„Öffnung zahlt sich aus“

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Geschäftsführer Roland Marx über die Anfänge, die Zukunft und die Erfolgsfaktoren des VerpackungsClusters Südniedersachsen - Vor zehn Jahren entstand die Idee, ein Netzwerk für die Verpackungsunternehmen in der Region Südniedersachsen zu gründen. Aus dieser Idee hat sich der VerpackungsCluster Südniedersachsen e.V. – in dem heute rund 80 Unternehmen mit insgesamt mehr als 3.000 Mitarbeitern organisiert sind – entwickelt.

Im Interview blickt Geschäftsführer Roland Marx zurück auf die Anfänge und erklärt, was den Cluster aus seiner Sicht erfolgreich macht.

Herr Marx, erinnern Sie sich noch an das erste Netzwerk-Treffen des VerpackungsClusters?

Ja, das war im Jahr 2005 und ist noch sehr präsent. Ich denke, die beste Beschreibung dafür lautet ‚Politische Vision trifft unternehmerische Realität‘. Der damalige Landrat Schermann hatte festgestellt, dass es eine Ballung von Unternehmen aus der Verpackungsindustrie in der Region gibt. Er hatte die Idee, etwas für diesen Industriezweig zu tun und dachte vor allem an eine Kooperation im Bereich Forschung und Entwicklung. Unserer Einladung zum ersten Treffen waren viele gefolgt, aktiv gesagt hat kaum einer der Anwesenden etwas. Aber am Ende war dennoch klar, dass es auf dem Gebiet ,F+E‘ keine Kooperation geben wird.

Hat Sie dieser Fehlstart damals abgeschreckt?

Das Gegenteil ist richtig. Wir haben umgedacht und sind mit einem Konzept in das zweite Treffen gegangen, das ich erarbeitet hatte. Es beruhte darauf, die Unternehmen aufzufordern, für sie vielversprechende Themen zu benennen. Die hohen und stetig steigenden Energiekosten, vor allem für Strom, waren ein echtes Problem. So haben wir die Bedarfe gebündelt und eine gemeinsame Ausschreibung für den Stromgesamtbedarf gemacht. Unser erstes Projekt. Um Vertrauen aufzubauen, haben wir ausgehandelt, dass die Unternehmen dafür nur etwas bezahlen müssen, wenn wir einen positiven Effekt erzielen.

Und hat sich dieser erhoffte positive Effekt eingestellt?

Das hat er in der Tat. Schon beim nächsten Treffen waren alle erstaunt, welch großes Einsparpotenzial wir heben konnten. Relativ schnell haben wir dann auch in anderen Beschaffungsbereichen Synergieeffekte durch das große Einkaufsvolumen des Netzwerks erzielt. Beispiele sind der Gas-, der Fahrzeug- und der Treibstoffeinkauf. Heute haben wir beispielweise mit VW, Audi und Skoda Rahmenverträge für die Fahrzeugbeschaffung und konnten in den vergangenen Stromausschreibungen die Preiserhöhungen bei Einjahresverträgen um sechs bis acht Prozent reduzieren. Aber mindestens genauso wichtig wie der Beitrag zur Kostensenkung ist die Lehre, die wir aus den ersten Projekten gezogen haben und die wir bis heute beherzigen: Alles was wir machen, machen wir für die Mitgliedsunternehmen. Und wir fragen ganz konkret nach, wo der Schuh drückt.

Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte!

Ja, aber nicht durchgängig. Nach etwa eineinhalb Jahren ging das Engagement merklich zurück. Von einigen Mitgliedern, die sich stark einbrachten, kam dann die Anregung, einen Verein zu gründen. So sollten sich auch die etwas passiveren Teilnehmer über einen finanziellen Beitrag beteiligen und nicht nur Know-how und Kostensenkungseffekte mitnehmen. Wir haben dann 2006 tatsächlich den Verein gegründet. Von da an konnten wir unsere Aktivitäten systematisch ausbauen, die Mitglieder untereinander besser vernetzen und so gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Tatsächlich stehen wir heute für 80 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt mehr als 3.000 Mitarbeitern. Verpackungsmaschinenhersteller, Verpackungshersteller, Händler, Verpacker und auch Recyclingunternehmen sind unsere Mitglieder, damit decken wir die gesamte Wertschöpfungskette im Verpackungsbereich ab.

