Packende Chancen

© IStockPhoto-humusak2
Text von: Tobias Kintzel

Die Region Südniedersachsen bietet vielfältige Zukunftsaussichten für Absolventen – die Verpackungsindustrie stellt sich vor.

Um einen interessanten Job mit Aussicht auf Karriere zu bekommen, müssen absolventen die Region nicht unbedingt verlassen – Einen Arbeitsmarkt mit spannenden Herausforderungen finden sie hier vor Ort in der Welt der Verpackungen. „Für Studenten vieler Fachrichtungen bieten sich schon während des Studiums und erst recht nach dessen Abschluss viele Möglichkeiten, den Einstieg in ein Unternehmen der Verpackungsindustrie zu schaffen“, erklärt Roland Marx, Geschäftsführer des Verpackungs- Clusters Südniedersachsen e.V., einem Interessenverband, in dem rund 80 Mitgliedsunternehmen organisiert sind. Eine Bestandsaufnahme der gesamten regionalen Verpackungsindustrie zeigt: Insgesamt sind hier sogar mehr als 150 Unternehmen zu finden.

Durch die zahlreichen Akteure der Branche in der Region ist ein wirklicher Arbeitsmarkt vorhanden, der nach einem gelungenen Start ins Berufsleben zusätzlich alternative Weiterentwicklungsoptionen bietet. Und gerade auch diese Perspektiven in der Verpackungsbranche sollten ein wichtiger Aspekt der Karriereplanung von Studenten in Südniedersachsen sein.

Schon jetzt beschäftigen all diese Unternehmen insgesamt mehr als 5.000 Mitarbeiter. „Gemeinsam decken sie die gesamte Wertschöpfungskette im Verpackungsbereich ab“, betont Cluster-Geschäftsführer Marx. So können Studierende in Südniedersachsen zum Beispiel bei Verpackungsherstellern oder den Produzenten von Verpackungsmaschinen ihre berufliche Laufbahn beginnen. Auch Dienstleister für die Branche, wie IT-Unternehmen oder Zulieferer, sind in der Region aktiv. Wer sich für den Handel interessiert, findet hier international agierende Handelshäuser, die auf Verpackungen spezialisiert sind.

Mindestens genauso wichtig wie die Bewertung der mittel- bis langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten ist eine frühzeitige und intesive Auseinandersetzung mit den regional ansässigen Unternehmen. Denn neben Zulieferern und Dienstleistern der Branche mit 10 oder 20 Mitarbeitern finden sich international aufgestellte Familienunternehmen mit 300 bis 2.000 Beschäftigten oder auch Produktionsstandorte multinationaler Konzerne, die zum Teil Milliarden-Umsätze erzielen. Und so unterschiedlich wie die Art der Geschäftstätigkeit und die Größe der Unternehmen ist auch deren Bedarf an Absolventen oder die Art des Berufseinstiegs. „Wir suchen vornehmlich Studenten der Fachrichtungen Informatik und Mathematik“, betont André König, geschäftsführender Gesellschafter der Göttinger Erpa Systeme GmbH, die sich als Spezialist für System- und Softwarelösungen für die Verpackungsentwicklung fest etabliert hat.

Das Unternehmen hat sich den Ruf erarbeitet, zu den Innovationsführern für ,CAD/CAMKomplettlösungen‘ in 2D und 3D zu zählen. „Bewerber sollten hochmotiviert, IT-technisch und mathematisch versiert sein, sich im Bereich der Kern-Programmierung auskennen und Interesse an Computer Aided Design (CAD) sowie 3D zeigen.“ Im Gegenzug bietet Erpa eigenständige, flexible Tätigkeiten und die volle Einbindung in das kleine Experten-Team. „Wer bei uns arbeitet, kann wesentlich Einfluss nehmen und sich in die Entwicklung der Softwareprodukte einbringen. Hinzu kommt die Möglichkeit, die Zukunft des Unternehmens mitzugestalten“, so König weiter. Er empfiehlt Studenten, schon während des Studiums Kontakt mit seinem Unternehmen zu suchen, um als Praktikant oder Werksstudent Erfahrungen zu sammeln oder eine Abschlussarbeit zu schreiben. Und auch wenn Erpa keine Stelle ausgeschrieben habe, mache eine Initiativbewerbung von Absolventen Sinn. „So haben wir schon interessante Persönlichkeiten kennengelernt.“

