Risikofaktor Bluthochdruck und Stress

Text von: Rita Wilp, redaktion

Gesunde Lebensweise, Sport und gute Ernährung können die Gefahr einer Herz-Kreislauferkrankung minimieren.

Bei hohem Blutdruck steigt das Risiko, an einer Gefäßerkrankung zu leiden und damit auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

In Deutschland leiden rund 18 Millionen Menschen an zu hohem Blutdruck. Patienten, die rauchen, einen hohen Cholesterinspiegel haben, übergewichtig sind, sich ungesund ernähren und wenig Sport treiben haben ein bis zu 20-fach höheres Risiko, dass ihre Gefäße krank werden. In den Industrienationen kommt auch anhaltender Stress hinzu.

„In den Blutgefäßen entsteht der Bluthochdruck. Organe wie Herz, Niere und Nerven können durch zu hohen Blutdruck bleibend geschädigt werden. Wird der Bluthochdruckmechanismus in den Blutgefäßen nicht unterbrochen, entstehen Ablagerungen, die so genannte Arteriosklerose. Die Blutgefäße werden steif und verengen sich“, erklärt Egbert Schulz, Vorstandsvorsitzender des Blutdruckinstitutes Göttingen und Präventionsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Göttingen.

Doch damit sei ein Teufelskreis eingeleitet, denn die Blutdruckbelastung steigt immer weiter. Ein erhöhter Blutdruck tut nicht weh, deshalb nehmen viele Risikopatienten ihn nicht wahr. Er wird häufig erst erkannt, wenn die Gefäße bereits geschädigt sind und erste Anzeichen einer Herz-Kreislauferkrankung spürbar werden. Der Weg zum Herzinfarkt kann dadurch vorgezeichnet sein.

Bluthochdruck beginnt unbemerkt bei einigen bereits ab dem 30. Lebensjahr oder sogar schon im Kindesalter. Insbesondere Ausdauersport hilft, dem Bluthochdruck vorzubeugen und eine Tablettenbehandlung zu unterstützen. Übergewicht und zu wenig Bewegung sind mitverantwortlich für die steigende Zahl an Bluthochdruck und an Diabetes erkrankten Menschen.

Um den Bluthochdruck früh und konsequent behandeln zu können, ist es wichtig: den Bluthochdruck rechtzeitig zu erkennen das Rauchen aufzugeben sich fettarm und nährstoffreich zu ernähren Ausdauersport zu betreiben das Gewicht zu reduzieren eine angemessene und individuelle Medikamententherapie zu beginnen, die sich nach der Schwere des Bluthochdrucks, Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herzschwäche und Verträglichkeit richtet.

Auch die Seele kann das Herz krank machen

Neben Bluthochdruck können auch andere Komponenten zu Erkrankungen des Herzens führen. Dabei spielt die mentale Verfassung eine wichtige Rolle: Denn auch die Seele kann das Herz krank machen. Stress – Burnout – Herzinfarkt: Wenn die Seele das Herz krank macht Menschen mit hoher Arbeitsbelastung und wenig Schlaf sind stärker gefährdet, einen Herzinfarkt zu bekommen als andere. Das haben japanische Forscher in einer Studie mit 260 Männern im Alter zwischen 40 und 79 Jahren festgestellt. Demnach begünstigen eine 60-Stunden-Woche und weniger als fünf Stunden Schlaf an zwei Tagen pro Woche das Risiko eines Herzinfarktes drastisch.

„„Es ist wichtig, die frühen Stadien einer Überbelastung zu erkennen und entsprechend zu behandeln, bevor es zu einem Herz infarkt kommt“, sagt Frank-Gerald B. Pajonk, Chefarzt der Privat-Nerven-Klinik Dr. med. Kurt Fontheim in Liebenburg.

Vor allem in der Zeit der Wirtschaftskrisen seien immer häufiger Patienten aus dem Banken- und Versicherungsbereich in die Klinik gekommen, um Hilfe zu erhalten. Üblicherweise stehe zuviel Stress und anschließend das so genannte Burnout-Syndrom vor nachfolgenden Erkrankungen wie Herzinfarkt, Magen-Darm- oder Atemwegskrankheiten.

Häufig entwickelt sich nach dem Burnout-Syndrom auch eine Depression, die wiederum das Risiko eines Herzinfarktes um das fünffache erhöhen kann. Die ersten Anzeichen eines Burnout-Syndroms können sein: Wer über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten schlecht schläft, vielfach abends arbeitet und den Eindruck hat, er könne immer noch mehr tun und werde trotzdem nie wirklich fertig, der sollte seine Antennen Richtung Burnout auf Empfang stellen.

Um ein Burnout-Syndrom zu diagnostizieren, gibt es u.a. einen 1981 entwickelten Fragebogen mit 22 Punkten zur Selbstbeurteilung. Dieses so genannte Maslach Burnout Inventar (MBI) fragt unter anderem die emotionale Erschöpfung wie „am Ende des Arbeitstages fühle ich mich erledigt“ oder „seit ich diese Arbeit mache, bin ich gleichgültiger gegenüber Anderen geworden“.

Häufig entwickelt sich aus dem Burnout-Syndrom eine Depression, die einen erheblichen Einfluss auf die Prognose einer Herz-Kreislauferkrankung haben und schließlich zum Herzinfarkt führen kann. So haben Studien zum Beispiel gezeigt, dass Menschen, die sich einer Bypass-Operation (verengte oder verstopfte Herzkranzgefäße werden operativ durch eine Umleitung überbrückt) unterziehen mussten und zusätzlich an einer Depression litten, innerhalb eines Jahres häufiger wieder am Herzen erkrankten als Patienten ohne Depression.

