Rasant an die Spitze

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sebastian König

POS-Terminals der Göttinger xplace erobern den Weltmarkt.

21 Länder in neun Jahren!

Die Göttinger xplace GmbH legt beim Erschließen neuer Märkte ein bemerkenswertes Tempo vor.

Als das Unternehmen im Jahr 2002 unter dem Namen Advertools startete, passte die Firmenzentrale noch in eine kleine Dachgeschosswohnung des Börnerviertels in der Göttinger Innenstadt. Hier entwickelten die Gründer Christian Flohr, Marco Wassermann sowie die Brüder Michael und Peter Volland eine Software für Kiosksysteme.

Dabei handelt es sich um Touchscreen-Terminals für den Einzelhandel, die dem Kunden umfassende Produktinformationen bieten und bei der Kaufentscheidung unterstützen.

Mit diesen POS-Terminals (Point of Sale) trafen die Entwickler genau ins Schwarze.

Dies untermauern diverse Erfolge bei verschiedenen Wettbewerben wie dem Deutschen Multimedia Award. Die Preise sorgten für das nötige Startkapital, das umgehend in neue Mitarbeiter und die Strukturen investiert wurde.

„Das Prinzip, vorhandenes Kapital sofort wieder einzusetzen, hat uns ein starkes Wachstum beschert“, erzählt Geschäftsführer Florian Brinkmann, der heute mit Michael Volland und Marco Wassermann die Unternehmensspitze bildet.

Und „stark“ ist das Wachstum tatsächlich: So kletterte der Umsatz bis 2010 auf einen Wert von 15,5 Millionen Euro. Zugleich schoss die Mitarbeiterzahl in nicht einmal neun Jahren auf die Marke von rund 120 festen und 60 freien Mitarbeitern allein in Göttingen. Die Dachgeschosswohnung hat xplace längst verlassen. Und auch das aktuelle Domizil in der Hospitalstraße ist schon wieder zu klein.

Deshalb zieht das Unternehmen noch in diesem Jahr in das Industriegebiet Grone um. Im Tuchmacherweg 12, ehemals Firma Adam, stehen Büround Lagerflächen von mehr als 2.000 Quadratmetern zur Verfügung. Göttingen im Rahmen der Standortverlegung möglicherweise zu verlassen, stand nie zur Debatte:

„Wir finden hier fast alles, was wir brauchen – vor allem die passenden Mitarbeiter.“ Lediglich IT-Spezialisten und Vertriebsmitarbeiter werden auch außerhalb der Region rekrutiert. „Fachkräfte im IT-Bereich sind in Göttingen schwer zu finden“, erklärt Brinkmann. Vertriebsmitarbeiter sucht das Unternehmen direkt am gewünschten Einsatzort. Das abzudeckende Gebiet umfasst inzwischen nicht nur Deutschland.

Denn xplace ist in 18 weiteren Ländern Europas sowie in China und Dubai vertreten. Der Vertrieb läuft meist über Partner. Eigene Niederlassungen bestehen in Großbritannien, Spanien und Russland. Dass die Ausdehnung des Unternehmens solche Ausmaße annehmen würde, war zu Beginn noch nicht abzusehen.

„Als wir 2005 richtig durchgestartet sind, gab es hunderte kleiner Anbieter in diesem Segment“, sagt Brinkmann. Diese hat xplace aber schnell hinter sich gelassen – auch dank des Engagements eines Kölner Investors. „Das hat uns einen echten Wachstumsschub beschert.“

Die Grundlage des Erfolgs bildeten zunächst Systeme für Entertainmentshops, die zum Verkauf von Videospielen, DVDs und CDs eingesetzt werden. „Da abzusehen war, dass diese Märkte aber irgendwann einbrechen, haben wir versucht, uns breiter aufzustellen“, erzählt Brinkmann.

Das ließ sich relativ einfach umsetzen.Denn bei der Planung hatten die Entwickler eine Mehrfachnutzung ihrer Gerätebereits bedacht. Die Umprogrammierung zum Druckerpatronenberater oder zur Teststation für Webcams, um schon im Geschäft die Bildqualität zu prüfen, eröffnete neue Perspektiven.

