen die Banken nun, verlorenes Terrain zurückzugewinnen und den Mittelstand für die Anforderungen von Basel II „fit zu machen“. Tatsächlich treffen diese Instrumente aber nur die Bedürfnisse einer kleinen Gruppe von Unternehmen. Darüber hinaus hat das verstärkte Werben um Kunden im Mittelstand noch einen weiteren Grund: die Hoffnung auf ein stabiles Geschäft.

Die meisten „modernen“ Finanzierungsinstrumente zielen darauf, die Bilanzrelationen der Unternehmen zu verbessern. Dies bezieht sich auch auf eine Anhebung der im internationalen Vergleich chronisch niedrigen Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstandes.

Hierfür werden im Wesentlichen zwei Wege eingeschlagen: Die Eigenkapitalquote kann direkt durch Finanzierungsinstrumente

oder indirekt durch eine Bilanzverkürzung verbessert werden. Eine breite Diskussion hat in den vergangenen Jahren über den Einsatz von externem Eigenkapital (Private Equity) oder eigenkapitalähnlichen Produkten stattgefunden. Private Equity wird von einer

Vielzahl in- und ausländischer Fonds angeboten, die insbesondere Unternehmen mit herausragenden Wachstumsperspektiven Mittel

zur Verfügung stellen. Eingedenk der traditionellen Zurückhaltung des Mittelstandes bei der Aufnahme externer Gesellschafter wurde mezzanine Finanzierung zum Zauberwort. Ideal typisch weisen diese Finanzierungs instrumente steuerlich Fremdkapitalcharakter auf und werden im Rating-Prozess als wirtschaftliches Eigenkapital anerkannt. Allerdings erlangt der Financier keinen Gesellschafterstatus – ein wichtiges Argument aus Sicht des Eigentümerunternehmers. Nahezu alle Kreditinstitute haben seit 2005

standardisierte genussscheinbasierte Instrumente entwickelt.

Die ausführliche Diskussion dieser Instrumente mag allerdings ein wenig überraschen, denn tatsächlich ist ihr Einsatz im Mittelstand sehr gering. Vielmehr haben mittelständische Unternehmen das Instrument der Gewinnthesaurierung zur Erhöhung der mittlerweile verbesserten Eigenkapitalquoten genutzt. Eine Verbesserung der Bilanzrelationen kann ein Unternehmen erreichen, wenn die Vermögensseite der Bilanz entlastet wird. Das klassische und von einer Vielzahl der Unternehmen genutzte Instrument ist das Leasing. Hierbei werden Vermögensgegenstände nicht gekauft, sondern gemietet und tauchen damit in der Bilanz nicht direkt auf. Dies führt zu geringeren Finanzierungserforder nissen und kann damit zu einer Erhöhung der Eigenkapitalquote genutzt werden. Diese Mechanik macht man sich auch bei anderen Instrumenten zunutze. Im Factoring oder der so genannten ABSFinanzierung

(Asset Backed Security) w e r d e n Forderungen durch ein Unternehmen verkauft, und die Liquidität steht dem verkaufenden Unternehmen umgehend zur Verfügung.

Betrachtet man allerdings die betriebliche Realität, so ist auch in neueren empirischen Untersuchungen immer wieder festzustellen,

dass in mittelständischen Unternehmen nach wie vor Eigenkapital und einbehaltene Gewinne sowie Kredite die wesentlichen Finanzierungsquellen darstellen. Innovative Finanzierungsinstrumente finden heute und auch in der Zukunft nur bei einem geringen Teil der Unternehmen ihren Einsatz. Dies betrifft zum einen den so genannten gehobenen Mittelstand und die Unternehmen mit besonders herausragenden Wachstumschancen. Für die überwiegende Mehrheit der Unternehmen wird es immer stärker darum gehen, über Optimierungen in der betrieb lichen Struktur und über den Marktauftritt die Unternehmensergebnisse zu verbessern. Denn in Zukunft werden der Zugang und die Konditionen der Finanzierungsmittel immer stärker an der Bonität und der Professionalität des Managements gemessen. Hier gilt der Satz: „Wem es schlecht geht, der lebt teuer!“