Open Source – was bedeutet das?

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Text von: redaktion

Experte Johannes Loxen erklärt im faktor-IT-Tipp, warum quelloffene Software nicht einfach kostenlos ist und wie damit umzugehen ist.

„Open Source? Das sind doch diese Programme für umsonst!“ So ist es immer wieder von Kunden oder Bekannten – und manchmal sogar von IT-affinen Menschen – zu hören. Ganz trifft diese Auffassung allerdings nicht zu.

‚Open Source‘ (wörtlich: offene Quelle, quelloffen) bedeutet zunächst nur, dass der Quellcode – also die in einer Programmiersprache verfasste Funktion einer Software – den Menschen zugänglich sein muss, die das zugehörige Programm besitzen. Wer das Programm nicht besitzt, hat auch kein Recht auf den Quellcode. Viele Open-Source-Programme sind im Internet frei verfügbar: Zu den bekanntesten gehören der Browser Firefox, das Office-Paket OpenOffice oder das Betriebssystem Linux. Da alle das Programm laden können, haben auch alle das Recht auf den Quellcode und auf die freie Nutzbarkeit von Programm und Quellcode.

Natürlich ist auf diese Weise mit dem Programm selbst kein Geld zu erwirtschaften. Bei völlig frei verfügbaren Programmen werden Einnahmen über begleitende Dienstleistungen erzielt und in wenigen Fällen über Sponsoring. So zahlt Google für die Google-Startseite im Firefox 300 Millionen US-Dollar jährlich an die Mutterfirma Mozilla. Auch die SerNet GmbH erzielt z. B. ein Viertel ihres Umsatzes mit Dienstleistungen für ein frei im Netz verfügbares Server-Programm namens SAMBA. In diesem Fall zahlen Kunden nicht nur für Beratung, Training oder laufenden Service, sondern auch für die Weiterentwicklung der Software auf individuellen Wunsch. Ein anderer Weg besteht in Subskriptionsverträgen, also ‚Software-Abos‘. Das fertige Programm und alle folgenden Updates und Weiterentwicklungen werden als Abonnement verkauft. Damit hat nur der Abonnent das Recht auf den Quellcode. Die meisten Hersteller stellen den Quellcode ihrer Produkte auch frei ins Internet, zum Beispiel die Firmen Red Hat oder SUSE. Der Vorteil dieser Vertriebsform liegt darin, dass sehr einfach Teilprodukte zum Ausprobieren verteilt werden können.

Das Besondere an den meisten Open-Source-Programmen ist, dass weiter entwickelter Programm-Code wieder frei sein muss. Auf solcher Open-Source-Software basierend können keine geschlossenen Programme aufgebaut werden, deren Quellcode geheim bleibt. Dagegen könnten alle beitragenden Autoren der freien Programmteile rechtlich vorgehen. Dennoch kann auch verhindert werden, dass Quellcode freigegeben wird: So wurde zum Beispiel für die Polizei ein Open-Source-Programm als Grundlage verwendet und weiter entwickelt. Da die entwickelnde Firma sich verpflichtete, das Programm ausschließlich an den Endkunden Polizei zu liefern, musste sie auch den Quellcode nur an die Polizei weiter geben. Einen Zwang zur weiteren Freigabe sieht die Open-Source-Lizenz nicht vor.

Es gibt aber auch andere Anwendungsmöglichkeiten, wie es zum Beispiel Airbus vorgemacht hat: In der Luftfahrt-Industrie muss sämtliche kritische Betriebs-Software mindestens 30 Jahre dokumentiert und im Quellcode vorgehalten werden. Darum hat der Luftfahrt-Konzern entschieden, dass diese Programme nur noch unter Open-Source-Lizenz entwickelt und veröffentlicht werden. Denn die sichersten Programme sind immer noch die, von deren Funktion sich jeder fachlich qualifizierte Mensch selbst überzeugen kann.