Prüfen, ob die Leiter an der richtigen Mauer steht

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Text von: redaktion

Interview mit Maximilian Freiherr von Düring, Mitinhaber der Röver & Düring GbR zum Thema 'Männer'.

faktor: Was wollen die Männer von heute?

von Düring: Wenn ich das wüsste (lacht). Auf jeden Fall nicht das, was uns die Zeitschriften mantrahaft vorbeten, was wir Männer zu wollen haben: Waschbrettbäuche, sechsmal die Woche den besten Sex und viel Geld auf dem Konto. Ich glaube die richtige Frage ist weniger, was wir wollen, sondern viel mehr, wer wir sein wollen. Und da haben dann besonders auch die jungen männlichen Führungskräfte, mit denen wir in unseren Workshops und Coachings sprechen, neue Wertvorstellungen: Ich möchte in einem Team von tollen Menschen arbeiten, ein Ideen- und Impulsgeber für andere Menschen und ein liebevoller Vater und fürsorglicher Partner sein.

Auch Authentizität und Spiritualität sind Träger des Wertewandels. Denn worauf kommt es denn am Ende des Lebens an? Die meiste Kohle angehäuft zu haben, oder der Menschheit etwas Sinnvolles hinterlassen zu haben? Die Erkenntnis darüber kommt leider oft zu spät. Aber Vorsicht: So wichtig Innenschau und Selbstreflexion auch sind – da muss der Mann bitte gut aufpassen, nicht ins Dauerhinterfragen zu geraten. Die PS gehören immer noch auf die Straße.

faktor: Viele Männer sind mit der Erziehungsmaxime: ‚Indianer kennen keinen Schmerz‘ groß geworden. Können diese überhaupt lernen, Schwächen – auch im Unternehmen – zuzugeben?

von Düring: Ja. Das können sie – und danach sehnen sie sich sogar insgeheim. Zunächst werden vermeintliche Schwächen natürlich nur in persönlichen Gesprächen und in einem geschützten Rahmen preisgegeben und auch erst dann, wenn Vertrauen da ist. Um Schwächen oder Unsicherheiten am Arbeitsplatz zuzugeben, bedarf es mehr: zuerst einem hohen Grad an Selbstreflexion und innerer Klarheit und dann natürlich einer vertrauensvollen Unternehmenskultur.

Es würde der Unternehmenslandschaft und letztlich unserer Gesellschaft nur gut tun, wenn wir Männer nicht andauernd mit Ritterrüstung und aufgebauter Fassade durch unsere Firmen liefen. Leistung und Erfolg und das Zeigen von Gefühlen schließen sich nicht aus. Nehmen Sie mal Meistertrainer Jürgen Klopp als Beispiel. Er besitzt das Standing, nach einem Ausrutscher gegenüber dem Schiedsrichter vor laufender Kamera eine Entschuldigung auszusprechen. Er gibt seine Schwäche zu – und demonstriert damit Stärke, indem er den begangenen Fehler benennt. Das macht eine souveräne Persönlichkeit aus. Nur durch das Erkennen, Anerkennen und Integrieren der eigenen Schwächen können wir in unserer Persönlichkeit reifen.

faktor: Ist es für Männer überhaupt möglich, den Wettbewerb um den größten Erfolg in Form von Geld und Anerkennung aufzugeben?

von Düring: Wie definiert sich denn Erfolg, und was bedeutet Anerkennung für den Einzelnen? Fragen Sie mal zehn Manager, was sie unter Erfolg verstehen und Sie bekommen zehn verschiedene Antworten. Ich muss ja erstmal überprüfen, ob die Ziele, denen ich täglich hinterher renne, überhaupt Glück und Zufriedenheit versprechen. Daher fragen wir auch in unseren Workshops zunächst nach der persönlichen Vision. Da herrscht dann erstmal oft Schweigen.

Eines ist und bleibt aber unumstößlich: Wenn ich den Erfolg im Außen, im Materiellen und der Anerkennung suche, komme ich nie zur Ruhe, muss immer noch weiter springen, mich noch mehr strecken. Daraus resultiert diese typische Getriebenheit, die in unserer Zeit immer diagnostiziert wird. Denn es wird immer jemanden geben, der mehr hat als ich und ‚erfolgreicher‘ ist und deswegen – vermeintlich – mehr Anerkennung bekommt. Wer also gerne die ‚Karriereleiter‘ hochklettern will, um zu finden, was ihn erfüllt, nur zu, doch er sollte von Zeit zu Zeit prüfen, ob die Leiter an der richtigen Mauer steht. Es könnte auch die falsche sein.

Der Göttinger Maximilian Freiherr von Düring (35) arbeitet als Moderator, Trainer und Coach für Führungskräfte in den Bereichen Führung, Wirkung sowie Service- und Kundenorientierung.