Auch bei anderen regionalen Unternehmen der Verpackungsindustrie können Studenten den Einstieg versuchen, darunter ist auch die Northeimer Thimm Gruppe. Mit rund 400 Millionen Euro Umsatz und aktuell mehr als 2.000 Mitarbeitern an insgesamt 17 Standorten in Deutschland, Tschechien, Rumänien und Polen ist die Gruppe eines der führenden Familienunternehmen in der deutschen Verpackungsindustrie. Zu ihrem Kundenkreis gehören namhafte Markenartikelkonzerne quer durch alle Branchen. Doch soll der Einstieg nicht erst nach, sondern schon im Studium gelingen, ist nicht nur Eigen initiative, sondern auch ein früher Start nötig. Wer bei Thimm seine Abschlussarbeit schreiben will, muss durch eine interessante und praxisnahe Themenstellung neugierig machen. Um die Prüfung durch den Fachbereich zu überstehen, sei es sinnvoll, das Thema gemeinsam mit eben diesem im Rahmen eines vorgeschalteten Praktikums zu erarbeiten, informiert die Website des Unternehmens. Studenten, die vor ihrer Abschlussarbeit ein solches Praktikum von zwei bis sechs Monaten absolvieren wollen, müssen sich schon in der ers ten Hälfte ihrer akademischen Ausbildung darum bemühen. Aber auch unabhängig von Abschlussarbeiten können bei Thimm Praktika und auch Praxissemester gemacht werden. Voraussetzung für ein Praxis semester sind mindestens drei studierte Semester.

Herausfordernde Aufgaben für Berufseinsteiger, Praktikanten und Werksstudenten bieten neben vielen anderen Unternehmen auch ETT Verpackungstechnik, Knüppel Verpackung oder Smurfit Kappa. An diesen Beispielen zeigt sich auch die große Bandbreite der regional ansässigen Branchenakteure: ETT in Fredelsloh bei Moringen bietet mit 165 Mitar beitern einen Rundum-Service für individuell konzipierte Endverpackungsanlagen und liefert dafür Komplettsysteme oder Einzelmodule, Roboterkon zepte oder Palettierlösung en sowie die dafür benötigte Software. Knüppel Verpackung mit Sitz in Hann. Münden ist eines der führenden Handels häuser für anspruchsvolle und individuelle Industrieverpackung. Mit 350 Mitarbeitern steht Knüppel Kunden als Fachspezialist bei Entwicklung, Handel, Fertigung und Einsatz von optimalen Verpackungslösungen beratend zur Seite.

Während diese Unternehmen eher für ein punktuelles Angebot für Studenten im Bereich Praktika, Abschlussarbeiten oder Einstiegspositionen stehen, ist der Bedarf bei Smurfit Kappa größer. Der Konzern ist mit der Smurfit Kappa Herzberger Wellpappe in Südniedersachsen vertreten und ist Marktführer auf dem europäischen Markt bei Verpackungen aus Well- und Vollpappe, Wellpappenrohpapier und Vollpappe sowie die Nummer zwei auf dem Weltmarkt bei der Produktion von Verpackungen aus Wellpappe. Trainee-Programme bietet der Konzern mit 7,9 Milliarden Euro Umsatz und 41.000 Mitarbeitern in den Bereichen Sales (Verpackungsmaschinen und -produkte), Controlling und Manufacturing. Zugangsvoraussetzungen sind für Sales und Controlling ein bereits erreichter bzw. zu erwartender guter Abschluss eines wirtschafts- oder technikbezogenen (Fach-)Hochschulstudiums, für Manufacturing eines ingenieurwissenschaftlichen (Fach-)Hochschulstudiums, idealerweise Maschinenbau mit Fachrichtung Produktions-/Verfahrenstechnik oder Elektrotechnik.

Bei allen Unterschieden haben alle Branchenunternehmen eine Gemeinsamkeit: Sie legen viel Wert auf eine kontinuerliche Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, um ihre Marktposition zu sichern und langfristig auszubauen. Sichtbar wird diese Einstellung am Erfolg der ClusterAkademie, die das VerpackungsCluster Südniedersachsen im Jahr 2011 gestartet hat, um die Weiterqualifizierung der Mitarbeiter in den Mitgliedsunternehmen zu unterstützen.

Mehr als 1.000 Mitarbeiter und Führungskräfte der Mitgliedsunternehmen haben erfolgreich 100 Seminare durchlaufen. Vom umfangreichen Seminarangebot zu Themen wie Grundlagen- und Expertenwissen der Verpackung, Folienkunde und Rüstzeitoptimierung, Vertriebsschulungen, Microsoft-Office-Schulungen oder Business Englisch profitieren auch die Absolventen als Berufseinsteiger.

Studenten, die nach einer Einstiegsmöglichkeit in der südniedersächsischen Verpackungsindustrie suchen, gibt Verpackungscluster-Geschäftsführer Roland Marx noch einen Tipp: „Auf der Homepage des Clusters bieten wir eine Liste der Mitgliedunternehmen mit Links zu deren Webseiten an. Das ist ein guter Startpunkt für eine Recherche oder gleich die direkte Kontaktaufnahme. Da sind einige ,packende Chancen‘ zu finden.“