Ein erster Schritt, um einem Burnout-Syndrom, einer Depression und anschließender Herzerkrankung vorzubeugen ist die Erkenntnis: „Es wird mir alles zuviel!“ statt „Ich schaffe das schon!“. Auch die Akzeptanz, dass man als Unternehmer und Unternehmerin Grenzen in der Leistungsfähigkeit haben kann, sollte steigen.

„Ein Unternehmen kann nur gesund sein, wenn es gesunde Mitarbeiter hat. Dafür braucht es eine Wahrnehmung für die Vorstufen von tatsächlicher körperlicher Erkrankung. Eine Herzerkrankung oder ein Herzinfarkt stehen am Ende einer langen Liste von Symptomen, die – frühzeitig erkannt und behandelt – schnell für eine Gesundung des Menschen sorgen können“, erklärt Frank-Gerald B. Pajonk.

Frauenherzen leiden anders

Das gilt besonders auch für Frauen, denn Frauenherzen sind auf spezielle Weise von Herzerkrankungen betroffen. Viele Jahrzehnte galt der Herzinfarkt als typische Männererkrankung. Forschung und Therapie richteten sich daher konsequenterweise am Bild des berufstätigen Mannes aus. Tatsächlich ist das Infarktrisiko bei Männern, insbesondere in den so genannten „besten Jahren“ deutlich höher als bei Frauen. Doch das Bild hat sich gewandelt.

Frauen erkranken durchschnittlich etwa zehn Jahre später an der koronaren Herzerkrankung, und mit dem 85. Lebensjahr haben sie die Männer schließlich eingeholt. Da mehr Frauen im höheren Alter leben als Männer, sterben tatsächlich jedes Jahr absolut mehr Frauen an einem Herzinfarkt als Männer. Statistisch gesehen wird jede zweite Frau, die jetzt über 50 Jahre alt ist, einmal an einer Herz-Kreislauferkrankung sterben.

„Ein großes Problem der herzkranken Patientinnen liegt darin, dass ihre Erkrankung häufig nicht rechtzeitig erkannt wird“, sagt Barbara Bialucha-Nebel, Oberärztin in der Kirchberg-Klinik in Bad Lauterberg. Weder Ärzte noch Rettungssanitäter oder die Frauen selbst seien sich Auswirkungen der Koronaren Herzkrankheit (Erkrankung vor dem Infarkt) bei Patientinnen mit Brustschmerzen bewusst. So erfolgt oft zunächst eine orthopädisch oder psychosomatisch orientierte Therapie.

Auch klagen die betroffenen Frauen häufiger als Männer mit Herzkrankheit über Übelkeit, Luftnot und Leistungsabfall als Symptome ihrer Herzerkrankung, so dass nicht gleich die Alarmglocken schrillen. Im akuten Infarkt dauert es bei Frauen im Durchschnitt eine halbe Stunde länger, bis sie den Rettungsdienst rufen! Dabei zählt beim Herzinfarkt, bei dem sich eine Herzkranzarterie verschließt, jede Minute. Denn je schneller das verschlossene Gefäß wieder geöffnet werden kann, umso höher sind die Überlebenschancen, und umso geringer können die Schädigungen am Herzmuskel sein.

Pilotprojekt für spezielle Schulung

Selbst beim medizinischen Personal liegt der Gedanke an einen Herzinfarkt oder drohenden Schlaganfall bei Frauen meist fern. Um das zu ändern, hat die Kirchberg-Klinik die Initiative ergriffen und schult auch in der Rehabilitation nach einem Herzinfarkt die Frauen in Kursen, die besonders an weibliche Bedürfnisse angepasst sind. Zusammen mit dem Frauengesundheitszentrum Göttingen hat Barbara Bialucha-Nebel ein vorbeugendes Schulungsprogramm für ÄrztInnen und für PatientInen erarbeitet, das vom Niedersächsischen Gesundheitsministerium als Pilotprojekt gefördert wird.

„Vor allem Ärztinnen sollen in diesem Programm dafür sensibilisiert werden, die Herzerkrankungen bei Frauen zu erkennen und damit effektiver behandeln zu können. Gleichzeitig setzt das Pilotprojekt darauf, dass die Ärztinnen dieses Wissen in Abendveranstaltungen unter dem Titel Herzkontakt an ihre Patientinnen weitergeben,“ sagt Barbara Bialucha-Nebel.

Zu den Frühwarnzeichen eines Herzinfarktes gehören geringe körperliche Belastbarkeit, unregelmäßiger Herzschlag, plötzliches Herzrasen, Engegefühl und Schmerzen im Brustkorb, Blässe und kalter Schweiß sowie Bewusstlosigkeit oder ein Schwächeanfall. Bei Frauen können speziell noch weitere Symptome hinzukommen wie zum Beispiel: Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im Rücken, Nacken, Kiefer und Hals, ziehende Schmerzen zwischen den Schulterblättern, Kurzatmigkeit und ungewöhnliche Müdigkeit sowie Schwindel.

Typisch für viele betroffene Frauen ist auch, dass sie sich vor dem akuten Ereignis oft über mehrere Tage nicht mehr leistungsfähig fühlen. „Wichtig ist, bei der Behandlung von Patienten und Patientinnen in der Kardiologie die vielen Gemeinsamkeiten und auch die bedeutsamen Unterschiede in körperlicher und seelischer Rekonvaleszenz zu beachten“, sagt Barbara Bialucha-Nebel. Wenn man das berücksichtige, nütze es sowohl weiblichen als auch männlichen Patienten für eine schnelle Genesung.