Pimp my wall

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Christian Vogelbein

Immer mehr Unternehmen entdecken für sich die Kunst der Sprayer.

Auf einen kleinen ,Fingerzeig‘ hin verwandelt sich eine meterhohe Wand in ein Kunstwerk. Malte Orth drückt mal fester, mal leichter auf die ,Dose‘ – für dicke, dünne oder weiche Linien. Aus dem Handgelenk entstehen filigrane Bilder. Da es auf der Straße auf Geschwindigkeit ankommt, unter der oftmals die Qualität leidet, war Orth schnell klar, dass dies nicht sein Weg ist. Deshalb lässt er sich heute Zeit – und schafft eindrucksvolle Statements für Generationen. Doch der Weg seiner Entfaltung dauerte ein paar Jahre. Auch in Südniedersachsen gibt es Zeichen dieser Welt. ,Bemalt‘ sind Stromkästen, Parkbänke und Brücken. ,Verziert‘ sind Wände an Jugendhäusern und Betonflächen. Was mitunter noch immer illegal im Dunkeln der Nacht passiert, ist andernorts Teil eindrucksvoller Unternehmenskommunikation. Ungewollt oft ein Ärgernis für die Wand- Eigentümer, sind es immer häufiger eben jene, die zum Hörer greifen und Künstler anrufen, um ihren urbanen Flächen einen persönlichen bunten Glanz zu verleihen. Hier trifft für die Künstler mit den Zauberfingern an der Dose Handwerk auf künstlerischen Ausdruck – einer von ihnen ist Orth.

„Graffiti ist auch immer ein Ausdruck urbaner Kultur“, erklärt der Sprayer. „Schnörkel und Farben bringen Kontrast in eine sonst systematisch geplante Umgebung.“ Ein Kontrast, den auch regionale Unternehmen wie Sartorius in Göttingen, Kock Fitness und Kampfkunst in Hann. Münden oder das Tabalugahaus in Duderstadt für ihre Zwecke nutzen. Für sie hat Orth bereits mehrere Meter große Oberflächen mit Dosenfarbe verziert. Es sollen große Motive sein, gerne realistisch in Szene gesetzt. „Es macht schon einen Unterschied, ob ich ,male‘, was ich will, oder eine Auftrags arbeit leiste“, erzählt der 37-Jährige. Seit drei Jahren ist er hauptberuflicher Wand(be) maler. Immer gleich bleibt aber die Liebe für seine Arbeit. Gefühlvoll schwingt er die Dosen die Wände entlang. Seine Lieblingsmotive: Figuren und Landschaften. Auf die Technik komme es an, auf die korrekten Perspektiven, und auch der Lichteinfall muss stimmen. Die Zeiten, als sich Graffiti-Künstler nur mit ihren Initialen an Wänden verewigten, sind längst vorbei – aber immer noch ein wesentlicher Teil der künstlerischen Kultur.

Denn Graffiti ist seit über 20 Jahren vor allem eine Lebenseinstellung – auch, wenn es sich inzwischen von Auftragsarbeit leben lässt. Malte Orth zeichnet seit seiner Kindheit, arbeitete als DJ und Partyorganisator, fährt BMX-Rad und organisiert den jährlichen BMX Flatland Contest in Göttingen. Viel Klischee, ein bisschen freie Kultur – aber auch ganz viel Disziplin. „Für mich ist die Graffiti-Kunst auch ein Handwerk“, sagt Orth. „Trotzdem gebe ich bei jedem Motiv, das ich male, auch einen Teil von mir mit an die Wand.“

Kontakt
Malte Orth, Graffiti Aufträge, Tel. 0176 51275867, das-owal@gmx.de, www.malte-orth.jimdo.com/malte-orth