©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Nathalie Bunk gibt Einblicke in das Leben einer Operationstechnischen Assistentin. Der Ausbildungsberuf erfordert, wenn es drauf ankommt, starke Nerven und vermittelt gleichzeitig ein gutes Gefühl.

Grey‘s Anatomy, Scrubs oder Emergency Room – alle kennen und lieben derlei Arztserien. Besonders dann, wenn es im Operationssaal mal wieder hoch hergeht. Dass neben den Ärzten aber noch eine andere Berufsgruppe zu einer gelungenen Operation beiträgt, wissen viele nicht. Nathalie Bunk absolviert derzeit ihr zweites Ausbildungslehrjahr als Operationstechnische Assistentin (OTA) an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und erklärt, was es mit diesem Beruf auf sich hat.

Als OTA unterstützt Nathalie die Ärzte bei den OPs sowie bei der Vor- und Nachbereitung der Patienten. Dabei unterscheiden sich vor allem zwei Tätigkeitsbereiche. Beim Instrumentierdienst ist die Auszubildende als Teil des OP-Teams ganz nah am Geschehen. Sie bereitet den Patienten vor, klärt noch ein letztes Mal alle Einwilligungen und Allergien ab, achtet mit auf die Lagerung des Patienten und reicht schließlich dem Arzt während der OP die chirurgischen Instrumente wie Skalpelle, Scheren oder Klemmen an. Als Springerin hingegen greift Nathalie nicht in den sterilen OP-Bereich ein, sondern assistiert von außen, indem sie neue Instrumentenpakete öffnet und anreicht oder auch Kabel anschließt. „Durchschnittlich habe ich am Tag rund drei OPs“, erzählt Nathalie aus ihrem Azubi-Alltag, „je nachdem natürlich, wie lang und kompliziert die Eingriffe sind.“ So kann es durchaus sein, dass die 22-Jährige bei einem Eingriff mehrere Stunden am Stück steht und den Chirurgen assistiert. „Man sollte auf jeden Fall körperlich fit sein, wenn man diesen Job ausüben will“, so Nathalie.

Für Nathalie war schon immer klar, dass sie später etwas mit Medizin machen möchte. Während ihrem FSJ, das sie zunächst nach ihrem Abi einlegte und im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende in der Onkologie und auf der Palliativstation absolvierte, hat sich dieser Wunsch noch gefestigt. So begann die damals 19-Jährige zunächst die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer Gefäßchirurgischen Praxis in Göttingen, wo ebenfalls ambulant und stationär operiert wurde. Schnell wurde ihr hier klar, dass sie sich in diesem Bereich noch weiter spezialisieren wollte, und so bewarb sie sich noch während ihres letzten Lehrjahres auf die nächste Ausbildungsstelle als OTA bei der UMG, um dort direkt nach ihrem Abschluss anzufangen.

Und diese Vorerfahrung im medizinischen Bereich kommt Nathalie nun zugute – vor allem, wenn sie in der Berufsschule zweimal wöchentlich die Anatomie und Funktionsweise des Körpers, Hygienevorschriften oder auch Knochenbrüche paukt. Wenn es um die verschiedenen Operationsverfahren oder die Lagerung und den Tischaufbau geht, hat Nathalie den Unterricht gemeinsam mit den Anästhesietechnischen Assistenten, die sich um die Ein- und Ausleitung sowie die Überwachung des Patienten während der OP kümmern. „Das sind beides Berufe, die leider viel zu wenig bekannt sind“, erklärt Nathalie, und doch seien sie für die erfolgreiche Durchführung von Operationen so notwendig.

Während ihrer Ausbildung durchläuft Nathalie nun die verschiedenen Abteilungen der UMG, wie etwa die Unfall- oder Allgemeinchirurgie oder auch die Gynäkologie beziehungsweise Urologie. Aber auch Einsätze außerhalb vom OP-Saal – auf Station, in der Notaufnahme oder in der Anästhesie – stehen für die Azubis auf dem Lehrplan. „Besonders beeindruckend fand ich bisher die Herzchirurgie, weil man da wirklich am offenen Herzen arbeitet“, erzählt Nathalie. Daher erinnert sie sich auch noch ganz genau an ihren ersten Arbeitstag: „Es war super aufregend. Alles war groß und neu – und es gab so viele Türen!“ Nachdem sie in ihrer ersten Abteilung, der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie herumgeführt wurde, durfte sie auch schon bei ihrer ersten OP am offenen Herzen zuschauen.

Heute, in ihrem zweiten Lehrjahr, geht ihr Aufgabenbereich bereits deutlich über das Zuschauen hinaus. Sie kontrolliert die OP-Säle auf Sauberkeit und prüft, ob alle Geräte funktionieren, sie bereitet die Instrumente vor, holt diese aus der Sterilgutzone und ordnet sie auf dem Tisch an, und sie assistiert selbstbewusst bei den verschiedensten Eingriffen – natürlich immer unter der Aufsicht einer bereits ausgebildeten Person, die sie bei Unsicherheiten ansprechen kann. Im Idealfall sollte es zu solchen Unsicherheiten jedoch nicht kommen. Deswegen bespricht Nathalie ihre OPs auch immer vorab mit ihren Kollegen und schlägt im Zweifel sogar im Lehrbuch nochmal den entsprechenden OP-Verlauf nach. „Wenn es doch mal zu Herausforderungen kommt, sollte man in jedem Fall ruhig bleiben und Hilfe holen“, sagt Nathalie. „Zum Beispiel, wenn es einem aus irgendeinem Grund in einer Operation zu viel wird, dürfen wir als Azubis den Saal auch noch verlassen.“ Zum Glück sei sie bisher jedoch nicht in sehr viele solcher Notsituationen geraten – und trotzdem habe der schönste Teil ihrer Arbeit mit eben solchen Notfällen zu tun: „Wenn Menschen als Notfall zu uns reinkommen und den Saal lebend verlassen, ist das ein wirklich schöner Moment!“

Was sollte man als OTA mitbringen?

•Blut sehen können
•mit Notsituationen umgehen können
•Belastbarkeit
•Flexibilität
•körperliche Fitness

Welche Einsatzgebiete gibt es als OTA?

•bei OPs
•in Arztpraxen
•in der Notaufnahme
•auf Station

Ausbildungsgehalt
1. Lehrjahr: 1.160 Euro
2. Lehrjahr: 1.220 Euro
3. Lehrjahr: 1.280 Euro
Einstiegsgehalt: 2.200–2.400 Euro (brutto)