©Alciro Theodoro da Silva
©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marisa Müller

Im ländlichen Niedersachsen, am Rand von Einbeck, liegt die Zentrale der KWS SAAT AG, ein weltweit agierendes Saatzuchtunternehmen, das sich auf die Entwicklung landwirtschaftlicher Nutzpflanzen spezialisiert hat. Hier ist Alina Paulmann eine von elf Auszubildenden im Berufszweig der Pflanzentechnologie.

Ihre Mutter arbeitet bereits seit vielen Jahren bei KWS, und auch ihr Onkel hat in seinem Beruf als Landwirt immer wieder mit dem Saatgutunternehmen zu tun. Für Alina Paulmann lag bereits nach einem Praktikum bei KWS auf der Hand, nach einem Ausbildungsplatz in diesem Beruf zu suchen – und sie wurde fündig.

Paulmann ist heute im ersten Lehrjahr. „Im Moment vermehre ich Zuckerrübenpflanzen, die ,in vitro‘ angezogen wurden; mehr kann ich dazu leider nicht sagen, das ist geheim“, sagt sie. Die Aufträge kommen von Pflanzenzüchtern oder anderen Auftraggebern. Spezifische Eigenschaften einer Pflanze oder eines Saatgutes werden untersucht und dann im großen Stil produziert.
‚Pflanzen vermehren‘ funktio­niert eigentlich wie Zimmerpflanzen teilen und wieder eintopfen: „Auf einer sterilen Unterlage trenne ich die Seitensprossen vom Rest der Sprosse ab. Diese werden dann in ein Nährmedium gesetzt“, erklärt die junge Auszubildende. Sind die Pflanzen groß genug, werden sie im Gewächshaus weiter kultiviert, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Wichtig ist es, dass keine Verunreinigungen auftreten. „Man muss sehr sorgfältig arbeiten, damit so etwas nicht passiert.“

Paulmann habe vor allem die Arbeit an der Pflanze interessiert. Außerdem gefalle ihr die Atmosphäre bei KWS, denn hier legen alle Wert auf Zusammenarbeit und Gemeinschaft.
Die Ausbildung zum Pflanzentechnologen ist generell sehr praxis­orientiert, 80 Prozent der Zeit finden im Betrieb statt. Paulmann hebt dabei positiv hervor, dass auch die labor­affinen Azubis im dritten Lehrjahr ins Gewächshaus oder aufs Feld müssten – genauso wie die übrigen Azubis ihre Stationen wechselten. Auf diesem Wege lerne jeder alle Bereiche ausgiebig kennen. Während der Ausbildung müssen die Auszubildenden in zwei Einsatzgebieten eingesetzt werden. Als mögliche Einsatzgebiete stehen zur Verfügung: Feldversuchswesen, Zuchtgarten, Gewächshaus, Untersuchungslabor, Kulturlabor, Saatgutwesen und Pflanzenschutzversuchswesen.

Die Berufsschule (BBS) befindet sich in Einbeck, viele Azubis kommen allerdings von weit her, da Einbeck als Standort für die Bundesfachklasse für Pflanzentechnologie bestimmt wurde. Der Unterricht findet in drei Blöcken statt, insgesamt elf Wochen. Bei der Unterbringung in Einbeck ist die BBS behilflich. Alina Paulmann lebt in Kalefeld und kann güns­tigerweise daher auch in dieser Phase zu Hause wohnen.

Die Idee von faktor Ausbildung als Informationsquelle findet die 17-Jährige super: „Infos gibt es viel zu wenig und schon gar nicht über unbekannte Berufe oder Firmen. Meistens wird man erst dann sinnvoll informiert, wenn man schon weiß, was man sucht.“ Ihr persönlicher Tipp: „Sucht Euch Beratung und Hilfe, egal wo! Und findet raus, was Ihr gut könnt, welche Eigenschaften Ihr habt, welche Dinge Euch interessieren, und entscheidet erst danach.“