Ökologie und Ökonomie vereint

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Text von: Noreen Hirschfeld

Mit dem Umweltprojekt ÖKOPROFIT schonen Unternehmen nicht nur die Umwelt, sondern sparen auch Geld.

Ökologisch handeln und davon profitieren, ist das möglich? „Ja!“, stellen 13 Göttinger Betriebe fest, die sich seit Februar 2011 am Umweltprogramm ÖKOPROFIT (ÖKOlogisches PROjekt Für Integrierte UmweltTechnik) beteiligen. „Der Fokus liegt auf dem finanziellen Ertrag“, erklärt Klaus Hoffmann, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG), die Mitinitiator des Projekts ist. „ÖKOPROFIT ist kein Widerspruch in sich. Es gibt ökologische Maßnahmen, mit denen Betriebe sparen können.“

Die bundesweit agierende Gesellschaft für Arbeitssicherheits-, Qualitäts- und Umweltmanagement Arqum betreut das Projekt auch in Göttingen. Über ein Jahr hinweg veranstaltet sie acht Workshops zu Umweltpolitik, Energie, Abfall, (Ab-) Wasser, Gefahrstoffe, Einkauf, Mobilität und Soziales. Die individuelle Beratung der Unternehmen – zu der eine Bestandsaufnahme, die Themen Organisation und Recht sowie ein Umweltprogramm zählen – ist das Kernstück von ÖKOPROFIT. Hinzu kommen vier gemeinsame Begehungen der Betriebe. „Die Teilnehmer erhalten so Einblicke in andere Unternehmen und deren Praxisansätze“, sagt Mitinitiator Ulf Hasse, Regionaldirektor der VGH Göttingen.

„Mit ÖKOPROFIT geht der Betrieb eine Selbstverpflichtung ein“, erläutert Hasse, der die Projektidee nach Göttingen brachte. Erst einmal stehe alles infrage, was wiederum Anstoß zum Nachdenken sei. Dadurch könne auch die VGH erste Erfolge vorweisen: Der Getränke- Automat ist nachts und über das Wochenende nicht mehr in Betrieb, seine Temperatur ist vier Grad höher geregelt, und die Lichtreklame bleibt aus. Die Einsparung liegt bei 354 Euro im Jahr. „Das kostet kein Geld sondern nur etwas Aufmerksamkeit“, meint Heike Lindner, die für Arqum in der Region die Maßnahmen umsetzt. Außerdem ziert neuerdings eine Photovoltaikanlage das VGH-Dach. Damit könne laut Lindner Strom für 5,5 Vier-Personen-Haushalte erzeugt und 20 Tonnen CO2 im Jahr gespart werden.

Auch die GWG setzt vorbildliche Zeichen. Obwohl bereits auf Energieoptimierung bedacht, offenbaren sich immer wieder Einsparmöglichkeiten. In der Lokhalle fließen nun z.B. dank Perlatoren jährlich 500.000 Liter weniger Wasser durch die Hähne. Andrea Strecker, ÖKOPROFIT-Projektleiterin bei der GWG, ist begeistert: „Das entspricht etwa 2.000 Euro.“

Besonders lukrativ – von den Teilnehmern darum zur besten Maßnahme gewählt – ist die Umstellung auf LED-Beleuchtung im Hotel Freizeit In. Am Beispiel eines der zwölf größeren von insgesamt 44 Tagungsräumen erläutert Geschäftsführer Olaf Feuerstein: „Die Stromkosten lagen bei 600 Euro im Jahr, nach der Umstellung sind es nur noch 115 Euro.“ Das sei eine Einsparung von 485 Euro, bei den kleineren Salons gehe er von 150 Euro aus. „Somit würden wir alleine in den Tagungsräumen circa 11.000 Euro sparen“, erzählt er. Nach und nach sollen alle herkömmlichen Glühbirnen verschwinden, was zwei bis vier Jahre in Anspruch nehmen könne. Das gesamtmögliche Einsparpotenzial schätzt Feuerstein auf 50.000 Euro für den gesamten Hotelkomplex.