Auch neue Branchen wurden erschlossen. Bald standen die Geräte als Hörbuchterminals in Buchhandlungen oder als Rezeptberater im Lebensmitteleinzelhandel. Mit „Instore- TV“ wurde ein weiteres Standbein geschaffen. So haben Händler die Möglichkeit, ihre Kunden über Bildschirme im Markt direkt anzusprechen. Dabei können die verkaufsfördernden Informationen auf die einzelnen Marktbereiche abgestimmt gesendet werden. So erhält der Konsument jeweils die Informationen, die zu dem Bereich passen, in dem er sich gerade befindet. Die nötigen Datensätze für die Terminals liefert xplace selbst.

„Wir haben inzwischen die größte Entertainmentdatenbank Europas aufgebaut“, sagt Brinkmann. Diese wird ständig gepflegt und erweitert. Veraltete Produkte werden gelöscht und Neuheiten zum Erscheinungsdatum eingestellt. Die Versorgung der Terminals und Bildschirme läuft via Internet.

Das Komplettangebot von der Fertigung der Hardware über die Installation und die Lieferung der Inhalte bis zum Service vor Ort ist in der Branche einmalig. „Dadurch können wir weltweit ganze Ketten mit unseren Systemen ausstatten, während die Konkurrenz nur im Projektgeschäft an festen Standorten arbeitet“, erklärt Brinkmann.

Durch die breite Produktpalette und die Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette hat xplace in rasanter Geschwindigkeit den Sprung an die Spitze des Weltmarkts geschafft.

Auf dem Erfolg ausruhen will man sich aber nicht.

„Wir wollen weiter wachsen“, sagt der 36-Jährige. Mit dem bestehenden Portfolio sollen zunächst weitere Länder und Branchen erschlossen werden. Aktuell steht vor allem der Lebensmitteleinzelhandel im Fokus. Drogerien und Baumärkte sollen folgen.

Zudem könnte xplace schon in diesem Jahr den Sprung in die USA realisieren. „Wir haben dort bereits einen Partner und versuchen, Fuß zu fassen“, berichtet Brinkmann.

Angesprochen auf die steigenden Marktanteile des E-Commerce sieht er für den Einzelhandel und somit auch für sein Unternehmen keine Gefahr: „Der Handel wird sich den neuen Gegebenheiten anpassen und zum Beispiel mit neuen Sortimenten darauf reagieren.“

Außerdem sei das Einkaufserlebnis in der Realität ein entscheidendes Plus gegenüber dem Onlineshopping. Durch die Terminals als zusätzliches Angebot ließe sich dieser Vorteil noch verstärken.

Die Nutzungszahlen, die alle xplace-Kunden auch selbst im Internet abrufen können, zeigen, dass die Terminals großen Anklang finden. Durch die aktive Mitarbeit der Einzelhändler lassen sich die Geräte sogar noch optimieren. Einige xplace-Kunden stellen beispielsweise ihre Warenbestandslisten zur Verfügung. Dadurch können die Geräte anzeigen, ob ein Produkt vorhanden ist oder bestellt werden muss.

Dazu lassen sich auch Kundenkarten mit den Systemen verbinden. So können die Terminals die gezeigten Inhalte individuell auf den jeweiligen Nutzer abstimmen. Die passenden Kartenlesegeräte hat xplace ebenfalls im Portfolio.

Darüber hinaus plant das Unternehmen, den Einzelhandel auch anderweitig zu unterstützen. Die Entwickler arbeiten an einem Online- Shoppingportal, das anzeigt, in welchen Geschäften in der Nähe das gewünschte Produkt vorhanden ist. So soll eine virtuelle Brücke vom Internet zum lokalen Einzelhandel geschlagen werden.

Insgesamt stehen xplace viele Möglichkeiten offen, sodass diese Göttinger Erfolgsgeschichte voraussichtlich noch eine lange Fortsetzung finden könnte.