Planlos ans Ziel

©Alciro Theodoro da Silva / Improvisationstalent Lars Wätzold
Text von: Christian Vogelbein

Ein Blick in die Seele der Comedy-Company – Impro-Theater für Unternehmen

Lars Wätzold hat kein Gepäck dabei. Weder Tasche, Koffer noch Laptop trägt der Schauspieler bei sich, als er am Göttinger Bahnhof auf den ICE nach Hannover wartet – der ihn zu seinem heutigen Auftraggeber führt. Seine langen schwarzen Locken verdecken nur zaghaft die kleinen blinkenden Silberringe in seinen Ohrläppchen. Später wird er einem Frisör Witze darüber erzählen, warum er dringend zum Frisör gehen muss. Er wird einen Mitarbeiter und einen Kunden der Arbeitsagentur spielen, der Angst hat, albern ist und wütend wird. Er wird Menschen zum Lachen bringen. Und es wird so aussehen, als stecke ganz viel Vorbereitung in seiner Arbeit. Lars Wätzold spielt Improvisationstheater, ist Teil der Comedy-Company – der ICE fährt ein.

Eigentlich sind sie zu viert, die Typen von der Company. Jeder ein eigener komplexer Charakter, sagt Lars Wätzold. Als der Zug kommt, steigt er ein. Er kennt diese Fahrten, die ihn längst quer durch Deutschland und manchmal durch Europa führen. Am Ziel angekommen, egal ob Leipzig, Wien oder Hannover, trifft er sie, die anderen Schauspieler. Die Comedy-Company, das sind Stefan Graën, Katrin Richter, Michael Zalejski und eben Lars Wätzold. Die vier treten immer paarweise auf, tauschen untereinander. „Wir waren auch schon mal acht“, erzählt der inzwischen an einem Vierertisch sitzende Wätzold. „Das war am Anfang, also vor 16 oder 17 Jahren.“ Die vier, die heute dabei sind, waren es schon immer. Die Geschichte von der Geschichte hat der Göttinger Familienvater schon oft erzählt. Vom Kennenlernen im Theater im OP, dem Schauspielzuhause im Göttinger Lumière, vom Zusammenarbeiten mit Schauspielern, die mal miteinander funktioniert haben, mal nicht. Die mal toll fanden, was die Company macht, mal doch lieber etwas anderes machen wollten. Im Theater machen sie echte Kunst. Als Comedy-Company probieren sie etwas aus: Company-Comedy. Dann spielen sie auf Mitarbeiterfeiern, Versammlungen, Kongressen. Auf der Bühne wird improvisiert: nur Stichwörter, Fantasie und zwei Menschen. Sie spielen Unternehmenstheater als eine Form der Kommunikation. Die Ansprache ist losgelöst von eingefahrenen Reden und erlaubt natürliche Sprache und Emotion. Sie verdienen ihr Geld nicht mit Theater und Schauspiel, sondern mit Worten und dem Wissen darum, wie sie ausgesprochen werden. Unternehmen nutzen dies, um Ideen und Entwicklungen voranzutreiben. Auf Anfrage gibt es gezielte Workshops. Speziell für die Agentur für Arbeit hat die Comedy- Company beispielsweise Nummern und Theaterkonzepte für den Business-Talk entwickelt: Unternehmer vor Ort netzwerken, und die Company füllt die Pausen mit Witz – dorthin geht es heute.

„Improvisation braucht einen gewissen Tunnelblick.“

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