Raum für Wachstum und Ideen

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sebastian Günther

faktor porträtiert den Wirtschaftsstandort Landkreis Göttingen – wo Unternehmer nicht jammern, sondern Chancen nutzen.

Innovativ und wachstumsorientiert: Diese Attribute zeichnen viele Unternehmen im Landkreis Göttingen aus. Den nötigen Raum, um Ideen zu verwirklichen und Wachstum zu realisieren, bietet die Region an vielen Orten. Ein Beispiel liefert die Area 3.

Das mehr als 200.000 Quadratmeter große Gewerbegebiet an der Bundesstraße 3 gehört zu den Flecken Bovenden und Nörten-Hardenberg. Nachdem die Flächen jahrelang ungenutzt blieben, haben sich in diesem Jahr die ersten Unternehmen von den ausgezeichneten Standortfaktoren überzeugen lassen. Neben dem ersten Investor, der Nowak Palettiersysteme GmbH, wollen mit der Butec Büro für Umwelt- und Technologieberatung GmbH und der Ruhstrat GmbH zwei weitere Unternehmen aus der Region ihren Firmensitz in die Area 3 verlegen.

„Vor allem die eigenen Auf- und Abfahrten zur B 3 sowie die Nähe zu unserem jetzigen Standort in Lenglern haben uns überzeugt“, sagt Andreas Ruhstrat, Geschäftsführer der Ruhstrat GmbH, und führt weiter aus: „Es war mir wichtig, dass unsere Mitarbeiter nicht auf ein mal 50 Kilometer zur Arbeit fahren müssen.“ Das Wohl der Angestellten liegt Ruhstrat am Herzen, denn für ihn sind sie der entscheidende faktor für den Erfolg. So investiert der Chef auch gern in die Aus- und Weiterbildung, „Hier darf man nicht über Kosten reden! Dazu sind die erworbenen Fähigkeiten zu wichtig“, findet Andreas Ruhstrat.

Mit dieser Philosophie hat sich die Ruhstrat GmbH in einigen Geschäftszweigen inzwischen zu einem weltweit führenden Unternehmen entwickelt. Dies gilt vor allem für den Bau von Industrieöfen. „In diesem Bereich sind wir Technologieführer bei der Entwicklung von Anlagen zur Kohlefaserproduktion“, erklärt Ruhstrat. Der gute Ruf eilte bis nach China voraus. Dort arbeitet Ruhstrat aktuell an einem Regierungsprojekt zur Herstellung von Rotorblättern für Windkraftanlagen.

Um solche Projekte stemmen zu können, will sich Ruhstrat mit dem Umzug in die Area 3 vergrößern. Auf der Gesamtfläche von 50.000 Quadratmetern sollen für insgesamt 15 Millionen Euro Produktions- und Verwaltungsgebäude entstehen. Als Baubeginn ist Ende 2009 anvisiert, der Umzug soll Mitte 2010 beginnen.

Wann genau die Firma Butec in die Area 3 umzieht, steht dagegen noch nicht fest. „Wir warten noch auf die Zusage von Fördergeldern und auch die Baugenehmigung fehlt noch“, erklärt Thomas Pape, der gemeinsam mit dem zweiten Geschäftsführer Thorsten Heinze das Unternehmen leitet. Wenn die letzten Unklarheiten beseitigt sind, soll ein Grundstück erworben werden und Ende 2009 der Bau eines 500 Quadratmeter großen Gebäudes beginnen.

Der Grund für den Umzug ist klar definiert. „Wir wollen größer werden“, unterstreicht Pape und ergänzt: „Dieses Wachstum wollen wir, wie bisher, moderat gestalten.“ Momentan bietet Butec mit seinen zwölf Mitarbeitern Managementsysteme mit Schwerpunkten in den Bereichen Qualität, Umweltschutz und Arbeitssicherheit. Dabei entwickelt Butec seit mehr als 15 Jahren je nach Kunde und Branche individuelle Konzepte.

Der Dienstleister stellt zum Beispiel Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder sorgt dafür, dass Umweltschutzvorschriften eingehalten werden. Durch den Umzug soll das Angebot noch einmal erweitert werden. In Kooperation mit einem Fachanwalt für Steuerrecht sollen dann auch Dienstleistungen der Buchhaltung integriert werden. Kern des neuen Angebots bildet ein computergestütztes Rechnungsmanagement – laut Pape eine „echte Innovation“.

Neben neuen Entwicklungen im produzierenden Gewerbe oder im Dienstleistungssektor befindet sich auch der Tourismus im Landkreis Göttingen stetig in der Weiterentwicklung. Ein positives Beispiel ist der Campingplatz der Familie Lesser rund um das Erlebnisbad Dransfeld. Dieser zählt zu den zehn besten Plätzen in Deutschland und bietet auf verschieden ausgestatteten Stellflächen Platz für rund 1.500 Gäste.

