Pro oder Contra?

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Text von: redaktion

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz – von über 50 Ländern kopiert. Jörg Klapproth, Geschäftsführer der Windkraft Diemarden GmbH & Co. KG, vertritt seine Meinung zum ,Erfolgsmodell EEG‘.

In der Gemeinde Gleichen erweitert die Windkraft Diemarden GmbH & Co. KG ihren Bürgerwindpark um weitere drei Anlagen der Firma Enercon aus Aurich.

Ab Mitte 2013 werden dann die zwölf Windkraftanlagen in der Gemeinde Gleichen über 35 Millionen Kilowattstunden pro Jahr in die hiesigen Stromnetze einspeisen.

Die drei neuen Anlagen mit einer Nabenhöhe von 135 Metern und einem Rotordurchmesser von 101 Metern werden allein 20 MillionenKilowattstundenpro Jahr an Strom produzieren.

Zum Vergleich: In der Gemeinde Gleichen werden etwa 21,5 MillionenKilowattstundenpro Jahr verbraucht! Für den Energieträger Strom hat die Gemeinde Gleichen damit das Ziel des Landkreises Göttingen, bis 2040 den Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken, bereits im Jahr 2013 erfüllt.

Ermöglicht hat diese Entwicklung das Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG).

Der einstimmig vom Kreistag gefasste Beschluss, die Energieversorgung bis 2040 ,enkeltauglich‘ zu gestalten, wäre ohne die verlässlichen Rahmenbedingungen, die das EEG geschaffen hat, nicht denkbar.

Diesen verlässlichen Rahmen hat das EEG mit der Garantie einer vorrangigen Einspeisung des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen und einer festen Vergütung für den eingespeisten Strom geschaffen.

Durch die Abnahmeverpflichtung der Netzbetreiber war es erstmals möglich, eine Stromproduktion in kleinen Einheiten gegen den Willen der Energieversorger durchzusetzen.

Der Strom aus erneuerbaren Energien hat mittlerweile einen Anteil von etwa 25 Prozent am deutschen Stromverbrauch.

Viele Menschen denken, dass dieser Erfolg teuer erkauft sei. Dieser Eindruck ist verständlich, da nur die Kosten für den Strom aus erneuerbaren Energien in Form der EEG-Umlage auf der Stromrechnung erscheinen. Im Jahr 2012 wurde jedeKilowattstundeStrom aus erneuerbaren Energien mit 7,3 Cent pro Kilowattstunde gefördert.

Im Vergleich zu den 6,5 Cent pro Kilowattstunde, mit der die Stromerzeugung aus Atomkraft subventioniert wurde, ist der Betrag aber eher unbedeutend.

Anders als bei der EEG-Umlage werden die Subventionen für Atomstrom nicht auf den Strompreis umgelegt und entziehen sich dadurch elegant dem Zorn der Verbraucher. Die EEG-Umlage wird in absehbarer Zeit nicht sinken, was aber nicht zwangsläufig zu höheren Strombezugskosten führen muss!

Die Höhe der EEG-Umlage berechnet sich aus der garantierten Vergütung für die Stromerzeugung nach dem EEG und dem Strompreis an der Börse.

Der hohe Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien hat den Strompreis an der Börse bereits deutlich gesenkt und damit die EEG-Umlage erhöht. Das bedeutet, dass die Energieversorger den Strom günstiger einkaufen, aber diesen Preisvorteil nur teilweise an ihre Kunden weitergeben.

Momentan kann der Wechsel vom Grundversorger zu einem Stromanbieter mit gemäßigtem Gewinnstreben den Anstieg der EEG-Umlage kompensieren.

Das EEG ist sicherlich eine hervorragende Grundlage für die Energiewende, auch wenn einige Konstruktionsfehler, wie die Berechnung der EEG-Umlage, immer deutlicher werden. Wegen des enormen Ausbaufortschritts der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energiequellen sind Anpassungen dringend erforderlich.

Dennoch ist das EEG ein Erfolgsmodell, das bereits von über 50 Ländern übernommen wurde.