Rückkehr in den Beruf – Familienfreundlichkeit als Standortfaktor

© Laura Herale
Text von: redaktion

Am 11. Juni 2014 eröffnete Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt im Kreise von über 120 Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Institutionen und Interessierten die Koordinierungsstelle Frauen & Wirtschaft im Landkreis Northeim. In den Räumlichkeiten der Kreis-Sparkasse Northeim drehte sich dabei alles um die Themen Frauenerwerbstätigkeit und Familienfreundlichkeit als Standortfaktor im Wettbewerb der Regionen.

„Wenn es den Menschen gut geht, geht es uns auch gut“ so begrüßte Sparkassendirektor Guido Mönnecke die Gäste zur Eröffnungsfeier der Koordinierungsstelle Frauen & Wirtschaft im Landkreis Northeim am Mittwoch, 11.Juni 2014. „Dann können sich die Menschen mit unserer Hilfe Lebensträume erfüllen“, so Mönnecke weiter „deshalb kooperieren wir gern mit der Koordinierungsstelle, die sich als Bindeglied zwischen Wirtschaft, Weiterbildungseinrichtungen und Arbeit suchenden Frauen versteht.“

Die niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung Cornelia Rundt (SPD) leitete schließlich den feierlichen Auftakt ein. Sie begrüßte die Schaffung der Koordinierungsstelle als eine wichtige und notwendige Einrichtung, um Frauen den Weg nach einer Familienpause wieder zurück in den Beruf zu ermöglichen und dabei dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Die Koordinierungsstelle unterstützt Berufsrückkehrerinnen und ist Dienstleister für Unternehmen. „Insbesondere die Bereiche Gesundheit und Pflege müssen attraktiver werden, flexible Arbeitszeiten, Gewährleistung von Kinderbetreuung, gute Infrastruktur- dies sind immer noch unsere Themen“ sagte Rundt.

Das Niedersächsische Sozialministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung unterstützt seit 1991 insgesamt 23 Koordinierungsstellen. Die Ministerin sprach dabei außerdem die Gleichstellungsproblematik an. „ Im Durchschnitt ist das Einkommen von Frauen bei gleicher Qualifikation um ca. 22 Prozent niedriger als bei Männern.“ so Rundt weiter. Nach Darstellung der Ministerin wirkt sich die schlechtere Bezahlung besonders auf die Altersversorgung aus. Kritik übte sie an Minijobs. „Minjobs sollten mit Ausnahme für Rentner und Studenten abgeschafft werden“ forderte die Ministerin. Sogenannte Minijobs seien eine Falle, da sie ganz sicher in die Altersarmut führen und nur wenige Frauen es schaffen, aus den Minijobs heraus in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit zu kommen.

Standortfaktor Familienfreundlichkeit

Landrat Michael Wickmann schloss sich mit seiner Rede an und betonte die Wichtigkeit einer Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft für den Landkreis: „Ich befürworte diese Einrichtung ausdrücklich, da sie einen wichtigen Beitrag zur beruflichen Integration von Frauen, aber auch Männern, nach einer Phase der Berufsunterbrechung leistet!“ In Kooperation mit der Wirtschaftsförderung und den Unternehmen gibt die Koordinierungsstelle wichtige Impulse für die Teilhabe am Arbeitsmarkt.

Eine familienfreundliche Infrastruktur trägt dazu bei, die Region attraktiver zu gestalten. Familienfreundlichkeit als weicher Standortfaktor wird ein wichtiges Thema der Koordinierungsstelle Northeim sein. Dazu soll zum Ende des Jahres ein überbetrieblicher Unternehmensverbund gegründet werden. Bisher sind über 1200 Betriebe in Niedersachsen Unternehmensnetzwerk der Koordinierungsstellen verbunden.

Jörg Lahner von der HAWK Fachhochschule Göttingen geht auf den demografischen Wandel in der Region ein und appellierte in seinem Impulsvortrag „wer als Region zu spät reagiert, den bestraft der Fachkräftemangel!“ Aus seiner Sicht sei Familienfreundlichkeit inzwischen zu einer strategischen Größe geworden und bringt Imagegewinn für die Unternehmen. „Eine attraktive Region braucht attraktive Unternehmen, attraktive Unternehmen eine attraktive Region.“ Als Wissenschaftler, der selbst schon einmal als Vater Elternzeit genommen hat, griff er in seinem Vortrag Themen wie Binnenwanderung und Bevölkerungsentwicklung auf. Er wies darauf hin, dass die Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten wird.

Koordinierungsstellen in der Praxis

In einer von Silke Inselmann moderierten Gesprächsrunde berichteten Ina Langanke und Brigitte Harder von den Koordinierungsstellen Göttingen und Goslar über ihre Praxiserfahrungen. So bescheinigte Ina Langanke eine große Aufgeschlossenheit seitens der Unternehmen, aber auch gleichzeitig eine gewisse Verhaltensstarre. Frauenförderung sei nach wie vor notwendig, weil vor allem Frauen nach wie vor die Familienarbeit leisteten. Die Beratungs- und Qualifizierungsangebote stehen aber auch Männern nach der Familienphase offen. „Wir beginnen nicht bei null, Beratung, Fortbildungen und Informationsveranstaltungen finden bereits statt, in Northeim, aber auch an anderen Orten im Landkreis, viele Betriebskontakte sind bereits angebahnt“, erläuterte Jutta Küchenmeister von der Koordinierungsstelle Northeim. „Ein überbetrieblicher Verbund wird Ende des Jahres gegründet. Ein Unternehmerinnen-Stammtisch wird auf Wunsch von engagierten Unternehmerinnen der Region angeboten“, ergänzt Projektmitarbeiterin Corinna Engelke.

Die Northeimer Koordinierungsstelle hat zum 01.01.2014 ihre Arbeit unter Trägerschaft der Werk-statt-Schule Northeim e. V. aufgenommen. Diese Trägerschaft ist entstanden, da die Werk-statt-Schule bereits seit 1994 im Bereich Frauen und Beruf tätig ist und über ein entsprechendes Know-How verfügt. Darüber hinaus soll auf bestehende Netzwerke zurückgegriffen und Synergien genutzt werden. Zum Aufgabengebiet gehören unter anderem die kostenlose und neutrale Beratung von Wiedereinsteigern, die Berufswegeplanung, Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, Bewerbungscoachings und vieles mehr. Desweitern hält die Koordinierungsstelle Angebote für kleinere und mittlere Unternehmen bereit. Besetzt ist sie mit den Mitarbeiterinnen Barbara Tausch, Jutta Küchenmeister, Corinna Engelke und Doris Wesemann.