Offene Büros statt Organigramme

Heinz-Walter Große ©PFH
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'PFH meets...' ist eine Vortragsreihe, die sich sowohl an Studierende als auch an die interessierte Öffentlichkeit richtet. Regelmäßig lädt die PFH Private Hochschule Göttingen dazu Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft ein.

Eine Unternehmerpersönlichkeit zu Gast in der PFH: Heinz-Walter Große, Vorstandsvorsitzender der Firma B. Braun, referierte am 16. Mai in der Reihe ‚PFH meets…‘ über den Wachstumspfad seines Unternehmens, die Digitalisierung und moderne Arbeitskultur. B. Braun gehört mit knapp sieben Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 62.000 Beschäftigten zu den weltweit führenden Medizintechnik- und Pharmaherstellern. Doch zugleich ist die Aktiengesellschaft ein Familienunternehmen geblieben, noch immer sind alle Anteile in eigener Hand.

Vor genau 40 Jahren hat Große selbst das Studium in Göttingen abgeschlossen, am 16. Mai gab er aktuellen Studierenden und Gästen der PFH auf unterhaltsame Weise seine Erfahrungen weiter. Direkt nach seinem Studienabschluss, als die Firma noch die überschaubare Größe von 9.300 Mitarbeitern hatte, stieg Große 1978 bei B. Braun ein. Er war zunächst in den USA, später in Österreich und schließlich in der Zentrale in Melsungen tätig. Seit 2011 steht er dem Vorstand vor. Die globale Expansion erlebte Große so von Anfang an mit. Denn mittlerweile betreibt B. Braun Produktionsstätten in 26 Ländern und ist dabei stets nah an seinen Kunden: „80 Prozent des Umsatzes erwirtschaften wir in den Ländern, in denen wir auch produzieren“, so Große. Zum Sortiment zählen rund 5.000 Produkte, die vor allem in Krankenhäusern eingesetzt werden: Infusionssysteme, Dialysezubehör, chirurgische OP-Instrumente und vieles mehr.

Ein Herzensthema für Große ist die Digitalisierung von B. Braun – und dies bereits seit den 1980er Jahren. In den USA bekam er früh eine Ahnung für das Potenzial der damals brandneuen Personal Computer. Kollegen verpassten ihm einen einprägsamen Spitznamen: ‚Walter – The Computer Wizard‘. Heute seien digitalisierte und automatisierte Prozesse in Verwaltung, Produktion und Logistik für den Erfolg des Unternehmens entscheidend. Und natürlich gelte es, neue Entwicklungen im Blick zu behalten und auf ihren Einsatz im Unternehmen zu prüfen.

Außerdem lege B. Braun Wert auf eine moderne Arbeitskultur: „Sie können mich gerne in Melsungen besuchen, aber ich kann Sie nicht in mein Büro einladen – weil ich keines mehr habe“, so Große. Das Unternehmen setze stattdessen auf innovative und kreative Arbeitsumgebungen mit offenen Büroräumen ohne feste Arbeitsplätze. Auch dem alten Hierarchiedenken hat man bei B. Braun den Kampf angesagt. Große ist überzeugt: „Das starre Festhalten an Organigrammen ist der Tod jedes Unternehmens.“ B. Braun habe deshalb das Projekt ‚Task&Teams‘ gestartet, das feste hierarchische Strukturen durch schlagkräftige Teams ersetzt und eine agile, selbstorganisierte Form der Zusammenarbeit fördert.

Der Vortrag mündete in eine lebhafte Diskussion, die PFH-Präsident Frank Albe moderierte. Hier kamen zum Beispiel Strategie und Engagement des Unternehmens in Afrika zur Sprache. Denn die steht in Verbindung mit einem weiteren Herzensthema von Große: Als Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der deutschen Wirtschaft setzt er sich für die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents ein.