Potenzial gemeinsam nutzen

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Text von: Sebastian König

faktor porträtierte die Wirtschaftsstandorte der Region – ein Fazit am Ende der Reise.

Mehr als zwei Jahre dauerte die faktor-Reise durch die Wirtschaftsstandorte Südniedersachsens. Rund 50 Unternehmen wurden vorgestellt und viele Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft haben sich zu Vor- und Nachteilen der Region geäußert. Daraus ergibt sich folgendes Gesamtbild. Südniedersachsen hat Potenzial, muss aber noch hart an sich arbeiten.

Die prägende Forderung, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Serie zieht, betrifft die intensivere Vernetzung der Region. Allerdings hat sich herausgestellt, dass offensichtlich viele die Politik in der Pflicht sehen, den ersten Schritt zu tun. Das Stichwort lautet: verfasste Region. Ob diese irgendwann zur Realität wird, darf angesichts der Gegenstimmen bezweifelt werden. Ohnehin stellt sich die Frage: Muss die Wirtschaft auf die Politik warten? Ist in Sachen Zusammenarbeit nicht vielmehr Eigeninitiative gefragt? Dass aus der Wirtschaft selbst entwickelte Projekte sehr gut funktionieren können, zeigen positive Beispiele wie das Verpackungscluster Südniedersachsen. Daran könnten sich auch andere Branchen orientieren.

Darüber hinaus existieren mit dem Regionalverband Südniedersachsen und der Südniedersachsenstiftung zwei Institutionen, welche die Vernetzung bereits jetzt aktiv fördern. Beiden gelingt es trotz geringer Geldmittel und begrenztem Personal immer wieder verbindende Projektideen zu realisieren. Als Beispiel dienen die Gesundheits- oder die Bildungsregion des Regionalverbands sowie geniusgoettingen oder das Internetportal www.urlaub-mitten-in-deutschland.de der Stiftung. Damit es in Zukunft mehr Projekte dieser Art geben kann, benötigen beide Institutionen mehr Geld und Man-Power. Beides wäre an dieser Stelle sicher gut investiert. Denn angesichts der Heterogenität der Region sind übergeordnete Stellen, welche Südniedersachsen insgesamt im Blick haben, äußerst wichtig.

Was die Vernetzung außerdem bremst, sind die Ängste in einigen Städten und Landkreisen vor einer intensiveren Zusammenarbeit. Es bestehen Befürchtungen, dabei einen Teil der eigenen Identität zu verlieren. Soll es mit einem gemeinsamen Südniedersachsen voran gehen, müssen diese Ängste abgelegt werden. Zudem gilt es für die Wirtschaftsstandorte, das eigene Profil zu schärfen, um sich aus eigener Kraft einen Platz in der Region erarbeiten zu können. Spezialisierung lautet das Stichwort. In Northeim besteht beispielsweise mit der Bundesfachschule Kfz und der bundesweiten Beschulung für Revierjäger an der BBS II ein Schwerpunkt für die berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung. Solche Schwerpunkte müssen identifiziert, analysiert und ausgebaut werden. Darüber hinaus ist wichtig, dass die Grenzen einer gemeinsamen Region durchlässig bleiben. Dies macht das Beispiel der Weserumschlagstelle in Hann. Münden deutlich. Denn bei einem weiteren Ausbau zum Binnenhafen würde dieser laut Vorgesprächen vor allem von Unternehmen aus Nordhessen genutzt werden. Auch im Hinblick auf die Versorgung mit Arbeitskräften ist Südniedersachsen auf Nachbarn wie das Eichsfeld angewiesen.

Denn fehlende Arbeitskräfte sind laut den Ergebnissen der Serie mit wenigen Ausnahmen in der gesamten Region ein wichtiges Thema. Die Wirtschaft kämpft mit einem Mangel an Fachkräften. Im Wettbewerb um passende Arbeitskräfte haben viele Unternehmen aber einen schweren Stand. Denn Göttingen und dem Umland mangelt es über die eigenen Grenzen hinaus schlichtweg an Bekanntheit. Die Vorteile wie zum Beispiel die guten Lebensbedingungen mit hervorragenden Bildungsmöglichkeiten oder niedrigen Preisen für Wohnraum werden nicht ausreichend kommuniziert. Lösen könnten dieses Problem weitere Projekte wie geniusgöttingen, die auf einem gemeinsamen Vermarktungskonzept basieren und die Region im Ganzen nach außen präsentieren.

Hier könnte eine Kooperation der Wirtschaftsförderer bei Städten und Landkreisen wichtige Impulse liefern. Es muss in Zukunft besser gelingen, vor Ort ausgebildete Fachkräfte zu halten und zugleich neue Arbeitskräfte in die Region zu holen. An interessanten Arbeitsplätzen mangelt es in Südniedersachsen indes nicht. Denn das hat die Serie gezeigt: Es existiert in der Region eine enorme Vielfalt an Unternehmen und Branchen. Eine Mischung aus Kleinbetrieben, meist familiengeführten Mittelständlern und global agierenden Großunternehmen sorgt für einen ausgewogenen Mix. Mit dabei sind viele Unternehmen, die in ihren Segmenten sogar zu den Weltmarktführern zählen, was allerdings nur zögerlich an die Öffentlichkeit tritt. Denn auch dies haben viele Unternehmen in Südniedersachsen gemein: Mit Erfolgen halten sie gern hinter dem Berg. Dabei könnten die Unternehmen und auch die Menschen im Allgemeinen deutlich selbstbewusster auftreten.

Denn Südniedersachsen muss sich vor anderen Regionen nicht verstecken. Sicher befindet man sich in einem eher strukturschwachen Raum. Doch die ausgezeichnete Lage im Herzen Deutschlands, viele innovative Unternehmen und ein Oberzentrum wie Göttingen mit der Universität an der Spitze, bieten gute Voraussetzungen. Gelingt es, diese gemeinsam zu nutzen, kann Südniedersachsen positiv in die Zukunft blicken.