Pro City – (wie) geht es weiter?

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Text von: redaktion

Pro City sieht sich seit über 15 Jahren als Sprachrohr der Göttinger Innenstadt. Nun hat sich der Aufsichtsrat der Pro City GmbH Göttingen mit dem Oberbürgermeister Wolfgang Meyer darauf verständigt, einen bevorstehenden Personalwechsel zum Anlass für eine grundsätzliche Diskussion über das Stadtmarketing zu nehmen. Vereinsvorsitzender Philipp Bremer bezieht Stellung.

„Nach dem angekündigten Rücktritt der Pro-City-Geschäftsführerin Beate Behrens zu Ende 2013 – nach sieben Jahren Citymanagement – steht die Organisation vor einer Zäsur.

Es ergibt sich die Möglichkeit, zurückzuschauen und eine Neuausrichtung vorzunehmen, um – falls nötig – die Prozesse noch effizienter und zielgerichteter zu organisieren.

Vor 15 Jahren gegründet und später mit der Werbegemeinschaft der Innenstadthändler verschmolzen, hat Pro City inzwischen viel erreicht: Der Kreis der Mitglieder wurde deutlich erweitert und umfasst heute neben zahlreichen Händlern auch andere Interessenten und Organisationen, wie z.B. Kulturinstitutionen, die Universität und Gewerbetreibende außerhalb der Innenstadt und viele Freiberufler.

So vielfältig das Leben in einer Innenstadt, so unterschiedlich sind auch die Interessen der Beteiligten. Pro City hat sich zur Aufgabe gemacht, eine Plattform für den Austausch der verschiedenen Beteiligten zu bieten.

Zahlreiche Verbindungen wurden geschaffen. So ist Pro City an vielen Entscheidungen im Rathaus beteiligt.

Als ‚Träger öffentlicher Belange‘ wird man zu strittigen Fragen gehört und hat die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Themen wie das Innenstadtleitbild, die Sanierung der Fußgängerzone, das Fahrradabstellanlagenkonzept oder die Bewahrung der Parkmöglichkeiten standen ebenso auf dem Programm wie die Entwicklung der nördlichen Innenstadt.

Der Bau eines großflächigen Innenstadtcenters, der vielen anderen Innenstädten deutlichen Schaden zugefügt hat, konnte in Göttingen verhindert werden.

Es grenzt an die Quadratur des Kreises, allen Interessen gerecht zu werden, und viele Fragen wurden bisher nicht befriedigend gelöst.

Dennoch stellt die jetzige Form eines offenen Dialoges die beste Möglichkeit dar, gemeinsam an der Verbesserung der Situation der Innenstadt weiterzuarbeiten.

Kritisch muss man anmerken, dass aus unterschiedlichen Gründen ein großer Teil der Innenstadtakteure nicht an diesem Prozess teilnimmt. Trittbrettfahrer nennt man diejenigen, die zwar am Erfolg bestimmter Maßnahmen teilhaben, sich aber bewusst nicht – weder persönlich noch finanziell – in den Prozess einbringen.

Die Anforderungen an ein erfolgreiches Citymanagement sind in den letzten Jahren angesichts zunehmenden Wettbewerbs gestiegen, und so macht die aktuelle Situation in Göttingen deutlich, dass die finanzielle Basis für eine erfolgreiche Fortführung der Arbeit von Pro City vergrößert werden muss.

Alle Akteure, Händler, Gastronomen und Immobilienbesitzer (letztere sind besonders auf den Standort angewiesen!), sind gefragt.

Dabei erscheint die Entscheidung, sich einzubringen, keine Frage des guten Willens, sondern eine klare betriebswirtschaftliche Überlegung zu sein, da zu einer erfolgreichen Vermarktung eines jeden Produktes auch ein entsprechendes Marketing gehört.

Die Sicherung des Handelsstandortes Innenstadt steht damit auf dem Spiel. Ist in einem Einkaufscenter alles auf erfolgreichen Kommerz ausgerichtet, liegt die Problematik, aber auch der Reiz einer Innenstadt darin, dass in der Kombination von privatem und öffentlichem Raum ein Spiegel der Gesellschaft und des gesellschaftlichen Lebens stattfinden kann.

Das ‚gemeinsam miteinander Auskommen‘ ist ein Zeichen unserer auch durch christliche Werte wie Toleranz und Friedfertigkeit geprägten Gesellschaft, in der Gemeinschaft und jedem Einzelnen eine Weiterentwicklung ermöglicht wird.

In diesem Sinne wird Pro City mit allen nötigen Diskussionen auch nach dem Abschied von Beate Behrens die Arbeit – mit neuer Ausrichtung – für eine lebendige Göttinger Innenstadt fortsetzen.“

Philipp Bremerist 1. Vorsitzender desFördervereins Pro City.

Kontakt:info@procity.de