Resilienz – Zukunftstrend oder Zauberwort?

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Text von: redaktion

Coach Heidrun Hoffmann-Taufall über Krisenfestigkeit und Bewältigungskompetenz in Unternehmen

Kennen Sie Stehaufmännchen?

Die Bezeichnung einer Figur, die sich selbst immer wieder in eine aufgerichtete Lage bringen kann, wird als Metapher für Menschen gebraucht, die trotz widriger Außeneinflüsse und psychisch wirkendem Druck aus Krisen gestärkt hervorgehen – die Fähigkeit der Resilienz.

Im beruflichen Umfeld sorgen häufige Arbeitsunterbrechungen, hoher Zeitdruck, Informationsflut und -intensität, mangelnde Wertschätzung dafür, dass jeder vierte Beschäftigte häufig oder ständig unter Stress und Erschöpfung leidet (forsa-Umfrage der TK).

Es wird nach wirkungsvollen Interventionen gesucht, die dem entgegenwirken und Gesundheit und psychische Stabilität langfristig erhalten.

Die Forschung der Resilienzfähigkeit begann in den 1950er Jahren auf der Hawaii-Insel Kauai mit einer Studie, die Langzeitfolgen und Auswirkungen ungünstiger Lebensbedingungen erfasst hat.

Trotz erheblicher Risikofaktoren wie wirtschaftlicher Not, Missbrauch, psychischer oder Abhängigkeitserkrankungen der Eltern zeigten ein Drittel der Personen der Risikogruppe nach 40 Jahren weder Gesundheitsprobleme noch soziale Auffälligkeiten.

Man suchte nach den Faktoren, die zu einer gesunden Entwicklung dieser Menschen beitrugen. Der aktuelle Forschungsstand besagt, die Widerstandsfähigkeit eines Menschen kann nicht auf einzelne Faktoren zurückgeführt werden und ist auch keine unveränderbare feste, messbare Eigenschaft.

Resilienz lässt sich in der Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umgebung entwickeln und ist das Ergebnis des Umgangs mit eigenen und angebotenen Ressourcen.

Sechs Faktoren

Es wurden sechs Faktoren zum Erreichen von innerer Widerstandskraft und Stärke identifiziert, die es zu verstärken gilt:

  1. Eine stimmige und annähernd übereinstimmende Selbst- und Fremdwahrnehmung hilft dabei, eigene Stärken und Schwächen einzuschätzen. Rückmeldungen einzufordern und diese gewinnbringend für die Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen ist eine Aufgabe, der sich besonders Führungskräfte stellen sollten.
  2. In sozialen Beziehungen entstehen Emotionen und angespannte Zustände. Sich dieser bewusst zu werden, zu ihnen zu stehen und sie nicht zu verleugnen, um mit ihnen situationsangemessen und stimmig umzugehen, weist auf die Kompetenz der Selbststeuerung hin.
  3. Soziale Kompetenz zeigt sich in der Fähigkeit, Kontakte aufzubauen und Beziehungen befriedigend zu leben, sich empathisch in Andere hinein zu begeben, Konflikte konstruktiv zu lösen und Unterstützung im Bedarfsfall zu mobilisieren.
  4. Menschen, die aus der Opferrolle heraustreten und sich als Gestalter ihres Lebens empfinden, übernehmen Verantwortung und haben die Überzeugung eigener Selbstwirksamkeit. So behalten sie das Gefühl der Kontrolle über die Situation und können anstehende Anforderungen bewältigen.
  5. Im Umgang mit Stress sollen vorhandene Kompetenzen danach untersucht werden, ob sie zur Bewältigung der Krise ausreichen. Das Wissen und Eingestehen eigener Grenzen ist eine Voraussetzung, um eine für die Situation adäquate Unterstützung einzuholen.
  6. Der erste Schritt beim Problemlösen ist die Bewertung der herausfordernden, kritischen Situation: Wie stark ist die Bedrohung, der drohende Schaden oder der Verlust, um mit einer akzeptierenden Grundhaltung der Situation nach Handlungsmöglichkeiten zu suchen.

Fazit

Krisenfestigkeit und Bewältigungskompetenz kann jeder trainieren. Jedoch reicht ein ausschließlicher Rückgriff auf die Ressourcen der Mitarbeiter und Führungskräfte nicht aus, um Gesundheit, Zufriedenheit und den langfristigen Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu bewirken.

Am wirksamsten erweist sich ein Zusammenspiel, bei dem sowohl das personenbezogene Instrument des Resilienzcoaching eingesetzt wird als auch an den verhältnisbezogenen Bedingungen gearbeitet wird – z.B. der Anpassung von Arbeitsanforderungen und Leistungsvermögen insbesondere Älterer, der Arbeitszeitgestaltung etc.

Der Einsatz dieses Hybridmodells wird ein resilientes Unternehmen hervorbringen, das den gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen gewachsen sein wird.