Rendevouz mit einem Riesenbrocken

© ESA/AOES Medialab/MPS
Text von: redaktion

Das Kamerasystem OSIRIS bereitet die Raumsonde Rosetta auf ihre Begegnung mit dem Asteroiden Lutetia vor. Aufnahmen dieses einzigartigen Ereignisses liefert das Kamerasystem OSIRIS an Bord, das unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) entwickelt und gebaut wurde.

Auf eine besondere Begegnung steuert die ESA-Raumsonde Rosetta am Samstag, 10. Juli, gegen 18 Uhr zu. Nur etwa 3000 Kilometer werden die Raumsonde dann von dem Asteroiden Lutetia trennen.

Mit einem Durchmesser von etwa 100 Kilometern ist Lutetia bei Weitem der größte Asteroid, den je eine Weltraummission besucht hat. Ob der riesige kosmische Gesteinsbrocken tatsächlich an seiner nördlichen Seite einen tiefen Krater aufweist, werden in der Nacht des 10. Juli die Bilder des Kamerasystems OSIRIS zeigen.

Das Hochpräzisionsinstrument, das aus einer Tele- und einer Weitwinkelkamera besteht, wird von der Raumsonde Rosetta aus den Asteroiden genau ins Visier nehmen. Wissenschaftler am MPS werden die so gewonnen Rohdaten schon in derselben Nacht auswerten – und voraussichtlich gegen 23 Uhr erste Bilder vorlegen.

Schon jetzt steht fest, dass Lutetia ein Riesenbrocken ist. Während der Asteroid Steins, an dem Rosetta im September 2008 vorbeiflog, nur etwa fünf Kilometer im Durchmesser maß, erstreckt sich Lutetia in einer Richtung über mehr als 100 Kilometer.

Forscher vermuten deshalb, dass der Asteroid in den 4,6 Milliarden Jahren seit seiner Entstehung nur wenige größere Zusammenstöße mit anderen Himmelskörpern erlebt hat und somit noch weitestgehend unverändert ist. Aufnahmen von Lutetia erlauben so einen Blick zurück in die Zeit, als unser Sonnensystem noch jung war.

In den Tagen nach dem Vorbeiflug werden die Wissenschaftler am MPS die Bilder des Asteroiden genauer auswerten. Anhand den Farben erhalten sie beispielsweise Hinweise darauf, aus welchem Material seine Oberfläche besteht.

Während des Vorbeiflugs werden auch das Staubmessgerät COSIMA (Cometary Secondary Ion Mass Analyzer), das Massenspektrometer ROSINA (Rosetta Spectrometer for Ion and Neutral Analysis) und der Gasanalysator COSAC (Cometary Sampling and-Composition Experiment) den Asteroiden Lutetia aus unmittelbarer Nähe beobachten. An all diesen Instrumenten ist das MPS maßgeblich beteiligt; beim Staubmessgerät COSIMA leiten MPS-Forscher die wissenschaftlichen Aktivitäten.

Damit Rosettas Messgeräte am 10. Juli einen uneingeschränkten Blick auf Lutetia genießen können, berechnen Wissenschaftler der ESA schon jetzt die optimale Flugroute für die Raumsonde. Neben der Bordnavigation liefert dafür insbesondere das wissenschaftliche Kamerasystem OSIRIS wichtige Daten.

„Wegen seiner sehr hohen räumlichen Auflösung kann OSIRIS auch das Navigationssystem an Bord hervorragend unterstützen“, erklärt Holger Sierks vom MPS, Leiter des OSIRIS-Teams. Die Raumsonde Rosetta ist seit 2004 unterwegs zum Kometen Churyumov/Gerasimenko, auf dem die Landeeinheit Philae 2014 aufsetzen soll. Unterwegs steuert Rosetta dabei zwei wissenschaftliche Ziele an: Nach dem Asteroiden Steins, den die Mission im September 2008 passierte, ist nun der Asteroid Lutetia an der Reihe.