Richtig kommunizieren

© Michael Ndarurinze
Text von: Marisa Müller

Über den Nutzen und die Notwendigkeit von Mitarbeiterzeitungen – und wie man zu einem guten Ergebnis kommt.

Unternehmen müssen investieren – nicht nur in neue Anlagen und Büroausstattung, sondern in das wichtigste Gut, das sie haben: ihre Mitarbeiter. Und aus diesem Grund hat die Unternehmenskommunikation eine besonders hohe Bedeutung. Ein geeignetes Mittel ist die Mitarbeiterzeitschrift. Im 19. Jahrhundert als Werkszeitschrift etabliert, nutzen heute laut Branchenverband Deutsche Gesellschaft für Public Relations e.V. (DPRG) deutschlandweit rund 2.000 Unternehmen dieses Medium.

©Fotolia: tai111

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Eine Mitarbeiterzeitschrift aufs Papier zu bringen, erfordert nicht nur jede Menge Arbeit, sondern zunächst müssen zahlreiche Fragen geklärt werden: nicht zuletzt, ob ein solches Medium überhaupt nötig ist. Fällt die Entscheidung pro Mitarbeiterzeitschrift aus, gilt es eine Budgetplanung zu erstellen, die grundsätzliche Aussage des Mediums zu formulieren und sich prinzipiell Gedanken über die Erstellung der Zeitschrift zu machen.

Welches Alleinstellungsmerkmal hat diese gegenüber digitalen Medien, beispielsweise dem Intranet? Ist die Aufgabe allein zu bewältigen, oder braucht es externe Hilfe? Wie wichtig Corporate Publishing ist – die journalistische und periodische Unternehmenskommunikation mit eigenen Medien –, wie es aussehen kann und welche Möglichkeiten sich bieten, zeigt ein Blick auf regionale Mitarbeitermagazine.

„Information, Mitarbeiterbindung und Identifikation mit dem Unternehmen – das sind wohl die wichtigsten Zielsetzungen einer Mitarbeiterzeitung“, erklärt Barbara Fuisting, verantwortlich für Leitung Weiterbildung, Organisation und Recht bei der Firma Mahr. „Global aufgestellte Unternehmen müssen dabei ihre Inhalte an alle Mitarbeiter weltweit adressieren und diese ins Geschehen einbinden, genauso funktioniert ein guter Austausch.“ Der Göttinger Hersteller für Fertigungstechnik hat die Notwendigkeit des Mediums längst erkannt und versorgt aktuell international insgesamt 1.700 Mitarbeiter auf diesem Wege mit den neuesten Informationen. Mahr gibt dazu ein zweisprachiges Exemplar in Deutsch und Englisch heraus. Außerdem wird ins Tschechische und Chinesische übersetzt. Eine Herausforderung – aber auch Notwendigkeit –, vor der viele südniedersächsische Unternehmen stehen, die global aufgestellt sind.

Die Mitarbeiterzeitschrift gilt übrigens als die Königin der Informationsquelle. Inhalte können wertig verpackt werden, und der kontinuierliche Informationsfluss gibt den Angestellten Sicherheit, indem sie über die wichtigen Entwicklungen in ihrer Firma informiert sind. Meistens erhalten diese das eigene Exemplar in der Firma. Es lohnt sich jedoch, die Direktlieferung nach Hause zu erwägen. Das Versenden bietet nämlich einen gewaltigen Vorteil gegenüber allen anderen Medien. „In häuslicher Atmosphäre bleibt mehr Zeit zum Blättern und intensiven Lesen als in der Firma zwischendurch. Außerdem zeigt sie dem Mitarbeiter eine zusätzliche Wertschätzung. Onlinebasierte Medien können hier nicht mithalten“, sagt Michael Ndarurinze. Der Grafiker ist Art Director beim faktor und durch seine Arbeit mit diversen Mitarbeiterzeitschriften vertraut. Mit seiner Meinung steht er nicht allein dar. Inzwischen verteilt ca. jedes vierte Unternehmen, das eine Mitarbeiterzeitschrift herausgibt, diese per Post, so eine aktuelle Studie. Die meisten Unternehmen geben zwischen einer und vier Zeitschriften jährlich heraus; eine Richtlinie zur optimalen Erscheinungsanzahl gibt es nicht. „Wichtig ist vor allem die Kontinuität und Qualität“, sagt Ndarurinze. Hinsichtlich des Inhaltes scheint das Thema klar umrissen. „Der Mitarbeiter sollte im Fokus dieser Zeitschrift stehen“, sagt Barbara Fuisting von Mahr. Informationen rund um das Unternehmen und auflockernde Elemente sollten sich dabei abwechseln. „Leider existieren nicht nur absolute Top-Produkte, es gibt auch schlechte Exemplare mit langweiligen und drögen Inhalten, die nicht klar Stellung beziehen. Weder das Unternehmen noch die Angestellten brauchen das“, so Ndarurinze. „Offene und glaubwürdige Texte kommen besser an als starre Unternehmensnews – die Mischung muss stimmen.“ Das Gleiche gilt auch für die Kommunikationskanäle allgemein, denn die Mitarbeiterzeitung ist meist nicht das einzige Medium, das Unternehmen für ihre Informationspolitik nutzen. Multimediale Lösungen bieten sich für Firmen mit mehr als 250 Mitarbeitern an. Bei 1.000 und mehr Mitarbeitern ist die dazugehörige Zeitschrift hingegen schon fast obligatorisch.

Ob die Mitarbeiterzeitschrift hier tatsächliche Konkurrenten hat oder nicht, lässt sich schwer sagen. Hauptsächlich lassen sich friedliche Koexistenzen der verschiedenen Medien ausmachen. Das Intranet eignet sich besonders, um kurzfristig Neuigkeiten zu verbreiten. Die Kosten sind niedrig und Verknüpfungsmöglichkeiten vorhanden. Die Zeitschriften kompensieren allerdings all das, was multimediale Kanäle nicht vermögen: „Nachhaltige Wirkung erzielen wir durch die Printausgabe. Darauf wollen wir auch nicht verzichten, obwohl es Alternativen gäbe. Wir ziehen diese aber nicht in Betracht, weil immer etwas fehlen würde“, sagt Sycor-Marketingleiter Sven Frenzel.

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