Rolf-Sammet-Gastprofessur für Helmut Grubmüller

© Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie
Text von: redaktion

Helmut Grubmüller, Leiter der Abteilung 'Theoretische und Computergestützte Biophysik' am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, wird mit der diesjährigen Rolf-Sammet-Gastprofessur an der Goethe-Universität Frankfurt ausgezeichnet.

Die Hochschule und der Rolf Sammet-Fonds der Aventis Foundation ehren Grubmüller damit für seine Forschungsarbeiten über die Funktion biologischer Moleküle. Der Preis wird dem Biophysiker am 7. Mai 2013 in der Goethe-Universität Frankfurt im Rahmen einer Festveranstaltung verliehen.
Hoch spezialisierte Proteine verrichten und steuern als molekulare Nanomaschinen praktisch alle Prozesse in den Zellen unseres Körpers. Sie transportieren zelluläre Fracht, wandeln Energie um oder sorgen für Wachstum und Bewegung.
„Durch die Anwendung biophysikalischer Methoden lernen wir etwas darüber, wie Proteine ihre Aufgaben erfüllen und wie Krankheiten entstehen, falls diese nicht mehr richtig funktionieren oder sich falsch zusammenlagern“, erklärt Preisträger Helmut Grubmüller.
Um aufzuklären, wie diese nanotechnischen Wunderwerke ihre Arbeiten verrichten, setzt Grubmüller erfolgreich Computersimulationen ein. Mithilfe moderner Höchstleistungsparallelcomputer und ausgeklügelter numerischer Verfahren gelang es ihm und seinem Team in enger Zusammenarbeit mit experimentellen Gruppen, die Funktionsweise verschiedenster Proteine zu entschlüsseln.
So konnte das Team um Grubmüller beispielsweise die ATP-Synthase, den ‚kleinsten Motor der Welt‘, erstmals quasi bei der Arbeit beobachten.
In den Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien, produziert dieser nur 20 millionstel Millimeter große Proteinkomplex das Energiespeichermolekül ATP.
Vergleichbar ist die Funktionsweise der ATP-Synthase mit der eines Ottomotors: Hier wie dort gibt es antreibende Kraftstöße, eine sich drehende ‚Kurbelwelle‘ und sich bewegende ‚Zylinder‘.
In puncto Wirkungsgrad ist die ATP-Synthase dem Ottomotor sogar deutlich überlegen: Während dieser nur einen Bruchteil der thermodynamisch möglichen Leistung erzielt, schafft die ATP-Synthase nahezu 100 Prozent.
Wie diese Energieübertragung im Detail funktioniert, konnte Grubmüller durch Computersimulationen aufklären.
Nach Fritz Peter Schäfer (1989) und Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen (1998) ist Helmut Grubmüller der dritte Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie, der mit der Rolf-Sammet-Gastprofessur ausgezeichnet wird.

Über die Rolf-Sammet-Gastprofessur
Die Rolf-Sammet-Gastprofessur wird seit 1985 jährlich vom Rolf Sammet-Fonds der Frankfurter Aventis Foundation in Zusammenarbeit mit der Goethe-Universität in Frankfurt vergeben. Im Rahmen der Stiftungsprofessur wird ein international renommierter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Chemie/Biochemie nach Frankfurt eingeladen, um sein Forschungsgebiet und seine aktuellen Arbeiten vorzustellen.
Die Professur umfasst neben Vorlesungen und Seminaren auch öffentliche Vorträge an der Universität Frankfurt. Unter den bisherigen 27 Rolf-Sammet-Gastprofessoren befinden sich zehn Nobelpreisträger. Die Professur ist nach dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Hoechst AG, Rolf Sammet, benannt.