Raum für Kreativität

DesignPreis - Gewinner 2015
Text von: redaktion

Neu gestarteter Göttinger DesignPreis soll Gefühl für Design in der Region schärfen.

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Knapp hinter dem Sieger reihte sich der Entwurf ,antiThese’ von Carla Enchelmaier ein. Für die Industriedesign-­Studentin an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ist der Stuhl bereits mehr als ein Entwurf: „Er existiert schon als Prototyp, denn ich wollte unbedingt wissen, ob der Stuhl wirklich funktioniert.“ Ihr Vater hatte die gebürtige Göttingerin auf den DesignPreis 15 aufmerksam gemacht. „Solche Gelegenheiten sind wunderbar, um eine Idee in die Welt zu tragen“, sagt die Studentin. Die Teilnahme könne außerdem ein wichtiger Schritt sein, damit der Stuhl vielleicht irgendwann tatsächlich produziert werde. Die Jury bewertete das Objekt sehr positiv. In der Begründung heißt es: „Er bricht zwar keine Sehgewohnheiten, interpretiert diese aber durch die Kombination aus Stahlblech und Formholz sowie durch die Falttechnik der Stuhlbeine neu.“

Drittplatzierter ist der Stuhl der Göttinger Architekten Brune + Brune. „Der Entwurf ist intelligent erdacht und besticht vor allem durch seine Vielfältigkeit“, so die Jury. Er entspreche den gesellschaftlichen Anforderungen vor allem in den Bereichen Individualität, Flexibilität und Wandelbarkeit. Durch die verschiedenen Steckmöglichkeiten der drei Holzmodule kann der Stuhl sowohl in einer sitzenden oder in einer lehnenden Position zum Sitzen als auch zum Reden oder Lesen als Pult genutzt werden. „Wir haben mit der Planung eines Stuhls absolutes Neuland betreten“, erklärt Gregor Brune. Den Göttinger DesignPreis sieht der Architekt als gute Gelegenheit an, dem in der Region etwas stiefmütterlich behandelten Thema ,Design’ mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen: „Das ist wichtig, denn wir alle haben einen Anspruch auf eine schöne Umwelt, und dabei ist Design ein entscheidender faktor.“

Neben den drei Siegern hinterließ ein weiterer Stuhl einen bleibenden Eindruck bei der Jury, weshalb ihm auch ohne Platzierung eine besondere Anerkennung gebühre. Der Entwurf ,Stahltonne‘ der Kranz Innenarchitekten sei formal weniger ein Stuhl und wenig alltagstauglich. Die Jury bezeichnet den Entwurf als „tolles Objekt“. Weiter heißt es in der Bewertung: „Dieser und alle anderen Entwürfe haben gezeigt, dass die Ideen für spannende Designs in der Region vorhanden sind und der Göttinger DesignPreis ein Mittel sein kann, um kreative Ideen ans Tageslicht zu bringen.“

„Design braucht Raum, und dieser ist in Göttingen eigentlich nicht vorhanden“, erklärt Borzou Rafie-Elizei die Intention des Preises. Damit sich das ändert, haben die drei Initiatoren den Wettbewerb ins Leben gerufen, aber das Ziel ist, nicht nur eine Auszeichnung zu verleihen, sondern eine Plattform zu gründen mit dem Ziel, Innovation, Kreativität und Design als Erfolgsfaktoren für die Region zu positionieren. „Wir wollen mit dem Preis und der Gründung des DesignForums eine Plattform schaffen, bei der Interessierte positive Impulse für die Region anstoßen. Die Polemik, mit der über Design diskutiert wird, muss aufhören“, begründet der gebürtige Franzose. Vor allem, wenn es um die Gestaltung des öffentlichen Raums gehe. Mitinitiator Böhme dazu: „Die Menschen müssen aufwachen und sich überlegen, wie die Stadt und die Region in Zukunft aussehen sollen.“ Die Vision, wohin sich Göttingen und Umgebung entwickeln, hat eine gesellschaftliche und soziale Relevanz. „Design soll die Welt praktisch besser und sinnlich schöner machen. Erst wenn man bei der Auswahl der neuen Straßenbeleuchtung oder der neuen Bänke für die Innenstadt die Polemik weglässt, wird der Blick für das richtige Design frei werden“, sagt Rafie-Elizei. Dabei geht es den Initiatoren des DesignForums nicht nur darum, dass etwas optisch passt. Ein gelungenes Design müsse auch eine gute Benutzbarkeit bieten und ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit in sich vereinen. „Wir sind überzeugt, dass genug Kreativität in der Region steckt, aber die Ideen müssen auch raus in die Welt und umgesetzt werden“, erklärt Böhme.

Wie richtig gute Designideen entstehen können, machen laut Rafie-Elizei die Österreicher ausgezeichnet vor. Dort haben sich Designforen gebildet. „Diese Foren lassen für die jeweilige Region wunderbare Lösungen entstehen, die in der Optik, Benutzbarkeit und Wirtschaftlichkeit überzeugen.“ Der Göttinger DesignPreis soll dazu beitragen, dass so ein Forum auch in Südniedersachsen wachsen kann. „Wir wollen dazu beitragen, Raum zu schaffen, um Design zu erleben, zu diskutieren und daraus zu lernen“, sagt Rafie-Elizei. Diese Plattform soll in den kommenden Jahren weiter wachsen: „Wir sind sehr an einer Erweiterung interessiert und suchen deshalb für die folgenden Auflagen neue Partner, die weitere Facetten des Themas ‚Design‘ einbringen.“

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