Besonders attraktiv ist das Ferienziel wegen diverser Zusatzangebote. So stehen Animateure zur Kinderbetreuung, für Sportangebote und unterhaltsame Abend-Shows für die Urlauber bereit. „Ein weiteres Highlight ist unser Wellness-Bereich“, erzählt Jutta Lesser. Hier können die Gäste entspannen oder eine komplette Kur absolvieren. Für die Betreuung sorgt Jutta Lesser selbst.

„Unser Platz ist trotz der Größe familiär geblieben“, betont Bernd Lesser und ergänzt: „Hier kennt jeder die Chefs noch persönlich.“ Den hohen Einsatz der Lessers wissen die Gäste zu schätzen. Seit Jahren steigen die Besucherzahlen. Damit die Kurve auch in Zukunft nach oben zeigt, sind weitere Investitionen geplant.

„Wir wollen eine Erlebnisgastronomie errichten und im Wellness-Bereich weitere Massageräume sowie ein Bewegungsbad bauen“, erläutert Bernd Lesser. Außerdem sind jeweils zehn Ferienhäuser und Mobilheime sowie eine Pilgerhütte geplant. „Diese soll eine Station auf dem Pilgerweg Loccum – Volkenrode bilden“, erklärt Lesser die Idee hinter dem neuen Angebot.

Neue Ideen setzt auch Klaus Dieter Schallehn mit Freude um. „Zuletzt haben wir einen VW-Dieselmotor in ein Boot eingebaut“, erzählt der Inhaber von Tibus Boote in Rhumspringe. Anstelle der standardmäßigen V8-Maschine bringt jetzt ein 3-Liter-TDI, der sonst im VW-Phaeton oder Touareg zum Einsatz kommt, das Chaparral-Boot auf Touren. „Durch den Umbau ist das Boot leistungsstärker, sauberer und außerdem lebt der Motor länger“, erläutert Schallehn.

Damit setzt der Importeur von amerikanischen Booten eins zu eins seine Firmenphilosophie um: „Wir wollen den Kunden so viel wie möglich für ihr Geld bieten.“ Das Leistungsspektrum umfasst einen Reparaturservice in der eigenen Werkstatt, den Verkauf von Ausrüstung und Zubehör sowie die Finanzierung von Booten. Im Verkauf bietet Schallehn Motoren, Trailer sowie gebrauchte und Neuboote an. Dabei importiert er als einziger Händler im gesamten Bundesgebiet Boote der Marke Chaparral aus den USA.

Für den Absatz seiner Produkte sieht Schallehn den Standort in Rhumspringe als ideal an: „Wir haben hier erstklassige Voraussetzungen: In einem Zirkel von rund 300 Kilometern können uns mehr als 50 Prozent der Bundesbürger erreichen.“

Die zentrale Lage in der Mitte Deutschlands stellt für Unternehmen im Landkreis Göttingen ohnehin einen gewichtigen Standortfaktor dar. Dies gilt auch für die Ernst Benary Samenzucht GmbH in Hann. Münden. Als sich das 1843 in Erfurt gegründete Unternehmen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Südniedersachsen ansiedelte, spielte vor allem das Klima eine Rolle.

Mit idealen Voraussetzungen für die Pflanzenzucht spezialisierte sich das Unternehmen vor allem auf die Züchtung von Zierpflanzen. „In diesem Bereich gilt es, den Kunden immer wieder Neues zu präsentieren“, verrät Geschäftsführer Matthias Redlefsen, der das Familienunternehmen in der sechsten Generation leitet.

Um die Erwerbsgärtner immer wieder mit neuen, exotischen Pflanzen versorgen zu können, bildet bei Benary die Forschung und Entwicklung einen Schwerpunkt. Fünf Züchterteams arbeiten ständig daran, neue Sorten zu kreieren. Dabei müssen die Forscher viel Geduld mitbringen, wie Geschäftsführer Nick ten Pas bestätigt: „Bis zu acht Jahre dauert die Züchtung eines neuen Produkts.“

Doch die Arbeit lohnt sich. Mit dem Know-how und den jährlich rund 30 bis 60 Neuheiten zählt Benary zu den führenden Anbietern der Branche – und das weltweit. Die Produkte werden in 110 Länder exportiert. So steht Benary für eine Reihe von Unternehmen, die in und um Göttingen internationale Erfolgsgeschichten schreiben.

Mit ausgezeichneten Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet der Landkreis in der Mitte Deutschlands trotz aller Schwierigkeiten und Probleme ideale Voraussetzungen, um diese Erfolgsgeschichten in Zukunft fortzusetzen und weitere Kapitel hinzuzufügen. Dabei gilt es, Chancen zu erkennen und zu nutzen.