Odd Fellows unterstützen

Text von: Sebastian Mauritz

Die Mitglieder der Gauss-Weber-Loge in Göttingen schließen seit 120 Jahren Lücken im sozialen Netz.

Die Odd Fellows gelten als Vorläufer der heutigen bekannten Service- Clubs wie Rotarier, Lions oder Round- Tabler.

Ein Odd Fellow zu sein, bedeutet für jedes Mitglied die innere Bereitschaft, in dem Anderen den Mitmenschen zu sehen, seine Rechte und seine Eigenheiten zu respektieren und ihm – wenn nötig – mit Rat und Tat beizustehen.

Das Wort „Odd“ bedeutet sonderbar oder überzählig und deutet darauf hin, dass die ersten Zusammenschlüsse auf dieser Basis Handwerksgesellen betrafen, die keinen Zugang in die vorhandenen Zünfte erhielten.

Gründer des Odd-Fellow-Ordens war Thomas Wildey, von Beruf Grobschmied, der die Idee der Selbsthilfeorganisation für Handwerksgesellen aus seiner Heimatstadt London mit nach Amerika nahm, als er dorthin auswanderte. Und somit begann 1819 die Vereinsgeschichte der Odd Fellows in den USA.

Im Jahr 1870 wurde in Stuttgart die erste Loge auf dem europäischen Kontinent nach den Grundsätzen der Odd Fellows gegründet. Die Gründung der Gauss-Weber-Loge in Göttingen erfolgte bereits 1889, und zwar fußend auf der Erkenntnis und dem Bedürfnis, dass sich nur in der Gemeinschaft Gleichgesinnter die herrschende soziale Not und die seelische Vereinsamung und Verzweiflung der Mitmenschen lösen lässt.

Das soziale Engagement in der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts beflügelte auch die Entwicklung der Gauss-Weber-Loge in Göttingen, die 1889 gegründet wird. Die Aufnahme des Namens „Weber“ erfolgte damals mit ausdrücklicher Billigung des Geheimrates Wilhelm Weber, einem der Göttinger Sieben.

Bei den Odd Fellows spielen Nationalität, Glaubensbekenntnis, politische Gesinnung und Ruf der Mitglieder keine, Toleranz aber eine sehr große Rolle. Die Besinnung auf humanistische Werte, karitatives Wirken sowie freundschaftliche Beziehungen zwischen den Mitgliedern und ihren Familien stehen im Mittelpunkt der Gemeinschaft der Odd Fellows.

Gespräche im vertrauten Freundeskreis, Eingehen auf den Mitmenschen sowie die Geselligkeit und die regelmäßige Logensitzung verbindet und führt zu dauerhaften Freundschaften unter den Mitgliedern, nicht nur in Göttingen, sondern auch im In- und Ausland.

Auf der ganzen Welt gibt es etwa 300.000 Mitglieder in 11.000 Odd-Fellow-Logen. Die Mitgliedschaft bei den Odd Fellows steht allen aufgeschlossenen Menschen offen.

Die drei Kettenglieder im Logo der Odd Fellows symbolisieren die Ziele dieses internationalen weltlichen Ordens: Freundschaft – Liebe – Wahrheit. Sie stellen für die Odd Fellows symbolisch Stufen der Erkenntnis dar. Die geselligen Zusammenkünfte bilden den Ausgleich und die Ergänzung zu Beruf und Familie.

Die Logenmitglieder, die sich untereinander Bruder und Schwester nennen, wollen etwas über den anderen und sich selbst erfahren nach dem Motto: „Erkenne Dich selbst!“ Wann hat man einmal Zeit für sich selbst, wann sind Stunden der Muße zu finden?

Solch eine Möglichkeit kann Er in der Gauss-Weber-Loge in Göttingen in der Lotzestraße 34 finden. Sie kann dies in der nächsten Rebekka-Loge in Wolfenbüttel ebenfalls tun.

Die 14 Mitglieder der Odd Fellows in Göttingen wollen Lücken im sozialen Netz schließen. Sie setzen sich für notleidende, hilflose und verzagte Menschen ein. Die offene Hand gegenüber den bedürftigen Menschen ist eine ihrer vornehmsten Aufgaben.

Am 15. August 2009 wurde die 120-Jahr-Feier der Gauss-Weber-Loge in Göttingen festlich begangen.