In der Startphase wurde der Cluster durch das Land Niedersachsen und den Landkreis Göttingen gefördert. Viele Cluster verschwinden nach dieser Förderphase von der Bildfläche. Wie haben Sie es geschafft, ein tragfähiges Konzept aufzubauen?

Das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Etwa 75 Prozent der Cluster schaffen das nicht. Wir haben von Anfang an gezielt nach einem Geschäftsmodell gesucht. Die Förderung haben wir nicht sofort voll ausgeschöpft, sondern die Laufzeit gestreckt. Außerdem hat uns die erfolgsabhängige Bezahlung, die wir für die ersten Projekte gewählt haben, von Anfang dazu gezwungen, wirtschaftlich sauber zu arbeiten und Qualität abzuliefern. Das scheint uns bis heute zu gelingen. Darüber hinaus haben wir unser Dienstleistungsangebot immer nach den Bedürfnissen unserer Mitglieder ausgerichtet und erweitert. Die Arbeitnehmerüberlassung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit und Mitarbeiterqualifizierung über die Akademie sind heute Teil unseres Angebots.

Welche Erfolgsfaktoren, abgesehen von der Mitgliederorientierung und dem tragfähigen Geschäftsmodell, sehen Sie für den Verpackungs-Cluster als entscheidend an?

Wir haben uns für Unternehmen aus anderen Branchen geöffnet und damit sensationelle Erfolge verbuchen können. Natürlich bedeuten mehr Mitglieder mehr Einkaufsvolumen für unsere Projekte. Über Ausschreibungen von Neumitgliedern konnten wir Verpackungsaufträge zusätzlich in die Region bringen, Geschäftsverbindungen schaffen. Und die Verpackungsunternehmen sind näher dran an ihren Kunden, lernen und können schneller reagieren. Davon profitieren dann alle. Als Potenzierung des Effektes hat sich für uns die Kooperation mit anderen Clustern herausgestellt. So generieren Sie auf einen Schlag viele neue Mitglieder und Kontakte, wiederum mehr Einkaufsmacht am Markt sowie die Ausweitung des verfügbaren Know-hows. Zu diesem Aha-Erlebnis hat die Zusammenarbeit mit dem MetallverarbeitungsClusterWaldeck- Frankenberg geführt. In der Netzwerk-zu-Netzwerk-Kooperation liegt ungeheure Kraft. Meine Empfehlung ist, eindeutige vertragliche Regelungen zu schaffen, wenn Cluster kooperieren. Das sorgt für Klarheit.

Wie geht es mit dem VerpackungsCluster weiter?

Ich kenne alle Mitgliedsunternehmen und vor allem die handelnden Personen gut. Wir wollen das nutzen und weiterhin fragen, wo es Probleme oder Bedarfe gibt, und schauen, ob wir da als Cluster zur Lösung beitragen können. Stillstand wollen wir unbedingt verhindern. So werden wir das Angebot der VerpackungsAkademie verstärkt außerhalb der Region sowie branchenübergreifend vermarkten und sie dazu in ClusterAkademie umbenennen. Öffnung zahlt sich aus.

Vielen Dank für das Gespräch.

VerpackungsCluster Südniedersachsen e.V.

Aus der Idee des Landkreises Göttingen und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Göttingen, die Kompetenzen rund um den Bereich Verpackungen in Südniedersachsen zu bündeln, Mehrwerte für die Unternehmen zu schaffen und einen Beitrag zur Bestandssicherung und Ausbau der unternehmerischen Aktivitäten zu leisten, entsteht im Jahr 2005 das Netzwerk und im Jahr 2006 der VerpackungsCluster Südniedersachsen e.V. Nach der anfänglichen Förderung durch das Land Niedersachsen und den Landkreis Region Göttingen trägt sich der Cluster seit 2011 selbst. Im selben Jahr wird die VerpackungsAkademie Südniedersachsen als Clusterprojekt gegründet. Heute sind über 80 Unternehmen, nicht nur aus der Verpackungsbranche und der Region, Mitglieder des Vereins. Seit den Anfängen führt Roland Marx die Geschäfte des Clusters.

Kontakt

Roland Marx, Geschäftsführer, VerpackungsCluster Südniedersachsen e.V., c/o Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH, Bahnhofsallee 1b, 37081 Göttingen, Tel. 0551 999 5498 6, www.verpackungscluster.de