Auch die Firma Wilh. Lambrecht aus Göttingen engagiert sich. Sie wechselte den Stromanbieter, setzt nun auf Green- IT und stellt ihren Fuhrpark auf BlueMotion- Modelle um. „Nicht nur das Durchleuchten der firmeninternen Abläufe hat einiges an Veränderung gebracht“, resümiert Geschäftsführer Hans-Joachim Molthan. Auch im privaten Bereich seien Impulse an Mitarbeiter übergegangen, wie z.B. Spar-Perlatoren, Energiesparbeleuchtung oder Mülltrennung. Auf solch kleine Beiträge sollen auch die Unternehmen achten. „Investitionen sind nicht immer nötig, manchmal genügt ein verändertes Verhalten“, erläutert Hoffmann. Gründlichere Mülltrennung, Computer bei längerer Abwesenheit herunterfahren und umweltfreundliches Papier verwenden – alles unter Kontrolle der in den Betrieben etablierten ‚Green-Teams‘, die sich hoch motiviert ihrer Aufgabe widmen.

Im Januar 2012 stehen die abschließenden Prüfungen bei den aktuellen Teilnehmern an. Sie können dann die Auszeichnung ‚ÖKOPROFIT-Betrieb Göttingen‘ erhalten, und die erste Runde ist beendet. „Danach wollen wir ÖKOPROFIT in einem Club fortführen“, sagt Hoffmann. Er denke an Vortragsabende, weiteren Austausch und gemeinsam initiierte Projekte. Auch Strecker ist optimistisch: „In dieser Runde sind viele Initiatoren dabei.“ Hoffnungsfroh fügt sie hinzu: „Umweltbewusstsein ist nicht nur ein Trend, sondern eine Entwicklung.“

Ein besonderes Vorhaben, das die GWG darum auch im Februar 2012 starten will, ist ‚Göttingen HANDEL(t) umweltfreundlich‘, eine kleinere ÖKOPROFIT-Version speziell für Handelsunternehmen. Hier stehen drei Workshops und zwei Begehungen auf dem Programm, ebenfalls unterstützt von Arqum. Ziel ist ein eigens dafür entworfenes Zertifikat, das außen an den Läden zu sehen sein soll. „So ist auch in der Innenstadt sichtbar“, erklärt Hoffmann, „dass sich Göttingen mit dem Thema Umwelt beschäftigt.“

Ansprechpartner für Unternehmen

GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH
Klaus Hoffmann, klaus.hoffmann@gwg-online.de
Andrea Strecker, andrea.strecker@gwg-online.de
Tel.: 0551/54743-0
www.gwg-online.de

ÖKOPROFIT in Göttingen

Initiiert wurde das Projekt, neben den treibenden Kräften VGH-Regionaldirektion Göttingen und GWG, von der Stadtwerke Göttingen AG, der Sparkasse Göttingen, der Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) in Kooperation mit der Energieagentur Region Göttingen und Geschäftsstelle Göttingen der IHK Hannover. Ausschlaggebend war ein Arbeitskreis der Stadt Göttingen zum Thema Klimaschutz, bei dem die Regionaldirektion der VGH den aus Hannover bekannten Ansatz vorschlug. Für die Teilnahme fällt, je nach Umfang, ein Beitrag an. „Dieser wird in der Regel innerhalb des ersten Jahres wieder eingespart“, meint Klaus Hoffmann von der GWG. Jedoch entstehe auch ein gewisser Personal- und Organisationsaufwand.

Teilnehmende Betriebe 2011/2012:

  • ASC Göttingen von 1846 e.V.
  • Autohaus Hermann GmbH
  • bode Energie- und Sicherheitstechnik GmbH
  • Einbecker Brauhaus AG
  • GWG Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen
  • Hotel Freizeit In GmbH
  • Landkreis Northeim, Wirtschaftsförderung
  • MOD IT GmbH
  • Sparkasse Göttingen
  • Stadtwerke Göttingen AG
  • VGH-Regionaldirektion
  • Wilh. Lambrecht GmbH
  • WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen